Lange kann die Außengastronomie in Bad Vilbel mutmaßlich nicht mehr geöffnet bleiben. Im Winter drohen sich die aktuellen Problemstellungen nochmal zu verschärfen. (Symbolbild)
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Lange kann die Außengastronomie in Bad Vilbel mutmaßlich nicht mehr geöffnet bleiben. Im Winter drohen sich die aktuellen Problemstellungen nochmal zu verschärfen. (Symbolbild)

Gastro

Hilferuf der Gastronomie: Restaurants und Cafés in der Wetterau haben Riesenproblem

  • VonNiklas Mag
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In der Gastronomie fehlt es an Servicekräften. Cafés und Restaurants in Bad Vilbel haben nun sogar einen gemeinsamen Facebook-Post abgesetzt, um Abhilfe zu schaffen.

Bad Vilbel – Im Baristro von Carsten Witteck an der Frankfurter Straße wird am Dienstagmorgen bereits fleißig gefrühstückt. Die Außengastronomie steht im Regen, hat dem Cafébesitzer aber im Sommer gute Dienste geleistet und wird sicherlich am ein oder anderen goldenen Oktobertag noch einmal zum Einsatz kommen.

»Wir Gastronomen in Vilbel sind ja eine Gemeinschaft und in unserer WhatsApp-Gruppe schrieb jemand, er braucht dringend Servicekräfte und einer nach dem anderen hat sich angeschlossen«, berichtet Witteck.

Gastronomen in Bad Vilbel fehlt Personal: Nachfrage höher als das Angebot

»Es gibt schon Bewerber, darum geht es nicht. Das Problem sind nicht die Aushilfen, sondern die wirklich gelernten Servicefachkräfte, die Vollzeit arbeiten.« Nur mit temporären Aushilfen zu arbeiten sei keine perfekte Option, denn die Qualität des Service mache den Unterschied, sagt Carsten Witteck. »Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht ist es auch problematisch, einen Abiturienten oder Abiturientin einzuarbeiten, der oder die dann drei Monate später irgendwo einen Studienplatz bekommt und wieder weg ist.«

Carsten Witteck kann im Baristro auf Unterstützung von Amelie Diebel (l). und Sophia Schmied zählen.

Es sei definitiv Fakt, dass der Mangel an Fachkräften mit der Corona-Pandemie kam und das ist auch nicht verwunderlich: »Vergangenes Jahr gab es noch genug. Doch viele haben sich etwas anderes gesucht, weil wegen der Pandemie und der Schließungen nicht klar war, ob man in der Gastronomie langfristig wieder Geld verdienen kann.« Auch viele Schauspieler und Bühnendarsteller haben wegen Corona ihr eigentliches Metier verlassen, arbeiten mittlerweile in der Altenpflege oder anderen Berufen.

Restaurants und Cafés in Bad Vilbel: Pandemie bereitet weiter Sorgen

»Die Marktsituation, die Corona in unserer Branche hinterlassen hat, ist also wirklich dünn, aber jetzt gehen alle Gastronomen zeitgleich auf die Suche.« Auch für den Gastronomen selbst ist es eine schwierige Abwägungssache: »Ich brauche eine Vollzeitkraft hier, aber auch ich habe natürlich Sorge, dass die Pandemie wieder zuschlägt und ich plötzlich jemanden entlassen muss. Das ist ganz schwer einzuschätzen.«

Zudem könne er sich wegen der G-Regeln nicht sicher sein, wie im Winter sein Café angenommen wird. »Auch dieses Problem hat jeder Gastronom. Wenn die Außengastronomie bald zu ist, wie viele Leute nehmen noch die Testmöglichkeiten wahr, wenn diese jetzt Geld kosten?« All diese offenen Fragen sorgen sowohl bei den Betrieben als auch bei den arbeitslosen Servicekräften für offene Fragen, vermutet der Inhaber des Baristro.

Etwas anders sieht es bei Mükremin Karakus aus. Seit Jahren führt er das Pescador Memo in Bad Vilbel, sein Fischrestaurant ist überregional bekannt.

»Ich habe Aushilfen da und das funktioniert gut. Ansonsten helfen meine Frau und meine Tochter in unserem Familienbetrieb ja auch mit.« Das fange den Mangel an Servicepersonal auf, doch: »Ich finde keinen Koch«, bedauert Karakus. Eine Vollzeitstelle in seiner Küche ist seit einem halben Jahr unbesetzt. »Es meldet sich hin und wieder jemand, der vom Arbeitsamt geschickt wurde, aber oft tauchen die Leute dann nicht hier auf.« Auch Köche scheinen sich nicht sicher zu sein, ob es sich lohnt, vor dem Winter wieder in eine Beschäftigung zurückzukehren - wegen der drohenden Gefahr durch pandemiebedingte Schließungen. »Das ist das, was mir im Moment zu schaffen macht. Ich bin seit einem halben Jahr sieben Tage die Woche hier, weil die unbesetzte Vollzeitstelle abgefangen werden muss.«

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