Peter Bauditz ist umsonst von Bad Vilbel nach Heuchelheim gefahren. Im Impfzentrum wurde er wieder abgewiesen, trotz seiner ausgedruckten Terminbestätigung. Die Mitarbeiter konnten ihn im System nicht finden.	FOTO: MAG
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Peter Bauditz ist umsonst von Bad Vilbel nach Heuchelheim gefahren. Im Impfzentrum wurde er wieder abgewiesen, trotz seiner ausgedruckten Terminbestätigung. Die Mitarbeiter konnten ihn im System nicht finden. FOTO: MAG

Fehler im System

Software-Fehler? Senior schildert Probleme bei Corona-Impftermin in Gießen

  • vonNiklas Mag
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Peter Bauditz aus Bad Vilbel hatte eigentlich einen Impftermin in Heuchelheim, wurde dort aber abgewiesen. Obwohl er eine Terminbestätigung hatte, tauchte er nicht im System vor Ort auf.

Bad Vilbel – »Es ist schon recht ärgerlich«, erzählt der 83-jährige Bad Vilbeler Peter Bauditz. »Immerhin bin ich hin und zurück fast 120 Kilometer gefahren«, sagt er und meint damit seine Fahrt zum Impfzentrum nach Heuchelheim bei Gießen. Dennoch sieht er mit einem Schmunzeln auf die vergangenen Tage zurück, in denen er viel Zeit am Telefon verbracht hat.

Doch von vorn: »Ich gehöre in meinem Alter zur Risikogruppe und habe mich entschieden, mich so früh wie möglich für die Corona-Impfung anzumelden«, schildert Bauditz. Da der Rentner eine telefonische Warteschlange befürchtete, setzte er sich mit dem Online-Anmeldungsverfahren auseinander. »Und das ging wirklich super. Das Anmelden hat funktioniert und es hieß, man würde mir meine Termine per E-Mail zukommen lassen.« Und auch das sei unproblematisch gewesen. Keine 20 Minuten habe es gedauert, schätzt Bauditz, da trudelte in seinem Postfach die Bestätigungsmail ein. »Da steht, dass ich zum Impfzentrum in Heuchelheim kommen soll, welchen Impfstoff ich bekomme, wann ich da sein soll und wann der zweite Impftermin ist«, zeigt er auf seiner ausgedruckten Bestätigung.

Keine Corona-Impfung für Bad Vilbeler: Software-Fehler wird vermutet

Das Datum des Zweittermins habe ihn allerdings stutzig gemacht, denn dieser war erst für Anfang März angesetzt, also fast sechs Wochen nach der ersten Impfung. »Ich hatte mir vorgenommen, das vor Ort zu klären und nachzufragen, aber das hatte sich dann erledigt.« Denn angekommen in Heuchelheim, konnten die Mitarbeiter des Impfzentrum Peter Bauditz in ihrem System nicht finden. »Es wurde telefoniert und mir wurden zwei Kollegen geschickt, aber mein Problem konnte nicht gelöst werden.«

Bauditz habe sich letztendlich wieder auf den Heimweg begeben müssen. Vermutlich ein Software-Fehler, wie Bauditz erzählt, zumindest hätten die Personen das vermutet, mit denen er im Anschluss an den ausgefallenen Termin gesprochen hat. »Montags habe ich dann begonnen, mich durch die Behörden zu telefonieren, weil ich online keinen neuen Termin machen konnte. Das Programm spuckte nur Fehlermeldungen aus«, fährt der Vilbeler fort. »Die zentralen Telefonnummern sind ständig überlastet, was verständlich ist. Grundsätzlich möchte ich sagen, dass alle Leute, mit denen ich bei den Ministerien in Wiesbaden, im Impfzentrum oder auch beim Wetteraukreis gesprochen habe, sehr nett und sehr freundlich waren«, sagt Bauditz.

Einen neuen Termin hat Peter Bauditz noch immer nicht, doch kann er sich zumindest wieder im Anmelde-Portal einloggen. Dieser Fehler scheint also behoben. »Es hieß, ich solle jetzt warten, bis Anmeldungen wieder möglich sind, wenn mehr Impfstoff produziert wurde. Dann probiere ich es auf jeden Fall erneut«, kündigt der 83-jährige Bad Vilbeler an.

Bad Vilbeler will Corona-Impfung: Anmeldeverfahren geht morgen weiter

Das hessische Innenministerium äußerte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht zu Peter Bauditz’ Fall. Vorerst bleibt knapper Impfstoff ein Problem. Das hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erst am Donnerstag während des Online-Neujahrsempfangs der Vilbeler CDU wieder bestätigt. »Produzierte Einheiten gehen sofort raus. Da wird nichts gelagert«, sagte er. Das Problem werde allerdings nur temporär sein, erklärte Spahn weiter. Es werde nicht lange dauern, dann werde mehr als genug Impfstoff zur Verfügung stehen.

Die Hessische Landesregierung erklärte in einer Pressemitteilung vor Kurzem, die Impfstrategie fortschreiben zu wollen. Morgen soll demnach das Anmeldeverfahren für weitere Impftermine für Menschen der »ersten Priorisierungsgruppe« wieder aufgenommen werden. Etwa 550 000 Hessen gehören dazu und sind impfberechtigt. Weiterhin hätten in Hessen bereits 115 000 Menschen ihre Erstimpfung erhalten, 35 500 die zweite Dosis.

Neue Impf-Termine für Wetterauer buchbar

Alle zurzeit Impfberechtigten können ab Mittwoch wieder Impftermine buchen. Ab dem 9. Februar soll dann in den 28 Zentren der kreisfreien Städte und Landkreise geimpft werden. »Wir öffnen damit nicht nur alle Impfzentren vor Ort, sondern auch dauerhaft das Anmeldeverfahren. Es wird dabei keine zeitliche Beschränkung der buchbaren Termine für die impfberechtigten Seniorinnen und Senioren ab 80 Jahren geben«, gaben Innenminister Peter Beuth und Gesundheitsminister Kai Klose kürzlich in einer Pressemittelung bekannt.

Angesichts der aktuell und perspektivisch geringen Menge an Impfdosen, die der Bund zur Verfügung stelle, würden wohl noch viele Wochen für die höchstpriorisierte Gruppe benötigt, hieß es. »Jeder aus der Gruppe 1, der sich impfen lassen möchte, kann ab Mittwoch seine zwei Termine vereinbaren.« red

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