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Weil die Frontkamera auf dem Smartphone spiegelverkehrt aufnimmt, ist auch der Raum für die Livestreams spiegelverkehrt eingerichtet. Ceylan Gencer (links) und Silke Dreyfürst Brandt freuen sich schon auf ihre nächste Verkaufs-Show.

Fürstlich Shoppen

Bad Vilbelerin zählt mit Mode-Idee zu Gewinnern der Pandemie

  • VonNiklas Mag
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Silke Dreyfürst Brandt hat in den vergangenen Monaten ihr eigenes Unternehmen gegründet. Mit »Fürstlich Shoppen« bietet die Vilbelerin eine Shopping-App an und streamt regelmäßig auf Facebook.

Es gibt so viele schlechte Nachrichten während der aktuellen Pandemie, doch hier und da gibt es auch Gewinner in der Pandemie: Die Bad Vilbelerin Silke Dreyfürst Brandt hat im vergangenen Herbst ihren Job als Kosmetikerin an den Nagel gehängt und eine Online-Boutique gegründet. Sie ist glücklich über diese Entscheidung. »Es läuft super bei uns. Wir sind hier im Oktober eingezogen und haben etwa 100 Quadratmeter, aber das reicht jetzt schon nicht mehr«, sagt sie.

Klamottenstangen, Deko-Artikel und natürlich das Studio für die Livestreams finden sich in den Räumen in der Homburger Straße. »Wir suchen derzeit neue Räume, die doppelt so groß sind, und ich möchte Mitarbeiter einstellen.« Ein ganz neuer Schritt für die Vilbelerin, doch der rasante Erfolg verlangt schnelle Entscheidungen. Der monatliche Umsatz von »Fürstlich Shoppen« liegt im hohen fünfstelligen Bereich.

Rund 300 Zuschauer pro Livestream

Doch wie genau funktioniert Silke Dreyfürt Brandts System? Ältere würden es als modernes Teleshopping bezeichnen, jüngere sehen in der Vilbelerin vermutlich eher eine Influencerin. »Wir streamen auf Facebook, ziehen die Klamotten dort auch direkt an und stellen diese vor«, sagt Ceylan Gencer. Sie ist die beste Freundin und rechte Hand der Gründerin und regelmäßig in den Streams mit von der Partie. »Der Unterschied zum Teleshopping ist aber, dass die Zuschauer uns live schreiben und mit uns interagieren können«, fügt Dreyfürst Brandt an.

Rund 300 Zuschauer sind dabei, wenn die beiden live gehen. Das machen sie mindestens einmal pro Woche. »Wir kommen kaum noch hinterher. Mein Mann sitzt immer dabei und notiert die Namen und was gekauft wurde. Dann packen wir das ein und schicken es los, mittlerweile sogar ins Ausland«, beschreibt die Vilbelerin. Genau deshalb wolle man künftig Mitarbeiter einstellen. Aus eigenen Kräften seien die vielen Bestellungen kaum noch zu bewältigen. »Wir bieten jetzt außerdem vegane Gummibärchen, ›Tee im Glas‹ von zwei jungen Bad Vilbeler Gründern und verschiedene andere Artikel an.«

Über 2000 App-Downloads

Damit die Bestellungen nicht nur während der Livestreams einflattern, hat sich Dreyfürst Brandt im Dezember zur Erstellung einer App entschieden. »Das hat einiges gekostet und war sehr aufwendig, aber es war ein wichtiger nächster Schritt«, ist sie sich sicher. Über 2000 Menschen haben ihre Shopping-App bereits heruntergerladen.

»Ich glaube, es ist uns gelungen, aus dieser ganzen Situation das beste zu machen«, meint Silke Dreyfürst Brandt mit Blick auf die Pandemie. Ohne diese wäre sie nicht auf die Idee gekommen. »Und jetzt schaffen wir ja sogar noch Arbeitsplätze«, sagt sie und lacht. Davon hätte sie früher kaum zu träumen gewagt. »Die Großhändler haben außerdem ihre Hallen voll, weil kaum noch vor Ort in den Geschäften gekauft werden kann. Dort ist man froh, dass wir die Waren in großen Stückzahlen an die Kunden bringen«, fährt sie fort.

Verträge mit großen Händlern

Bei zwei Großhändlern streamt »Fürstlich Shoppen« deshalb nun regelmäßig direkt aus deren Lager. »Und so langsam klopfen richtig große Firmen bei uns an und möchten mit uns zusammenarbeiten«, freut sie sich. »Mit Michael Kors haben wir jetzt beispielsweise eine Kooperation.« Durch die Vertriebswege über Facebok und die App könnten einige Stücke deutlich günstiger verkauft werden, als in Läden, beschreibt Dreyfürst Brandt. Das gelinge ihr, in dem sie die Kosten selbst niedrig halte und selbst eine kleinere Gewinnmarge nimmt. »Für den einzelnen Kunden hat das einen großen Vorteil und die Großhändler und wir werden höhere Stückzahlen los«, umschreibt sie ihr Konzept. Viel Restware sei zudem unter den verkauften Klamotten. Etwa 50 Pakete gehen derzeit pro Tag aus dem Lager, Tendenz stark steigend: »Viele Leute haben die Idee anfangs belächelt. Ich bin sehr stolz darauf, wie wir uns entwickelt haben.«

Ende 2019 berichteten wir über Paul Sahm und Paul Hylla, zwei weitere Start-up-Unternehmer aus der Quellenstadt. Die beiden Jungs sind mit ihrer Marke »Tee im Glas« erfolgreich, bringen nicht nur den nachhaltig angebauten und biologischen Tee auf den Markt, sondern auch Stevia-Eistee. Silke Dreyfürst Brandts private Facebook-Gruppe (über 3800 Mitglieder), in der die Livestreams zu sehen sind, ist zu finden unter dem Suchbegriff »Fürstlich Shoppen« nma

Das provisorische Packzimmer soll sich schon bald in große Räumlichkeiten mit Mitarbeitern verwandeln.

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