Nimmt bald Abschied von seinem Arbeitsplatz: Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr vor dem Rathaus.
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Nimmt bald Abschied von seinem Arbeitsplatz: Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr vor dem Rathaus.

Politik

Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr tritt 2022 nicht mehr zur Wahl an

  • VonPatrick Eickhoff
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Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr (CDU) wird bei der kommenden Bürgermeisterwahl nicht noch einmal kandidieren. Dies hat er in einer persönlichen Mitteilung seiner Partei sowie in einem Brief allen städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie dem Magistrat erklärt. Diese Entscheidung sei ihm sehr schwer gefallen und beruhe ausschließlich auf privaten Gründen.

Bad Vilbel – Damit haben wohl die wenigsten gerechnet: Bürgermeister Thomas Stöhr tritt bei der Bürgermeisterwahl im Frühjahr 2022 nicht mehr an. Noch vor einigen Monaten sei er fest entschlossen gewesen, für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. »Die Entwicklung in meinem privaten Umfeld der vergangenen Wochen und Monate lassen mich nach reiflicher Überlegung und Abwägung zum Schluss kommen, dass ich mich den Anforderungen eines intensiven Wahlkampfs und den Belastungen einer weiteren Wahlperiode nicht mehr stellen sollte«, erklärte der 55-Jährige am Dienstag (10.08.2021) in einer Stellungnahme.

Er bezeichnet es als »seine Herzensaufgabe«, für seine Geburts- und Heimatstadt Bad Vilbel nunmehr schon seit 21 Jahren wirken zu können. Begonnen hat er am 1. Januar 2000 als Erster Stadtrat. Seit dem 17. Juni 2004 ist er Bad Vilbeler Bürgermeister. Besonders das gemeinsame Voranbringen wichtiger Projekte habe ihm viel Freude bereitet. Er könne sich nichts Schöneres vorstellen als die Aufgaben eines Bad Vilbeler Bürgermeisters.

Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr: Dank gilt Mitarbeitern, Bürgern und Magistrat

Thomas Stöhr dankte den Bürgerinnen und Bürgern für die vertrauensvolle Beauftragung in drei Direktwahlen jeweils im ersten Wahlgang. Bei der Wahl am 28. September 2003 setzte sich Stöhr mit 71,9 Prozent gegen Roland Fischer (SPD, 26,9 Prozent) durch. 2010 mit 57,8 Prozent gegen Helmut Betschel-Pflügel (offiziell parteilos – mit Unterstützung von SPD und Grünen, 24,3 Prozent) sowie 2016 mit 65,7 Prozent gegen Clemens Breest (Grüne, 22,7) und Raimo Biere (damals Freie Wähler, 11,6).

Eine vierte Amtszeit wird es nicht mehr geben. Der Rathauschef sprach den städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie dem Magistrat für die große Unterstützung, den Gremien der Stadt für deren Respekt und Zusammenarbeit und den Gremien der CDU für den zu jeder Zeit bestehenden uneingeschränkten Rückhalt sowie das stets gegebene Vertrauen Dank aus.

Bad Vilbels Christdemokraten nehmen die Ankündigung zum Anlass, das jahrzehntelange Engagement Stöhrs für Bad Vilbel zu würdigen. »Sein Engagement, fleißig, zukunftsorientiert und besonnen, galt immer dem Wohle der Bad Vilbelerinnen und Bad Vilbeler. Das haben ihm die Bürgerinnen und Bürger auch mit hervorragenden Wahlergebnissen bei seinen zwei Wiederwahlen vergolten«, so der CDU-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Tobias Utter.

Bad Vilbel: Erste Abschiedsworte an Bürgermeister Thomas Stöhr

Unter Führung von Stöhr habe sich Bad Vilbel »zu einem eigenständigen und lebendigen Mittelzentrum mit unverwechselbarem Charakter und viel Charme entwickelt«. In seinen drei Amtszeiten habe Stöhr unzählige Projekte initiiert, vorangebracht und umgesetzt, resümiert Utter: »Wir haben es vor allem ihm zu verdanken, dass wir heute eine einzigartige und allseits beliebte Stadtmitte mit einer Bibliotheksbrücke haben. Hierfür hat er auch schwierige Debatten mit Kritikern, die das Projekt verhindern wollten, nicht gescheut.« Besonders eingesetzt habe sich der Bürgermeister zudem für den Ausbau der Burgfestspiele, die Schaffung von Wohnraum im Quellenpark samt Neugestaltung des Bahnhofsplatzes oder den Bau der Feuerwehrhäuser auf dem Heilsberg und in Gronau. »Er hat immer ein offenes Ohr für die Menschen und legt dabei Wert auf Sachlichkeit und Gewissenhaftigkeit. Dieser Stil zeichnet ihn als Politiker und Menschen aus.«

