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Startklar: Diana Bonacker (links) und Monika Noé hoffen, dass auch Kosmetikstudios bald wieder öffnen dürfen.

Studio darf nicht öffnen

Bad Vilbeler Kosmetikerin verzweifelt an Lockdown: „Ich hänge gerade im luftleeren Raum“

  • vonNiklas Mag
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Monika Noé ist genervt, denn seit November ist ihr Kosmetikstudio in Dortelweil geschlossen. Damit teilt sie das Leid von Friseuren, Gastronomen und Ladenbesitzern.

Bad Vilbel – Seit dreieinhalb Monaten hat kein Kunde mehr das Nagelstudio von Monika Noé an der Dortelweiler Bahnhofstraße betreten. Eine Tatsache, die sie sehr belastet: »Ich lebe ja von den Einnahmen, bestreite damit meinen Lebensunterhalt. Ich habe vier Kinder, zwei leben noch im Haushalt. Das muss ja auch gedeckt werden, nicht nur die Fixkosten für den Laden.« Die November- und die Dezemberhilfe über den Steuerberater zu beantragen, das habe zusätzlich Geld gekostet, die Dezemberhilfe kam bei Monika Noé noch nicht an. »Mittlerweile ist der Januar durch und es ist nicht klar, ob es noch mal eine Hilfe gibt oder wie es weiter geht.«

Kosmetikstudio im Bad Vilbeler Stadtteil Dortelweil: Gleich doppelt betroffen

Das gelte für alle Beschäftigten ihrer Branche, Gastronomie und Einzelhandel. »Ich weiß nicht, wie Leute das im Moment schaffen, die keine privaten Rücklagen gemacht haben.« Hinzu komme eine gewisse mentale Belastung. »Seit Wochen macht man sich Gedanken und der Lockdown wird immer länger und länger. Das belastet die Psyche schon sehr, zumal mein Mann Gastronom ist. Wir sind also gleich doppelt betroffen.« Vor diesem Hintergrund habe sie die Entscheidung der Bundesregierung sehr getroffen, dass zwar Friseure ab dem 1. März wieder ihre Läden öffnen dürfen, Studios wie ihres aber nicht. »Bis zur Inzidenz von 35 ist es in der Wetterau ja noch ein ganzes Stück, ich hänge also gerade im luftleeren Raum.« Das Friseurhandwerk habe vermutlich eine größere Lobby im Bundestag, Kosmetiker stehen eher alleine da. »Ich gönne den Friseuren das, gar keine Frage. Ich will das nicht schlecht machen. Aber aus meiner Sicht gibt es keinen Grund, warum Kosmetikstudios nicht auch wieder öffnen dürfen sollten.«

Rund 40 Quadratmeter groß ist Noés Studio. Ihre Mitarbeiterin Diana Bonacker und sie seien nie gleichzeitig vor Ort, wenn Kunden da sind. »Wir machen auch medizinische Fußpflege und sind dafür ausgebildet. Da bin ich bestimmt zwei Meter vom Kopf des Kunden entfernt, wenn ich arbeite.« Ihr Beruf bringe es ohnehin mit sich, mit hohen Hygienestandards zu arbeiten. Ständig wird geputzt, desinfiziert, sie trage bei der Arbeit Handschuhe und seit Beginn der Pandemie immer eine Maske. 2020 habe sie natürlich zwischen Mai und November Kunden empfangen, nicht eine Ansteckung habe es gegeben.

Kosmetikstudio in Bad Vilbel: Desinfektion an der Eingangstür

»Wir mussten für ein Hygienekonzept nichts mehr tun, außer einen zusätzlichen Desinfektionsmittelspender an die Eingangstür stellen. Alles andere hatten wir ohnehin schon immer gemacht«, zählt Monika Noé weiter auf. Doch nicht nur das ärgere sie: »Ich habe etwas Hoffnung bekommen, als ich gesehen habe, dass die hessische Verordnung vorsieht, dass Kosmetikstudios öffnen dürfen, wenn medizinisch oder hygienisch notwendige Behandlungen stattfinden«, sagt Noé. Doch was das genau mit einschließe, sei nirgendwo erklärt. »Wir machen hier ja nicht einfach Bling-Bling auf die Nägel, sondern eben genau solche wichtigen Behandlungen. Aber ich habe Sorge, dass am 1. März das Ordnungsamt vor der Tür steht und mir eine Strafe aufbrummt.«

Auf der anderen Seite drücken die finanziellen Sorgen. »Ich versuche das jetzt abzuklären und habe mich in den Tagen seit Mittwoch durch die Ämter telefoniert, aber so richtig weiß niemand, was geht und was nicht. Das ist momentan alles sehr frustrierend«, beschwert sich die Kosmetikerin. Sie werde nun weiter versuchen, eine offizielle Aussage zu bekommen, ob sie mit ihrem Nagelstudio ab dem 1. März wieder an den Start gehen kann.

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