Kruzifix vor St. Nikolaus

Bad Vilbel: Viele offene Fragen zum Kruzifix vorm Pfarrhaus St. Nikolaus

  • vonChristine Fauerbach
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Das denkmalgeschützte Kruzifix vorm Pfarrhaus St. Nikolas wird restauriert. Kostenpunkt: 8000 Euro. Kurios: Weder Kirchengemeinde noch Bistum wissen, von dem es stammt und wie alt es ist.

Für das Christentum ist der Opfertod von Gottes Sohn ein zentrales Motiv des Glaubens. Deshalb kommt den plastischen Kruzifixen in katholischen und lutherischen Kirchen eine wichtige Rolle zu. Kruzifixe bringen den Kern der christlichen Lehre zum Ausdruck: Die Erlösung der Menschheit von den Sünden durch den Tod Christi und den Sieg Christi über den Tod durch die Auferstehung.

Das Kruzifix aus Sandstein vor dem Pfarrhaus von St. Nikolaus steht seit rund 52 Jahren vor dem 1774/76 erbauten Gebäude in der Schulstraße. Der Zahn der Zeit hat vor allem dem Korpus stark zugesetzt. Die Hände und Arme sind gerissen und die Füße fehlen.

Gemeinde bittet Bürger um Mithilfe

»In früheren Jahren hat man versucht, die Schäden mit künstlichem Sandstein zu reparieren. Das hat aber nie lange gehalten«, berichtet der Pfarrer der St.-Nikolaus-Kirche, Herbert Jung. Auch Kreuz und Sockel weisen Schäden auf. So ist die Inschrift auf dem Sockel verschwunden. Niemand weiß, was darauf stand. Daher bittet die Gemeinde Bürger, die vielleicht Fotos besitzen, auf dem die Inschrift zu entziffern ist, sich zu melden.

Da die Schäden vor allem an der Christusfigur groß sind, wollte die Gemeinde St. Nikolaus das Kruzifix entfernen und durch ein neues ersetzen lassen. Das stieß aber auf entschiedenen Widerspruch der Denkmalschützer im Bistum Mainz und der Denkmalpflege in Wiesbaden, denn die Figur ist denkmalgeschützt, es kann also nur restauriert werden.

Keine Infos über Alter und Inschrift

Dafür gab das Dezernat für Bau und Kunstwesen des Bistums Mainz der Gemeinde nun grünes Licht. Von den im Kostenvoranschlag genannten 8000 Euro gewährt das Bistum einen Zuschuss in Höhe von 2500 Euro. Die Gemeinde verhandelt über weitere Zuschüsse mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Wiesbaden und der Stadt Bad Vilbel.

»Es handelt sich um ein Denkmal mitten in der Stadt«, betont der Gemeindepfarrer. Kurios ist, dass weder die Gemeinde, noch das Bistum, etwas über das Alter des Kruzifix sagen können, noch Aufzeichnungen über die Sockelinschrift besitzen.

In der vierten Märzwoche wurde die Figur vom Stehkreuz von Mitarbeitern der Firma Löbig in Dieburg abgenommen. In der Werkstatt von Restaurator, Bildhauer und Steinmetz Richard Löbig wird die Figur nun gereinigt, gefestigt und ergänzt. »Kleinere Schäden werden mit Mörtelausbesserungen, größere wie die Füße mit Bildhauervierung behoben.« Der Fachmann schätzt das Alter des Korpus auf etwa 140 bis 170 Jahre. Kreuz und Sockel sollen am Standort gereinigt und restauriert werden.

Symbolcharakter für Zustand der Kirche

In drei bis vier Monaten könnte die Christusfigur dann wieder in Bad Vilbel sein. Sicher sei, dass Sockel, Kreuz und Christusfigur ursprünglich nicht zusammengehörten. Der Vermutung, dass es sich bei dem Kruzifix um das Sandsteinkreuz von 1767 handelt, das vor der 1969 abgerissenen barocken St.-Nikolaus-Kirche stand, widerspricht der Eintrag im Heft 44 der Bad Vilbeler Heimatblätter von Peter Fleck und Walter Heil. Dort ist in der Fußnote 15 auf Seite 144 vermerkt: »Das Sandsteinkreuz von 1767 wurde wie die Pieta beim Abriss der St.-Nikolaus-Kirche von einer Abbruchmaschine zerstört. Als Ersatz dienen eine neue Pieta und das neue Kreuz am Parkplatz vor der Kirche.«

Zu den offenen Fragen gehört, woher Sockel, Kreuz und Figur stammen, wie alt sie sind, wer der Bildhauer oder der jeweilige Steinmetz war und wie die Inschrift auf dem Sockel lautete. Pfarrer Jung erinnert beim Blick auf das Kreuz ohne Jesus an den Symbolcharakter des Ist-Zustandes. »In der Karwoche trennte Jesus sich von seinen Jüngern und blieb allein. Aus diesem Grund dürfen die Bischöfe und der Papst am Karfreitag nicht ihre Bischofsringe tragen. Das ist ein Symbol für die Trennung von Kirche und Christus.« Der Geistliche stellt die rhetorische Frage, ob dies nicht ein Zeichen für unsere Zeit ist. »Die Kirche beschäftigt sich mehr mit sich selbst als mit Christus.«

Jahrhundertelang war die alte Bergkirche die einzige Kirche in der heutigen Kernstadt von Bad Vilbel. 1523 wurde in der Grafschaft Hanau, zu der Bad Vilbel gehörte, das lutherische Bekenntnis eingeführt. 1548 ging die katholische Bergkirche in den Besitz der evangelischen Kirche über. Die Geschichte der Pfarrei St. Nikolaus beginnt erneut im Jahr 1655 mit dem Zuzug katholischer, kurmainzischer Beamten.

Zu den Vorgängerbauten der heutigen St.-Nikolaus-Kirche zählen die Burgkapelle (1420 bis 1789), die Kapelle St. Nikolaus II (1654 bis 1725, dort steht heute die Zehntscheune) und die St.-Nikolaus-Kirche III (1725 bis 1969, Grundstück an der Nordseite des heutigen Stadthauses).

Die erste, 1725 eingeweihte Kirche wurde 1972 durch die heutige moderne abgelöst. Deren Grundsteinlegung erfolgte 1970. Bischof Hermann Volk weihte das neue Gotteshaus damals am 5. März 1972. cf

Ältere Aufnahmen des Kruzifix gibt es nur im Stadtarchiv. Aber auch darauf ist keine Inschrift zu erkennen.
Bleibt erst mal unklar: Welche Inschrift hat der Sockel getragen? Und wer hat das Kruzifix erbaut?

Rubriklistenbild: © Red

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