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Die Frankfurter Straße präsentiert sich auch weiterhin nicht ohne Autos.

Verkehr

Bad Vilbel: Traum autofreier Frankfurter Straße ist geplatzt

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Ein Wunschtraum, den die Grünen träumen, den alle anderen Fraktionen des Vilbeler Stadtparlaments aber nicht mit träumen wollen. Die Rede ist von einer autofreien Frankfurter Straße.

Eine Frankfurter Straße im Innenstadtbereich ohne Autos - das wäre ein starker Kontrast zur jetzigen Situation. Aber denkbar, zumindest sonntags und zwischen Ritterstraße und Erzweg. Das ist jener Bereich, der bei den Straßenfesten für den Autoverkehr gesperrt ist und allein den Fußgängern zur Verfügung steht. Genau das können sich die Bündnisgrünen nicht nur einmal im Jahr, sondern einmal im Monat vorstellen.

"Eine Verkehrswende kann doch nur dann funktionieren, wenn wir schon mal Erfahrungen machen, Erfahrungen mit weniger oder gar keinen Autos in der Innenstadt", sagte Stadtverordnete Jana Peters, die namens der Grünen den Antrag einbrachte. Der hatte in seiner ursprünglichen Form, die Straße an allen Sonn- und Feiertagen zu sperren, schon im Haupt- und Finanzausschuss keine Mehrheit erhalten. Nun modifizierten die Grünen ihren Text: Sie wollten die Sperrung nur noch an einem Sonntag pro Monat, und dann nur zwischen März und Oktober. "Die Menschen könnten zu Fuß erfahren, wie sich ihre Stadt anfühlt", sagte Peters. Zudem komme es dadurch nicht zu einer Blockade des Wirtschaftsverkehrs, der für die Geschäfte wichtig sei. Außerdem könne die Situation für den Hessentag schon einmal eingeübt werden. Die Lebensqualität würde sich verbessern, denn eine Sperrung würde der Gastronomie guttun. Was sich vordergründig gut anhört, ist für die CDU-Mehrheitsfraktion "unausgegoren", wie Fraktionschefin Irene Utter entgegnete. Der Antrag habe "deutlich mehr Nach- als Vorteile". In der Innenstadt wohnen rund 1500 Menschen, die an Sonntagen ihre Autos nicht nutzen dürften. "Und ganz ehrlich, wer setzt sich in Gronau aufs Fahrrad, um zum Eisessen in die Vilbeler Innenstadt zu fahren?" Die CDU findet zudem, dass der Sonntag der falsche Tag sei. Denn das sei der einzige Tag "ohne Verkehrschaos". Würde man, wie von den Grünen verlangt, den Straßenabschnitt sperren, "würde das in den Nebenstraßen zu einem Parkchaos führen". Seitens der CDU sieht man zudem, dass sich ein Einfahrtverbot nur schwer kontrollieren lasse.

Verlagerungseffekte befürchtet

Es kommt nicht oft vor, dass SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Kühl der CDU recht gibt. Bei diesem Tagesordnungspunkt war es aber so. Denn auch die SPD findet, dass sich die Grünen den falschen Tag ausgesucht hätten. "Die Geschäfte haben zu, der Verkehr ist doch überschaubar." Einen Seitenhieb auf die Argumente der Christdemokraten konnte er sich gleichwohl nicht verkneifen: "Sie von der CDU wollen doch keine autofreie Innenstadt und keine Verkehrswende, dann sagen Sie es doch auch deutlich." Dennoch gehe es darum, die Geschäftszeile Frankfurter Straße attraktiver zu machen. Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) befürchtete Verlagerungseffekte des Verkehrs in die Nebenstraßen. "Sie müssten dann die Ritterstraße und die Bergstraße gleichfalls für den Autoverkehr sperren." Zudem erzeuge ein solcher Antrag ein "heilloses Durcheinander". Den Bad Vilbelern könnte man ja noch durch Amtliche Bekantmachungen und ähnliches erklären, dass ihre Stadt an jedem ersten Sonntag im Monat an acht Monaten im Jahr gesperrt wäre. "Aber Auswärtige, die zu einer Geburtstagsfeier oder einer Konfirmation wollen, wie erreichen wir die denn?" Es sei wichtig, über die Entwicklung der Innenstadt zu diskutieren, "aber wir sollten dabei keine Nebelkerzen werfen". FW-Fraktionschef Raimo Biere sagte, das Parkhaus in der Innenstadt wäre gar nicht mehr erreichbar. "Man müsste dem Parkhausbetreiber eine Entschädigung zahlen." Letztlich votierten nur die Grünen für ihren Antrag, alle anderen Stadtverordneten lehnten ihn ab.

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