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Scherenschnitte zeigen die Köpfe der 16 Massenheimer Konfirmandinnen und Konfirmanden. In der Pandemie erleben Tom Knauer (13) und Kira Sophie Lüder (14) mit Pfarrerin Irina Vöge eine ganz andere Vorbereitungszeit auf ihre Einsegnung als die Jahrgänge zuvor.

Konfirmation in Corona-Zeiten

Basteln am Gemeinschaftsgefühl: Wie Konfirmandenunterricht unter Corona-Bedingungen gelingen kann

  • vonChristine Fauerbach
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Keine Freizeiten, keine Gruppendynamik, Unterricht nur digital, die Feier abgesagt. Für Konfirmanden sind es besondere Zeiten. Pfarrerin Irina Vöge versucht trotzdem, etwas Besonderes zu kreieren.

Gemeinschaft erleben ist das A und O für Christen. Gemeinsam singen. Zusammen was erleben an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Genau an dem Punkt holen die Kirchen die Jugendlichen ab, damit sie mit der Konfirmation ihr Taufversprechen erneuern. Die Corona-Pandemie verändert hier auch vieles.

Keine Treffen, keine Freizeiten, keine großen Gottesdienste, um sich vorzustellen, zu zeigen, wie der Nachwuchs Christsein erlebt. Stattdessen Sorgen, auch vor einer Infektion, Ungewissheit, wann und ob die Konfirmation gefeiert werden kann. Die Pandemie verändert das Gemeindeleben. In der evangelischen Kirche in Massenheim könnten wegen der Hygiene- und Abstandsregeln »live« Gottesdienste nur mit zwanzig Besuchern ohne Gesang angeboten werden.

»Daher haben wir im vergangenen Sommer fast alle Gottesdienste Open Air gefeiert«, sagt Pfarrerin Irina Vöge. Seit Ostern, also seit fast einem Jahr bietet sie Videogottesdienste an und arbeitet mit Podcasts. »Wir hoffen, dass wir Ostern wieder gemeinsam Gottesdienst feiern können.« Die Einschränkungen gelten wegen der Abstandsregeln nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für Taufen, Konfirmation, Trauung und Beerdigung. Ein Angebot haben Vöge und ihr Team komplett verändern müssen: Den Konfirmandenunterricht. Damit die 16 Jugendlichen nicht ganz auf den Konfi-Unterricht verzichten mussten, nutzten sie digitale Formen wie Online-Konferenzen, die die jungen Leuten aus dem neuen Schulalltag kennen.

Um auch die Kirche als Ort in die Konfi-Zeit zu integrieren, hat Vöge zwölf Gebetsstationen in der Kirche aufgebaut. Hier konnten sich die Jugendlichen kreativ ins Gemeindeleben einbringen.

»Über Beten kann man nicht theoretisch reden, dass muss jeder selbst erfahren«, sagt Vöge, die seit drei Jahren Massenheimer Pfarrerin ist. Jeder Konfirmand hatte dazu eine Stunde alleine in der Kirche. »Die Konfis sind sehr interessiert bei der Sache«, lobt sie. Stellvertretend erzählen Kira Sophie Lüder (14) und Tom Knauer (13) über ihre besondere Konfi-Zeit.

Konfirmanden nutzen zwölf Stationen in der Kirche, um sich mit dem Christ-Sein zu beschäftigen

Immer sonntags von 10 bis 16 Uhr ist die Massenheimer Kirche geöffnet. Dann könne jeder die Stationen erleben. An der Station »Stille« steht eine Sanduhr. Hier wird eingeladen auf sich zu hören und innezuhalten. Den Überfluss beobachten kann man an der Station »Lebensfülle«. »Man nimmt eine Murmel und wirft sie in ein volles Wasserglas, worauf dieses überläuft«, erzählt Kira Sophie.

»An der Station »Formen« kann man »sein Gebet kneten«, sagt Tom. An weiteren Stationen werden Erinnerungen an die Taufe geweckt, eine »innere Auszeit« auf einem Sofa mittels über Kopfhörer eingespielte Naturgeräusche ermöglicht. Es gibt die Chance Teelichter anzuzünden, sich mit Duftölen einzureiben oder Symbole auszuwählen, die einen an eine besondere Situation im Leben erinnern. Gebete malen oder selbst schreiben mit Scherben schreiben ist auch möglich. Am Ausgang der Kirche liegen Federn und Perlen zum Mitnehmen bereit.

Der persönliche Kontakt fehlt den Konfirmanden

Trotz der vielen digitalen Angebote miteinander in Kontakt zu bleiben, sei nicht einfach. »Es ist doof, wenn man sich nicht treffen kann. Der digitale Konfi-Unterricht nach dem Online-Unterricht in der Schule ist anstrengend«, sagt Kira Sophie. Die beiden jungen Christen bedauern, dass ihre Konfi-Freizeit ausgefallen ist. »Ich finde, digitaler Konfi-Unterricht ist besser als gar keiner. Mir gefallen die Gebetsstationen gut«, sagt Tom.

Die Rückmeldungen der Konfis für das Engagement der Gemeinde ist durchweg positiv, doch »Konfirmationszeit hat viel mit Vertrauen zu tun. Glauben kann man nicht durch das Lesen eines Textes erleben, auch waren kein Gemeindepraktika möglich und die Konfis hatten bisher wenig Möglichkeiten, ihre Gemeinde wirklich kennenzulernen und mitzuerleben. Wir kämpfen aber darum, trotz allem viel gemeinsam zu machen«, sagt Pfarrerin Vöge.

Konfirmanden gestalten zweimal in der Woche Inhalte auf Instagram

Dazu gehören auch soziale Medien. Zweimal in der Woche gibt die Gruppe auf Instagram die »KonfiSpirits« heraus. Konfirmanden gestalten einen Post zur Tageslosung, anderen Bibelversen mit Fotos und animierten Texten. Das alles könne die gelebte und erlebte Gemeinschaft kaum ersetzen. Um den Konfis die Gelegenheit zu bieten, sich doch noch in der Gruppe treffen zu können könnte die Konfi-Freizeit eventuell im Sommer nachgeholt werden. Außerdem werde darüber nachgedacht, ob die Konfirmation, die fürs Frühjahr geplant war, in den Herbst verschoben werden kann, um mehr unbeschwerte Konfizeit zu ermöglichen.

Informationen zum Online-Angebot der Massenheimer Kirche

Die Kirchengemeinde Massenheim hat ihr Online-Angebot während der Corona-Pandemie ausgeweitet. Informationen zur Gemeinde gibt es auf der Homepage www.evangelische-kirche-massenheim.de, auf Facebook, dem eigenen Youtube-Kanal und auf Instagram werden Statements abgegeben und über Angebote informiert. 

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