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Ausfälle, Umleitungen, Alternativen: Was Bahnfahrer zur S6-Vollsperrung wissen müssen

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Von: Holger Pegelow

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Hier ist montags bis freitags Endstation für die S 6, wenn sie überhaupt fährt beziehungsweise nicht schon in Karben Endstation ist. © Holger Pegelow

Wer ab dem 9. Juli, in der Wetterau mit Öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, braucht Geduld. Denn die Vollsperrung der S6-Bahnstrecke zwischen Bad Vilbel und Frankfurt-West beginnt.

Wetteraukreis/Frankfurt – Seit Wochen schon gibt es nicht das übliche Fahrplanangebot auf der S6. Denn die Arbeiten zum viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn weiten sich aus. Die S-Bahn fährt weniger häufig und nur eingleisig an den Baustellenabschnitten beispielsweise in Bad Vilbel, am Frankfurter Berg oder in Eschersheim vorbei.

Das sorgt für Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste. Eine Seniorin aus Wöllstadt berichtet, sie sei »schon eine geschlagene Stunde unterwegs«. Als sie das erzählt, steht die S-Bahn auf dem Weg von Frankfurt nach Friedberg auf freier Strecke vor dem Eschersheimer Bahnhof. Der Fahrer muss auf die entgegenkommende S-Bahn warten und auch darauf, dass alle Arbeiter in Sicherheit sind. Erst nach rund zehn Minuten bekommt er das Signal zur Weiterfahrt. »Gott sei Dank fahre ich nicht so oft«, sagt die Rentnerin.

S6-Vollsperrung: Züge fahren nur zwischen Friedberg und Bad Vilbel

Aushänge an allen Bahnhöfen: Berufstätigen geht es da anders. Wer regelmäßig nach Frankfurt zur Arbeit muss, muss eine Menge Fähigkeiten mitbringen. Fahrpläne lesen, beispielsweise. Auf 21 Seiten haben Deutsche Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund RMV nicht nur die bis zum 5. September geltenden Fahrpläne aufgelistet, sondern auch, welche Ersatzbusse wann und von wo aus abfahren. Berufspendlerinnen und -pendler sollten sich in diesen Tagen schon mal viel Zeit nehmen, denn ganz einfach ist das alles nicht zu überblicken. Und auch wer nur an den Wochenenden fährt, tut gut daran, sich rechtzeitig ausführlich zu informieren. Der Verkehrsverbund und die Bahn haben dazu eine Informationsoffensive gestartet. An allen Bahnhöfen hängen die ausführlichen Fahrpläne bereits aus. In der elektronischen Fahrplanauskunft sind die künftigen Zeiten und Verkehrsmittel ebenfalls einprogrammiert worden. Man könne sich, so der RMV, seinen individuellen Fahrplan zusammenstellen. Eine gute Idee, denn Streckenfahrpläne zu lesen und aus den unzähligen Spalten herauszuklauben, wann was wo abfährt, ist mühsam.

Grob gesagt ist es aber so: Die S6 pendelt von Montag bis Freitag zwischen Friedberg und Bad Vilbel, dort müssen die Fahrgäste umsteigen in den Schienenersatzverkehr, zu erkennen an dem Zeichen SEV. Während der Zeit der Totalsperrung fährt die S6 an den Wochenenden nur zwischen Friedberg und Groß-Karben. Die Bahn versucht dabei einen Halbstundentakt einzuhalten. Keine einzige S-Bahn fährt in der Zeit vom 18. Juli, 19 Uhr, bis 29. Juli, 3 Uhr, und zwar auf der gesamten Strecke zwischen Friedberg und Frankfurt. Grund sind Arbeiten an dem neuen elektronischen Stellwerk in Groß-Karben, das für den Streckenabschnitt von Karben bis Nieder-Wöllstadt eingerichtet wird.

S6-Vollsperrung: Ersatzbusse bis zum Hauptbahnhof Frankfurt

Weite Fußwege zu den Bushaltestellen: Wetterauerinnen und Wetterauer, die unter der Woche fahren, kommen in Bad Vilbel auf Gleis 7 an, müssen dann durch die Unterführung auf den Bahnhofsvorplatz, wo die Ersatzbusse abfahren, unmittelbar dort, wo man aus der Unterführung hochkommt. Man hat zwei Busse zur Auswahl: Schnellbusse mit der Bezeichnung »S6X« nach Frankfurt Hauptbahnhof mit Halt in Dortelweil, Bad Vilbel, Bad Vilbel-Süd und an der Konstablerwache und Regionalbusse mit der Bezeichnung »S6E« (Friedberg)-Groß-Karben-Bad Vilbel-Frankfurt-West (Frankfurt Hbf) mit Halt auf allen Unterwegsbahnhöfen, außer Frankfurter Berg, Eschersheim, Messe und Galluswarte. Laut den Verantwortlichen der Deutschen Bahn sind ab 9. Juli vier Busse je Stunde und je Richtung als Schienersatzverkehr unterwegs. Die Verbindungen seien attraktiv, gerade die Schnellbusse, denn sie seien zwischen Bad Vilbel und Frankfurt Innenstadt lediglich 20 Minuten unterwegs.

