Der Tabernaemontanus-Weg in Bad Vilbel ist vorerst gesperrt. Hier steht nun das Schutzsystem Aquariwa.
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Der Tabernaemontanus-Weg in Bad Vilbel ist vorerst gesperrt. Hier steht nun das Schutzsystem Aquariwa.

Hochwasser Bad Vilbel

Bad Vilbel schützt sich vor Hochwasser: Optimismus herrscht vor – trotz See bei Gronau

  • vonNiklas Mag
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Die Pegel der Nidder und Nidda sind in Bad Vilbel am Mittwoch zwar nicht so dramatisch gestiegen wie befürchtet, doch die Quellenstadt ist aus dem Gröbsten noch nicht raus.

Bad Vilbel – Stadtbrandinspektor Karlheinz Moll und seine Feuerwehrleute haben einen langen Abend hinter sich. Von etwa 17.30 Uhr bis 23 Uhr bauten die ehrenamtlichen Feuerwehrleute in Bad Vilbel das Hochwasserschutzsystem »Aquariwa« auf. »Das haben wir von der Werksfeuer von Infraserv aus Höchst ausgeliehen bekommen. Aus Karben kamen zudem Sandsäcke«, erzählt Moll am gestrigen Vormittag. Ein Hochwasser-Abrollbehälter, der in Bad Vilbel stationiert ist, wurde von Kreis und Land zur Verfügung gestellt und die Metzgerei Lukarsch sorgte für kostenlose Verpflegung. »Für diese Zusammenarbeit mit allen Beteiligten möchte ich mich herzlich bedanken. Das hat super funktioniert, und wir sind damit deutlich schlagkräftiger gegen das Hochwasser.«

Gestern Mittag war die Lage noch unter Kontrolle. »Die Ausweichflächen für die Flüsse sind mittlerweile nahezu voll. Wenn jetzt noch Dauerregen dazukommt, könnte es hier problematisch werden«, meint Karlheinz Moll.

Hochwasser in Bad Vilbel: Krisenstab einberufen

Im kurzfristig einberufenen Krisenstab der Stadt habe man sich am Dienstagabend für die Präventionsmaßnahmen entschieden. Das »Aquariwa«-System wirke präventiv. Aus Flächen werden Zylinder gebildet, die mit Wasser gefüllt und mit Sandsäcken ausgestattet werden. »Das System ist flexibel und bietet gegen steigende Wassermassen einen guten Schutz«, weiß Moll. Die Behälter, die derzeit im gesperrten Tabernaemontanus-Weg aufgebaut sind, könnten bei Bedarf noch weiter gefüllt und somit verstärkt werden.

Das Wasser ist in Gronau nicht mehr weit von der Siedlung entfernt.

Auch an der Nidder in Gronau hat die Freiwillige Feuerwehr einen künstlichen Damm verlegt. »Wir warten jetzt erst einmal die Prognosen ab, wir bauen nicht zu früh ab, denn wie es aussieht, haben wir noch eine Welle zu erwarten, die die Nidda herunterkommt.« Eine nicht abzuschätzende Gefahr sei außerdem das Grundwasser, das nach oben gedrückt werden könnte. »Die Tiefgarage unter der neuen Stadthalle wird von der Baufirma gesichert, aber es ist nicht absehbar ob, wann und wo Grundwasser nach oben drückt«, sagt der Stadtbrandinspektor. Bisher habe es keine vollgelaufenen Keller gegeben. »Da klopfen wir auf Holz«, meint Moll.

Hochwasser in Bad Vilbel: See zwischen Karben und Gronau

Generell lasse sich sagen, dass die baulichen Maßnahmen in Bad Vilbel, von der Niddarenaturierung bis zu den Ufermauern, ihre positive Wirkung zeigen. Auch Gottfried Lehr ist aktuell im Dauereinsatz. Der Gewässerökologe prüft Pegelstände und schaut sich genau an, was mit den Gewässern in der Region geschieht.

Das größte Spektakel ist derzeit zwischen Gronau und Karben zu sehen: »Dort hat sich ein rund ein Quadratkilometer großer See gebildet.« Dieser ist das Ergebnis eines fast vollen Retentionsraums, eine Fläche, die während der Renaturierung geschaffen wurde, um Wasser zu sammeln, damit dieses nicht in die Siedlungen läuft. »Bisher ist mit dem Wasserstand alles in Ordnung. Wir sind bei 3,15 Metern, Warnstufe drei ist erst bei 3,70 erreicht«, sagt Lehr. Und selbst dann habe die Nidda noch Luft. »Es wird nur knapp, wenn es in den nächsten Tagen Starkregen gibt.«

Der durch das Hochwasser entstandene See zwischen Gronau und Karben ist rund ein Quadratkilometer groß.

Hochwasser in Bad Vilbel: Lebewesen profitieren davon

Die Böden sind gesättigt, die Schneeschmelze im Vogelsberg führt in Verbindung mit den Niederschlägen zum Hochwasser. Für den Fluss sei das aus ökologischer Sicht aber ein wichtiges Ereignis: »Da wird das ganze Flussbett durchgespült. Das Sediment rollt, und im Normalfall profitieren auch die Auen und die Auenwälder davon«, sagt Lehr. Für die Lebewesen und ihren Lebensraum in der Natur sei das etwas Gutes. Es blieb gestern nur zu hoffen, dass die Nidda nicht in größerem Maße im Stadtbereich über die Ufer tritt.

Das Regierungspräsidium rechnet heute mit kaum Regen, so dass zunächst in den Oberläufen der Nidda und ihrer Seitengewässer wieder mit sinkenden Pegelständen zu rechnen ist. Für den Freitag werden gebietsweise, am Samstag verbreitet erneute Niederschläge vorausgesagt. Es sei daher über das Wochenende mit einem erneuten Anstieg der Wasserstände zu rechnen.

Bad Vilbel: Meldestufe zwei ab 3,40 Metern Pegelstand

Auf der Webseite des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) wird der Pegelstand der Nidda regelmäßig aktualisiert und der Verlauf eingeschätzt.

Die Informationen sind unter www.hlnug.de/static/pegel/wiskiweb2 einzusehen. Gestern Nachmittag zeigte die Prognose, dass die Nidda höchstens nur knapp die Meldestufe zwei erreicht. Demnach wurde gegen 14 Uhr ein Pegelstand von 3,20 Metern gemessen.

Die Meldestufe zwei gilt in Bad Vilbel ab einem Pegelstand von 3,40 Metern und die Meldestufe drei bei einem Pegel von 3,70 Metern. nma

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