Der ursprünglich für den Fahrplanwechsel im Dezember 2022 geplante Betriebsstart der zwei neuen Gleise für die S 6 muss um mindestens ein Jahr verschoben werden. 
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Der ursprünglich für den Fahrplanwechsel im Dezember 2022 geplante Betriebsstart der zwei neuen Gleise für die S 6 muss um mindestens ein Jahr verschoben werden. 

S6-Gleisausbau

Bahnverkehr in der Wetterau: Pendler müssen sich gedulden 

  • vonMatthias Pieren
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Hiobsbotschaften beim RMV: Die Zeitpläne für mehrere S-Bahn-Ausbauprojekte können nicht mehr gehalten werden. Betroffen ist auch der viergleisige Ausbau zwischen Frankfurt und Bad Vilbel.

Bei der Geburtstagsfeier des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) zum 25-jährigen Bestehen ist in der vergangenen Woche noch natürlich auf die großen Erfolge der Vergangenheit angestoßen worden. Doch bereits in dieser Woche trüben Hiobsbotschaften den Alltag. Und das liegt nicht nur am Einbruch der Fahrgastzahlen infolge der Corona-Pandemie. Die Zeitpläne für gleich mehrere S-Bahn-Ausbauprojekte können nicht mehr gehalten werden. Betroffen ist auch der viergleisige Ausbau der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt West und Bad Vilbel.

Der ursprünglich für den Fahrplanwechsel im Dezember 2022 geplante Betriebsstart der zwei neuen Gleise für die S6 muss verschoben werden. Damit werden auch die ÖPNV-Pendler aus der Wetterau noch länger auf die so sehnsüchtig erwartete und vom RMV versprochene Verbesserung der Pünktlichkeit ihrer Züge warten müssen.

S-Bahn Wetterau: Inbetriebnahme für 2023 geplant

"Aktuell sehen wir eine Gesamtinbetriebnahme für Ende 2023 vor", teilte eine DB-Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung mit. Die Verspätung um - vorerst - ein Jahr wird dies mit deutlichen Verzögerungen in einigen Bauabschnitten begründet.

Anwohner hatten sich geweigert ihre Grundstücke zu verkaufen und prozessiert. Zudem wirbelten Probleme bei umfangreichen Dammarbeiten entlang der Gleise sowie der verspätete Baubeginn der Oberleitungen, die mehrfach europaweit ausgeschrieben werden mussten, den ursprünglichen Zeitplan durcheinander. "Schlüsselprojekte wie die Harheimer Brücke konnten wegen Abstimmung mit der Politik und Stadt, um baubedingte Beeinträchtigungen zu verringern, erst später umgesetzt werden", sagt die Bahnsprecherin. Da sich verschiedene Teilprojekte aufeinander aufbauen, entsteht demnach schnell ein Dominoeffekt. Verspätet sich ein Teilprojekt, so können auch die davon abhängigen Teilprojekte erst später realisiert werden.

S-Bahn Wetterau: Betriebsstart der verlängerten S5-Strecke auf unbestimmte Zeit verschoben

"Selbst wenn einzelne Abschnitte - etwa zwischen Frankfurt West und Ginnheim - bereits vor Ende 2023 technisch fertiggestellt sein werden, kann die gesamte Baustufe zwischen Frankfurt West und Bad Vilbel nur als Ganzes in Betrieb genommen werden." Der RMV hatte für den Fahrplanwechsel 2022/2023 eigentlich eine umfassende Änderung bei den Fahrzeiten, dem Fahrzeugeinsatz und den einzelnen Zugläufen der S-Bahnen an ekündigt. Im Zuge dieses Projektes sollten ab Dezember 2022 auch die S-Bahnen der Linie S 6 von Friedberg über Frankfurt nach Darmstadt verlängert werden.

Daraus wird nun nichts. Grund: Auch andere Verkehrsprojekte, auf die der RMV setzt, verspäten sich. So wurde der Betriebsstart der über Bad Homburg und Friedrichsdorf bis nach Usingen verlängerten S 5 auf unbestimmt verschoben. Und das hat Auswirkungen auf die Wetterau. Die Umläufe der S-Bahnzüge der Linien der S 6 und S 5 sollten eigentlich ab dem Fahrplanwechsel 2022/2023 miteinander gekoppelt werden. Der Plan war, die S 6 aus Friedberg und Bad Vilbel bis Langen und Darmstadt zu verlängern. Die S-Bahnzüge wären dann auf ihrer Rückfahrt ab Darmstadt oder Langen als S 5 auf der dann elektrifizierten Taunusbahn bis Usingen auf die Reise geschickt worden.

S-Bahn Wetterau: Übergangsfahrpläne erforderlich

Aber dieses Bahnprojekt hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Zwar wurde das Planfeststellungsverfahren für die notwendige Elektrifizierung beim Regierungspräsidium in Darmstadt im Februar - mit mehrmonatiger Verspätung - eingereicht. "Wir wissen nicht, wie sich die Corona-Lage in den kommenden Monaten auf die Zusammenarbeit mit Behörden und Firmen auswirken", teilt Hochtaunus-Pressesprecherin Andrea Herzig mit. Wann und wie schnell die Mühlen der Verwaltung in Darmstadt mahlen, steht in den Sternen.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund muss also derzeit eine Hiobsbotschaft nach der anderen schlucken. Eigentlich wollte der RMV die Einweihung des vierspurigen Abschnittes der S 6 bis Bad Vilbel, die Betriebsaufnahme der S 5 nach Usingen, die Verlängerung der Regionalbahn RB 16 von Friedberg über Friedrichsdorf nach Bad Homburg und das neue Fahrplankonzept der S-Bahn-Linien S 5 und S 6 koordiniert umsetzen. "Bei zeitlichen Verzögerungen der einzelnen Projekte werden gegebenenfalls Übergangslösungen im Fahrplan erforderlich", teilt dazu RMV-Pressesprecherin Vanessa Rehermann auf Anfrage mit. Konkret heißt das: "Wir behalten das aktuelle Linienkonzept zunächst bei."

S-Bahn Wetterau: Neue Wasserstoff-Bahnen ab Ende 2022

Damit fahren die Regionalbahnen der RMV-Linie RB 16 weiterhin von Friedberg nur bis Friedrichsdorf. Doch werden wie geplant ab Dezember 2022 auf der Bahnstrecke über Rosbach auch die neuen mit Wasserstoff betankten Triebfahrzeuge in die Wetterau fahren.

"Die modernen Triebfahrzeuge Coradia-i-Lint mit Brennstoffzellen-Antrieb werden nach aktuellem Kenntnisstand ab dem Fahrplanwechsel 2022/23 im Teilnetz Taunus eingesetzt. Neben den drei Bahnlinien RB 11, RB 12 und RB 15 gehört dazu auch die RB 16 nach Friedberg."

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