Während der Umstieg in Bad Vilbel relativ einfach ist, weil nah an der Unterführung, sieht es in Groß-Karben anders aus. Dort müssen Fahrgäste, die aus Friedberg und Wöllstadt kommen, zunächst 300 Meter zu Fuß zurücklegen, weil die Abfahrtshaltestelle im Gewerbegebiet liegt. Dies hängt mit der Aufstellfläche für die Busse zusammen. Da es sich um Gelenkbusse handelt, brauchen sie mehr Platz, als direkt am Bahnhof vorhanden ist.

S6-Vollsperrung: Bediengebiet des On-Demand Shuttle »KNUT« erweitert

Rufbusse »KNUT« bis nach Bad Vilbel: Wer in Dortelweil wohnt und dort den SEV benutzen will, muss deutlich sportlicher sein als im benachbarten Karben. 550 Meter sind es vom Bahnhof bis zur Haltestelle Friedberger Straße Höhe Porta und Kulturforum. Aufpassen heißt es auch, wer am Vilbeler Südbahnhof einsteigen will. Die Busse Richtung Frankfurt fahren vor dem Rewe-Markt ab, die in Richtung Groß-Karben auf der anderen Seite des Biwer-Kreisels vor dem Optiker-Geschäft. Menschen, die noch spät unterwegs sind, müssen ab dem kommenden Samstag, 9. Juli gleichfalls einiges beachten, denn die S6 fällt auch in vielen Nächten aus. Dann fahren die Busse im Spät- und Nachtverkehr bis und ab Friedberg Bahnhof mit Haltestellen in Okarben, Nieder-Wöllstadt und Bruchenbrücken. Der RMV weist darauf hin, dass in den Bussen des Schienenersatzverkehrs keine Fahrradmitnahme erlaubt ist.

Noch mehr Änderungen

Die wochenlange Streckensperrung betrifft auch die Regionalbahnlinie 34. Die Bahnen verkehren stündlich nur zwischen Glauburg-Stockheim und Bad Vilbel bzw. Niederdorfelden mit laut RMV und Bahn geänderten Fahrzeiten. Auch hier verkehrt ein SEV. Diese Busse fahren am Bad Vilbeler Bahnhof Richtung Glauburg am Bussteig D ab und in Richtung Frankfurt an den Bussteigen D und E. Am Vilbeler Südbahnhof geht es Richtung Glauburg vom Bussteig A ab, in Richtung Frankfurt vom Bussteig B. Alle Ersatzbusse halten in Frankfurt an der Konstablerwache. In Richtung Wetterau fahren sie an der Seite von C&A von der dortigen Nachtbushaltestelle ab, am Hauptbahnhof an der Südseite in der Mannheimer Straße. (pm/pe)

Gibt es, außer die Ersatzbusse zu nehmen oder Urlaub einzureichen, weitere Alternativen? Ja, sagt beispielsweise die Stadt Bad Vilbel, die Leihfahrräder anbietet. Zudem wird für die Dauer der S 6-Streckensperrung das sogenannte Bediengebiet des On-Demand Shuttle »KNUT« um den Bahnhof Bad Vilbel erweitert. Mit »KNUT« haben die Fahrgäste im Frankfurter Norden laut RMV ein ganz flexibles Nahverkehrsangebot. Drei elektrische Kleinbusse sind täglich von 5 bis 1 Uhr im Einsatz - ohne feste Abfahrtszeiten und ohne feste Strecken. Für den Ein- und Ausstieg stehen den Fahrgästen weit über 600 »virtuelle«, aber auch bestehende Haltestellen zur Verfügung. Die Busse verkehren in Nieder-Eschbach, Bonames, Kalbach, Berkersheim und Frankfurter Berg. Bad Vilbeler könnten also mit einem solchen Kleinbus zu den U-Bahnstationen in Nieder-Eschbach, Bonames oder Kalbach fahren und dann mit der U-Bahn Richtung Frankfurter Innenstadt.

Weitere Informationen gibt es beim Rhein-Main-Verkehrsverbund unter Telefon 0 69/24 24 80 24, bei der Deutschen Bahn unter Telefon 0 69/24 44 57 10, im Internet unter der Adresse bauinfos.deutschebahn.com, wobei man das Bundesland Hessen, dann S-Bahn und dann die S 6 auswählen muss, sowie im HR-Videotext auf Tafel 540. pe

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