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Schutzmann: Der Bad Vilbeler Allgemeinmediziner Ansgar Schultheis impft den 26-jährigen Carlos Witthaut vor dem Beginn des Films im Open-Air-Kino.

Impftermin im Vilbeler Freibad

Bad Vilbel: Vor dem Film noch zum Impfen

  • VonGeorgia Lori
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Carlos Witthaut (26) ist fest entschlossen. Und dann ist es schneller vorbei, als er denkt. So richtig mitbekommen hat er den Stich im Oberarm kaum. Und da auch kein Blut aus der Einstichstelle austritt, weiß auch der Allgemeinmediziner und Bad Vilbeler Hausarzt Ansgar Schultheis nicht so recht, wo er das Pflaster platzieren soll. Witthaut, der in Bad Nauheim lebt, aber gebürtiger Friedberger ist, gehört zu jenem einen Prozent der Besucher, die sich im Rahmen des Open-Air-Kinos für die angebotene Covid19-Schutzimpfung entschieden haben.

I ch bin wegen des Kinos gekommen. Meine Freundin hat mich dazu eingeladen. Ich wollte mich eigentlich morgen bei einer Impfkampagne von der Stadt Friedberg impfen lassen, aber das bietet sich jetzt an«, sagt Witthaut. Seine Mutter sei nicht mehr die Jüngste, der Vater gehe auf die 75 zu, und auch aus Rücksicht gegenüber anderen Verwandten und Arbeitskollegen habe er die Entscheidung getroffen. Er selbst habe nicht besonders viel Angst, an Corona zu erkranken. Witthaut arbeitet im Einzelhandel auf dem Dottenfelderhof und trägt auch im Kundenkontakt eine Maske. »Im zweiten Monat nach dem Corona-Ausbruch, hatte ich ein paar Symptome, von denen ich mir unsicher war, ob es Corona sein könnte, aber es ging nicht über eine normale Erkältung hinaus«, erinnert sich Witthaut.

Fragen vorab beantworten

Die im Sanitätsraum des Freibades vorgenommene Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer wurde im Impfausweis eingetragen. Die zweite Impfung möchte Witthaut bei seinem Hausarzt oder in der Praxis von Ansgar Schultheis in Bad Vilbel vornehmen lassen. Ein Aufklärungsblatt las er sich vorab nicht durch. Er sei über die Impfung aufgeklärt, sagt er. Auch Fragen stellte er keine. Allerdings hatte er vorab während der Anamnese einige Fragen zu akuten Erkrankungen mit Fieber, Blutgerinnungsstörungen oder Allergien zu beantworten.

Schultheis kam mit Ralf Heinicke, der ihm assistierte, und weil Dennis Di Rienzo vom Kulturbereich der Stadt die Idee hatte, im Rahmen der Veranstaltung das Impfen anzubieten. »Ich war sofort dabei, um den Menschen das Impfangebot nahe zu bringen und es ihnen so leicht wie möglich zu machen«, sagt Schultheis.

In seiner Praxis am Marktplatz impft er jeden Tag 100 bis 200 Leute, 95 Prozent mit Biontech/Pfizer. Seit Mai habe er über 7000 Leute in Bad Vilbel geimpft, sagt er. Er sei grundsätzlich für das Impfen, »weil Impfungen einen großen Schutz für die Menschheit bieten«. Biontech schneide bei den Studien, die bisher gelaufen seien, unterm Strich am besten ab. Er glaube, dass sich Biontech auch langfristig durchsetze. Wenn Komplikationen aufträten, dann geschehe dies relativ früh. Er denke nicht, dass Spätfolgen über Jahre zu erwarten seien. Von seinen 7000 Patienten hätte niemand schwerwiegende Komplikationen gehabt.

In Schultheis’ Praxis kommen Impfwillige von Mainz bis Rüsselsheim und Gießen, bei den ersten Impfaktionen sogar bis aus Bremen und Bayreuth. Seit acht Wochen würden auch Online-Buchungen angeboten. Drei Vollzeitkräfte seien in seiner Corona-Schwerpunkt-Praxis ausgelastet durch Testen und Impfen.

»In einer Flasche sind 0,3 Milliliter Impfstofflösung drin, die mit 1,8 Milliliter Kochsalzlösung verdünnt wird. Aus einer Flasche bekommt man sieben Impfdosen«, sagt Schultheis. Heinicke macht deutlich, dass jeder Geimpfte zähle. Er selbst hat sich impfen lassen, weil er über 80-Jährige in seinem Umfeld hat und um sich selber zu schützen. »Man ist anders unterwegs. Ich kann es jedem nur empfehlen, auch an den Schutz der anderen zu denken«, sagt er.

Im Freibad noch zwei Impftermine

Di Rienzo unterstreicht, dass es insgesamt drei Impftermine im Freibad mit Schultheis geben werde. Das Impfangebot besteht je für 45 bis 60 Minuten bis zum Filmbeginn. Jeder Einzelne zähle, meint er und hebt hervor, Schultheis spende das Geld, das er pro Impfling bekomme, für einen guten Zweck in Bad Vilbel. »Es geht um Haltung, nicht um Meinung. Es ist ein kleiner Piks für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit«, sagt Di Rienzo. Und er fügt hinzu: Seit 1993 habe es beim Open- Air-Kino noch keine einzige ausgefallene Vorstellung gegeben.

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