Fachbereichsleiter Sören Bußmann (links) und seine Mitarbeiter sehen sich bei Arbeiten an Bäumen immer wieder Anfeindungen von Bad Vilbeler Bürgern gegenüber. "In Bad Vilbel herrscht das Bild vor, dass wir einfach Bäume fällen, nur weil die Kettensäge mal wieder benutzt werden muss", sagt er. FOTOS: NIKLAS MAG
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Fachbereichsleiter Sören Bußmann (links) und seine Mitarbeiter sehen sich bei Arbeiten an Bäumen immer wieder Anfeindungen von Bad Vilbeler Bürgern gegenüber. "In Bad Vilbel herrscht das Bild vor, dass wir einfach Bäume fällen, nur weil die Kettensäge mal wieder benutzt werden muss", sagt er. FOTOS: NIKLAS MAG

Baumfällungen

Bäume in Bad Vilbel: Eine Fällung ist der letzte Schritt

  • vonNiklas Mag
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Bäume sind in Bad Vilbel ein Streitthema schlechthin. Immer wieder geraten Bürger, die sich um das städtische Grün sorgen, bei Baumfällungen mit Mitarbeitern der Stadt aneinander.

Sören Bußmann leitet den Fachdienst Abfallwirtschaft und Grünflächenpflege in Bad Vilbel und hat neben seinen Mitarbeitern auch den freien Baumsachverständigen Thomas Sinn in den Vilbeler Kurpark eingeladen. "In Bad Vilbel herrscht das Bild vor, dass wir einfach Bäume fällen, nur weil die Kettensäge mal wieder benutzt werden muss", sagt er. "Das ist natürlich nicht der Fall." Dennoch werden seine Mitarbeiter regelmäßig bei Pflegearbeiten an Bäumen oder bei Fällungen angefeindet, sagt Bußmann.

Fotos von seinen Kollegen bei der Arbeit seien bereits in sozialen Medien und Facebook-Gruppen aufgetaucht, wo die Anfeindungen schließlich weitergehen. "Das überschreitet mittlerweile eine Grenze." Der Fachbereichsleiter ist besorgt. Er und seine Kollegen würden schließlich nur ihrem Job nachgehen und würden sich vor Ort zudem immer die Zeit nehmen, fragenden Vilbelern zu erklären, warum ein Baum gefällt wird. "Denn das hat immer einen Grund und geschieht sicher nicht zum Spaß. So möchten wir heute mal zeigen, wie der Prozess abläuft und wir unsere Arbeit machen."

Häufig bei Gerichtsprozessen

Am Anfang jedes zurückgeschnittenen gesunden oder auch gefällten Baumes steht nicht die Stadt Bad Vilbel, sondern Thomas Sinn. Der Landschaftsplaner, Baumstatiker und Ingenieur aus Niddatal ist in ganz Deutschland als freier Sachverständiger aktiv, öffentlich bestellt und vereidigt. "Wer Verkehr eröffnet, hat eine Verkehrssicherungspflicht", weiß er. Dazu zählt in einer Stadt selbstverständlich auch der Baumbestand. Als Sachverständiger sei er häufig an Gerichtsprozessen beteiligt, beschreibt Sinn. Dort erlebe er regelmäßig, was geschehen kann, wenn Verkehrssicherungspflichten nicht eingehalten werden. Er selbst wäre im Falle eines Unfalls in Bad Vilbel haftbar.

"Ich habe diesen Treffpunkt im Kurpark gewählt, weil dieser Baum ein gutes Beispiel bietet", meint er und zeigt auf den großen, alten Baum, der direkt am Eingang zum Kurpark an der Kreuzung Parkstraße und Niddastraße steht. "Der Baum ist vom Riesenporling befallen. Ein Pilz, der die Wurzeln zerfrisst, wuchert und Weißfäule verursacht." Ob der Baum damit den darunterliegenden Weg in Gefahr bringt, habe er durch verschiedene Tests erörtern müssen. "Wir haben unter anderem einen Zugversuch gemacht, ein aufwendiges Verfahren, bei dem die Windlast gemessen werden kann, und uns dafür entschieden, den Baum nicht zu fällen, obwohl er so stark befallen ist." Es handele sich nämlich um einen für den Kurpark sehr prägenden Baum. "Nach den Tests und dieser Überlegung habe ich der Stadt weitergegeben, dass das Zurückschneiden der Krone die Windlast reduziert. Und somit ist die Verkehrssicherheit vorerst wieder hergestellt."

Schulnoten für 7150 Bäume

7150 Bäume verzeichnet das Baumkataster Bad Vilbels derzeit. Jeden Einzelnen davon betrachtet Thomas Sinn einmal im Jahr, um sich einen ersten visuellen Eindruck zu verschaffen und gegebenenfalls - wie im Falle des großen Baumes im Kurpark - weitere Tests anzuordnen. "Ich vergebe schließlich Schulnoten für die Bäume, um eine bessere Übersicht zu schaffen. Bei Note 6 hilft nichts mehr. Dann ist der Baum tot und muss weg."

Ein Baum wenige Meter weiter in Richtung Innenstadt weist bereits starke Pilzwucherung auf. "Hier werden wir jetzt abwarten, ob der Baum im Frühjahr noch einmal austreibt. Falls ja, untersuchen wir den Baum weiter und entscheiden dann erst, was wir machen, weil es sich auch hier um einen prägenden Baum handelt." Um Geld und Mühe zu sparen, könnte man den Baum auch einfach direkt fällen. Doch das lehnt die Stadt ab. Die Fällung solle weiterhin nur der letzte Schritt bleiben.

Seine Gutachten und Testergebnisse gibt der vereidigte Prüfer Thomas Sinn schließlich weiter an die Stadt. Zusammen mit einer Prioritätenliste und Anweisungen, wie mit jedem einzelnen Baum umzugehen ist. Manchmal bleibt eben nur die Fällung. nma

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