Im Restaurant "Aki Gesa" gibt es das Essen künftig auch in Mehrwegverpackungen. Inhaberin Achberet Okbe bei ihren Stammkunden beireits Werbung für das Projekt gemacht. Rinku Sharma hat neue Schalen vorbeigebracht.
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Im Restaurant »Aki Gesa« gibt es das Essen künftig auch in Mehrwegverpackungen. Inhaberin Achberet Okbe bei ihren Stammkunden beireits Werbung für das Projekt gemacht. Rinku Sharma hat neue Schalen vorbeigebracht.

»Go Kidogo«

Nachhaltige Lieferplattform: Bad Vilbeler entwickeln Pfandsystem für Restaurants

  • vonPatrick Eickhoff
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Kleine Schritte, große Veränderung: Gemeinsam mit Jugendlichen hat Rinku Sharma, Gründer der Bad Vilbeler IT-Schule Techeroes, ein nachhaltiges Lieferportal entwickelt.

Die Gastronomie ist von der Corona-Krise arg gebeutelt. Seit Monaten dürfen Restaurants nur Essen ausliefern oder zum Abholen anbieten. Dieses Essen muss allerdings auch verpackt werden. »Das ergibt Unmengen an Plastikmüll«, sagt Rinku Sharma. Der Gründer der Bad Vilbeler IT-Schule Techeroes hat gemeinsam mit Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren die Lieferplattform »Go Kidogo« ins Leben gerufen und sagt damit Einwegpackungen den Kampf an.

»Go Kidogo« heißt auf Suaheli so viel wie »Kleine Schritte, große Veränderung« und bietet den Restaurantbetreibern die Nutzung eines nachhaltigen Mehrwegsystems an. »Die teilnehmenden Restaurants können über Go Kidogo die in drei Größen zum Stückpreis von zehn Euro erhältlichen Boxen mieten, in denen sie ihr Essen an die Kunden ausliefern. Diese haben dann die Wahl, ob sie die Boxen anschließend behalten oder zum Restaurant zurückbringen wollen.« Die Mehrwegboxen seien vollständig recyclebar, wiederverwendbar und made in Germany. »Sie sind umweltschonend und nachhaltig, lebensmittelecht, mikrowellentauglich und spülmaschinenfest. Und sie werden von einem regionalen Hersteller in Darmstadt produziert«, sagt Sharma stolz.

»Go Kidogo«: Idee kommt Jugendlichen bei einem IT-Kurs

Die Idee ist Jugendlichen bei Kursen der Techheroes sogar schon vor der Pandemie gekommen. »Wir hatten einen Programmierkurs und zwei Teilnehmerinnen kamen immer etwas spät, weil sie auf den Fridays-For-Future-Demonstrationen waren«, sagt Rinku Sharma. Schnell sei der ganze Kurs ins Gespräch gekommen. »Wir waren alle der Meinung, dass es unbedingt erforderlich ist, dass jeder einzelne sein Konsumverhalten überdenken muss. Dazu gehört auch das Nutzen von Technologien und Serviceangebote. Die Diskussionen waren so bewegend und inspirierend, dass unser Mentor vorschlug, gemeinsam einen kleinen Schritt zu einer nachhaltigen Welt zu entwickeln.«

Wer sein Essen über »Go Kidogo« bestellt hat, bekommt direkt in der Web-App angezeigt, wie viel Plastik er gespart hat. Ziel ist es, innerhalb von einem Monat eine Tonne Plastik je Stadt zu sparen. Auf der Homepage unter www.gokidogo.de lassen sich die Zwischenstände einsehen. Mit dabei sind bisher Restaurants in Bad Nauheim, Frankfurt, Mainz und natürlich Bad Vilbel. »Uns ist der Bezug zu unserer Stadt wichtig, deshalb sind wir froh, dass mit dem Eiscafé Venezia, Sushi Sensei, Mini Asia und dem Restaurant Aki Gesa bereits einige mitmachen«, sagt Sharma.

»Go Kidogo«: Suche nach Sponsoren

Dennoch sei man weiter auf der Suche nach Restaurants und auch nach Sponsoren. »Es wird immer viel über die Teilhabe von Jugendlichen gesprochen. Die Kursteilnehmer haben ein nachhaltiges Lieferportal entwickelt und tragen ihren Teil zu einer plastikfreieren Welt bei. Es wäre sehr schade, wenn das keine Unterstützung findet.« Sollte die Suche erfolgreich sein, dann könnte aus der Web-App dann auch eine richtige App werden. »Wir würden uns freuen, wenn das klappt.«

Bis dahin kann sowohl auf der Webseite des Lieferportals oder bei den teilnehmenden Restaurants bestellt werden. Eines davon ist das Aki Gesa in Massenheim. Inhaberin Achberet Okbe ist froh, ihren Kunden das neue Angebot machen zu können. »Viele Kunden haben bereits danach gefragt und haben ein Bewusstsein für dieses Thema«, sagt sie. Deshalb sei auch schnell klar gewesen, dass sie mitmacht. »Die Formen sind qualitativ hochwertig und schön gestaltet. Und im Endeffekt kann man sie danach wieder herbringen und bekommt sein Geld zurück. Es entstehen keine Mehrkosten, aber man hat viel Plastik gespart.«

Die Mehrwegverpackungen werden in Deutschland produziert.

Und wie viel Plastik gespart wird, darüber informieren Rinku Sharma und sein Team. Mit den Jugendlichen hält er den Kontakt in einer Whatsapp-Gruppe. »Wir tauschen uns aus und hoffen, dass aus unserer Idee eine große transparante Firma wird.« Die Chance zu wachsen, sei definitiv da. Getreu ihrem Motto: Kleine Schritte, große Veränderung.

Gegründet wurde die IT-Schule Techeroes im Februar 2019 von den Brüdern Rinku und Ramesh Sharma. Sie möchten den Nachwuchs für die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) begeistern. Alle Informationen zum neuen Projekt der Techheroes »Go Kidogo« gibt es unter www.gokidogo.de. wpa

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