Die Bad Vilbeler SPD schreibt in einer Pressemitteilung: »Wir haben Dr. Stöhr immer als kompetenten und zuverlässigen Gesprächspartner erlebt, der auch die Opposition stets ernst genommen hat und immer ein offenes Ohr für die Bürgerinnen und Bürger hatte.« In seiner Zeit als Bürgermeister habe sich das Bild von Bad Vilbel sehr geändert, beispielhaft sei hier die Gestaltung der »Neuen Mitte« und die Entwicklung des Gewerbegebiets Krebsschere, aber auch die neuen Wohngebiete genannt. »Auch in finanziellen schwierigen Zeiten, als zum Beispiel Bad Vilbel einer Haushaltssperre unterlag, habe Dr. Stöhr in seiner Funktion als Kämmerer mit großer Umsicht gehandelt und die Stadt wieder in ruhigere Gewässer lenken können.« Fraktionsvorsitzender Christian Kühl sagt: »Wer drei Bürgermeisterwahlen so überragend für sich entscheiden konnte, wie Dr. Stöhr kann in seiner Arbeit nicht viel falsch gemacht haben.« Er habe die Unterhaltungen und die Zusammenarbeit immer geschätzt, »weil ich wusste, dass er immer das Wohl von Bad Vilbel im Sinn hat und auch über die Parteigrenzen hinweg gedacht hat«, sagt Kühl. »Die Stadt Bad Vilbel wird einen hervorragenden Rathauschef verlieren, der große Fußstapfen für seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger hinterlassen wird«, erklärt der SPD-Mann.

Jörg Uwe-Hahn, Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes, sagt: » Ich habe sehr großen Respekt vor der Entscheidung meines Bürgermeisters. Ich habe gerade in den vergangenen Jahren als Vorsitzender der FDP-Fraktion und noch enger als Sozialdezernent mit ihm zusammengearbeitet.« Dabei habe er ihn nicht nur in Bad Vilbel, sondern als Präsident des Hessischen Städte- und Gemeindebundes auch auf Landesebene erlebt. »Jedenfalls wird es mit meiner Heimatstadt im kommenden Jahr anders werden. Wer dann auch im Amt des Bürgermeisters folgen wird.«

Bad Vilbel: Utter will Wysocki als Nachfolger für Stöhr

Die Grünen bedanken sich für das umfassende Engagement Stöhrs. »Seiner persönlichen Entscheidung zolle ich große Anerkennung verbunden mit den besten Wünschen für die anschließende Zeit«, sagt Vorsitzender Clemens Breest. Fraktionsvorsitzende Kathrin Anders betont: »Mit Bürgermeister Thomas Stöhr konnten wir auch bei unterschiedlichen Sichtweisen immer sprechen. Er strebte oft einen Ausgleich an. Das wissen wir sehr zu schätzen und danken ihm dafür.« Durch den Bürgermeister habe die Stadt sehr viele Impulse zur Stadtentwicklung erfahren. In seiner Amtszeit seien viele Feuerwehrgerätehäuser neu gebaut, die neue Mitte errichtet, das Kurhaus saniert und die neue Stadthalle gebaut worden.

Die Grünen werden auf einer Mitgliederversammlung nach der Bundestagswahl eine Nominierung zu der Kandidatur um das Bürgermeisteramt vornehmen.

Und auch die CDU schaut nach vorne. Seine Ankündigung, nicht mehr kandidieren zu wollen, stelle nicht nur für die Quellenstadt, sondern auch für die CDU eine Zäsur dar, sagt Tobias Utter. »Dennoch wollen wir nun auch in die Zukunft blicken. Ich werde dem Parteivorstand der CDU Bad Vilbel deshalb unseren Ersten Stadtrat Sebastian Wysocki als Kandidat für die kommende Bürgermeisterwahl vorschlagen.«

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