Vorschrift: Wer im ASB Wohnen und Pflege in Karben zu Besuch kommen will, muss einen Termin mit dem Sozialdienst vereinbaren. 	FOTOS: IHM/PV
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Vorschrift: Wer im ASB Wohnen und Pflege in Karben zu Besuch kommen will, muss einen Termin mit dem Sozialdienst vereinbaren.

Altenheime in Bad Vilbel und Karben

Corona und Seniorenheime: Strenge Regeln trotz Lockerungen

Senioren und ihre Angehörigen atmeten auf, als das Land im September die verbindlichen Vorgaben für Zahl und Dauer der Besuche in Altenheimen aufhob. Maßgeblich sind seit Ende letzten Monats noch die Schutz- und Hygienekonzepte der einzelnen Einrichtungen. Jetzt steigen die Infektionszahlen wieder an. Wie sieht die Lage in Bad Vilbel und Karben aus?

Wie handhaben Sie die Lockerungen bei den Besuchsregeln?« Das wollte diese Zeitung von Altenheimen in Bad Vilbel und Karben wissen und schaute sich direkt vor Ort um.

Erster Anlaufpunkt ist das Seniorenzentrum AGO-Alloheim in Dortelweil, wo vor dem Eingang eine Besucherin sitzt und wartet. Eine Mitarbeiterin erscheint in der Tür: »Sie können reinkommen.« Hinter den Glastüren desinfiziert die Frau ihre Hände, trägt sich in eine Liste ein. Eine der nächsten, die den Eingang ansteuert, ist eine Seniorin. »Ich will zu meinem Mann und habe einen Termin vereinbart«, erzählt sie. Die vorherige Absprache ist notwendig, denn wie eine Sprecherin der Alloheim-Zentrale in Düsseldorf erklärt: »Die aktuelle Situation stellt alle Pflegeeinrichtungen vor einen schwierigen Balanceakt.«

Es sei wichtig, den Bewohnern persönlichen Kontakt zu ihren Angehörigen zu ermöglichen. Während des gesamten Besuches gälten strenge Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Auf einer Bank vor dem Altenheim auf dem Heilsberg sitzen zwei Seniorinnen. Hinter den Glastüren des Eingangs empfängt ein junger Mann eine Besucherin, die ein Formular ausfüllt und sich die Hände desinfiziert. Einrichtungsleiter Uwe Brömmer erklärt: »Grundsätzlich begrüße ich die Lockerungen, da der soziale Kontakt unserer Bewohner mit Angehörigen, Freunden und natürlich auch untereinander eine große Bedeutung für deren Wohlbefinden hat.«

Immer den Blick auf Infektionszahlen

Allerdings prüfe die Einrichtung regelmäßig, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt und passe gegebenenfalls die Hygieneregeln den veränderten Rahmenbedingungen an. »Wir setzen ein umfangreiches Hygienekonzept konsequent um, das den Vorgaben und Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und des Landes folgt.«

Wesentliche Elemente seien unter anderem die strikte Einhaltung des Mindestabstands, die Beschränkung auf maximal 20 Besucher pro Tag, konsequentes Tragen eines dreilagigen Mund-Nasen-Schutzes und die Händedesinfektion vor und nach Ende des Besuchs.

Nächste Station ist das Johanniterstift in Karben. Wie diese Zeitung an der Rezeption erfährt, dürfen die Besucher während bestimmter Uhrzeiten eine halbe Stunde pro Tag kommen, anmelden müssen sie sich nicht. Sie müssen einen langen Kittel anziehen, Mund-Nase-Schutz aufsetzen, die Hände desinfizieren und auf kürzestem Weg zu den Zimmern ihrer Angehörigen gehen. Wie mir eine Besucherin erzählt, sei es vorher strenger gewesen, habe man die Angehörigen nur draußen oder in der »Besucherbox« treffen dürfen. Anfangs sei völliger Besucherstopp gewesen, der etwa zwei bis drei Monate gedauert habe.

Im ASB »Wohnen und Pflege« in Karben sitzt eine Besucherin mit ihrem Vater im Freien, innen trägt sich gerade eine andere in eine Liste ein. Sie trägt einen Kittel. Der neue Einrichtungsleiter Gernot Ruffing steht für ein Gespräch zur Verfügung. »Bei uns laufen die Besuche über den Sozialdienst, es werden Termine vereinbart, um die Bewohner entweder auf dem Zimmer oder unten im Aufenthaltsbereich besuchen zu können«, erklärt er. Bis vor Kurzem konnten die Senioren nicht auf ihren Zimmern besucht werden. Der ASB Karben habe ein Besuchszimmer eingerichtet, in dem bestimmte Schutzmaßnahmen greifen, wie Trennscheiben am Tisch. Im Freien seien Treffen immer möglich, »wir sind ja kein Gefängnis«, sagt Ruffing.

Wer möchte, könne jeden Tag zu Besuch kommen, eine vorherige Anmeldung vorausgesetzt. »Eine Stunde darf der Besuch circa dauern. Wir gucken nicht auf die Uhr, aber wir können keine unbeschränkte Anzahl von Personen reinlassen.«

Ab einer 7-Tage-Inzidenz von 35 werde die Einrichtung die alte Besucherregel wieder einführen. »Das heißt, es wären keine Besuche auf dem Zimmer möglich.«

Wie eine Alloheim-Sprecherin aus Düsseldorf für das Seniorenzentrum AGO-Alloheim in Dortelweil mitteilt, gab es bislang keinen Corona-Fall. Das gilt auch für das Altenheim auf dem Heilsberg in Bad Vilbel: Laut Einrichtungsleiter Uwe Brömmer gab es bisher nur drei Corona-Verdachtsfälle, die sich aber nicht bestätigt hätten. ASB »Wohnen und Pflege« in Karben hatte laut Einrichtungsleiter Gernot Ruffing bislang ebenfalls keine Fälle. Das Johanniterstift wollte Fragen zu diesem Artikel nicht beantworten, hatte aber im April drei Todesfälle wegen des Coronavirus (diese Zeitung berichtete). Zudem hakten wir nach, wieso im Altenheim Cura Sana (Nieder-Wöllstadt) in dieser Woche keine Besuche möglich waren. Bereits ab Dienstag, 29. September, bestand laut Thomas Klinke (Geschäftsführer Cura Sana Wetterau) aufgrund der Lockerungen keine Einschränkung der Besuche mehr. Voraussetzung war, sich anzumelden. Nun allerdings trat ein Corona-Fall in der Belegschaft auf, wie Klinke mitteilt: »Daher haben wir diese Woche die Besuchsregelung ausgesetzt.«

Das Kind einer Mitarbeiterin habe sich in der Schule angesteckt, »nun hat es auch die Mama«. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt habe die Einrichtung vereinbart, sich erst einmal ein Bild zu verschaffen. ihm

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