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Bilder wie dieses aus der Therme Erding wünschen sich viele Bad Vilbeler endlich auch aus dem geplanten Kombibad, das in der Kernstadt entstehen soll. Die Wund-Unternehmensgruppe, die bei dem millionenschweren Projekt als Investor agiert, hatte für Mai mit Details herausrücken wollen. Nun heißt es weiter : Geduld haben. (Archivfotos: pv)

Kombibad

Kombibad Bad Vilbel: Neue Details zu Plänen lassen aufhorchen

Wochenlang war es still um das in Bad Vilbel geplante Kombibad. In den kommenden Tagen stimmen die städtischen Gremien nun über weitere Schritte ab. Die Details lassen aufhorchen.

Sichtlich enttäuscht waren die Besucher des Ortsbeirats Kernstadt, als am Dienstagabend dessen Sitzung zu Ende ging. Schuld war Punkt drei der Tagesordnung: Die zweite Änderung des Bebauungsplans "Schwimmbad". Seit der Baustart des Kombibads gecancelt wurde, lechzen die Bad Vilbeler nach jedem Informationshappen zu dem Mega-Projekt. Spärlich genug waren sie in den vergangenen Monaten.

Der tragische Tod des Investors Josef Wund hatte das jahrelang vorbereitete Bauvorhaben im Dezember 2017 auf Eis gelegt. Bis heute ist sein Erbe formell nicht geregelt, der Erbschein hängt weiter beim Amtsgericht Tettnang fest. Im März schien nun aber Bewegung in die Sache zu kommen.

Kombibad: Pläne werden geändert

Die Wund-Unternehmensgruppe, die den Nachlass des Bäderkönigs verwaltet, bekannte sich in einem Schreiben klar zum Thermenbau, für den einst rund 200 Millionen Euro veranschlagt waren. Gleichzeitig kündigte sie Änderungen an den fertigen Entwürfen an: Das angedachte Hotel fällt demnach weg, statt mehrstöckig wird der Badkomplex, der unter seinem Dach auch ein kommunales Hallenbad und ein Freibad haben soll, ebenerdig gebaut.

Weitere Details hatte Stadtrat Klaus Minkel (CDU), der im engen Austausch mit der Wund-Gruppe steht, für Mai angekündigt. Daraus ist nichts geworden. Der zugesagte Entwurf werde sich "etwas verschieben", bestätigte Minkel auf Anfrage und verwies auf die Komplexität der Umplanungen. Im Ortsbeirat hatte Stadtplanerin Birgit Diesing lediglich die baurechtlichen Änderungen vorgestellt und damit zumindest bei den anwesenden Bürgern für lange Gesichter gesorgt.

Badkomplex nun auf 10 Hektar

Denn was die Stadtplanerin präsentierte, war in den Grundzügen schon im März bekannt geworden: Die Gebäudegrundfläche der Therme wächst von 5,9 auf knapp 10 Hektar. Möglich ist das, weil die Stadt in der Zwangspause des Projekts mehrere zusätzliche Grundstücke erworben hat. Durch den gestiegenen Flächenverbrauch sind auch umfangreichere ökologische Ausgleichsmaßnahmen nötig (siehe Zusatzinfo). Insgesamt ist das Kombibad-Areal, das zwischen B 3 im Osten und dem Schulzentrum im Westen liegt, rund 13 Hektar groß.

Laut Diesing konzentriert sich die Bebauung gemäß des geänderten Bebauungsplans auf den Nordosten, wo sie an Homburger Straße, An den Röden und Massenheimer Weg an die Wohngebiete grenzt. Im Süden sind hingegen die Frei- und Grünflächen vorgesehen, die somit an Bundesstraße und Berufsförderungswerk liegen.

Parkhäuser und Therme beisammen

Die Parkhäuser und das Thermengebäude werden zusammengelegt und sollen sich direkt an die Zufahrt über den Massenheimer Weg anschließen. Die Wund-Gruppe rechnet mit 1,3 Millionen Besuchern pro Jahr - rund 200 000 mehr als in den ursprünglichen Planungen. Die Regionalversammlung prüfe derzeit die Änderungen am Regionalen Flächennutzungsplan, die für die neue Vision des Badetempels nötig sind.

"Gegenüber dem Stand aus dem letzten Jahr wurde zweimal umgeplant, stets mit Verbesserungen als Folge", sagt Stadtrat Minkel. "Das Kommunalbad rückt in Richtung Schulen und wird separat erschlossen, so dass es deutlich früher als der Rest in Betrieb genommen werden kann." Umliegende Wohngebiete würden durch eine Bebauung außerdem besser von den Geräuschen im Außenbereich des Tropenparadieses abgekapselt.

Mit einer knappen Mehrheit empfahl der Ortsbeirat Kernstadt dem Stadtparlament, den Änderungen des Bebauungsplanes zuzustimmen. Während die CDU geschlossen für die Vorlage stimmte, votierten SPD und Grüne dagegen. Sie kritisieren, dass zu wenig konkrete Informationen zu dem Bauvorhaben vorliegen, beispielsweise was die Lage der Schwimmbecken, die Architektur der Gebäude oder die Zahl der Rutschen betrifft.

Christopher Mallmann (Grüne) beklagte, die umfangreichen Dokumente wie Umweltbericht und Luftschadstoffgutachten hätten zu spät vorgelegen. In der Folge stellte er und SPD-Vertreterin Katja Meiner in Frage, ob die ÖPNV-Anbindung der Therme über den Vilbus ausreiche. Außerdem äußerten sie die Befürchtung, die Verkehrsgutachten seien zu konservativ ausgefallen, weil sie auf veralteten Daten beruhten. Der anwesende städtische Sachbearbeiter, Stefan Höfer, sicherte zu, beides prüfen zu lassen.

Bad Vilbel: Was wird aus dem Freibad?

In der Bürgersprechstunde wurde vor allem die Frage nach dem Freibad laut, das an die Therme angeschlossen werden soll. Angedacht war, dass es das bestehende Vilbeler Freibad ersetzen könne, indem es unabhängig vom restlichen Badkomplex besuchbar sei. In den Umplanungen fehlten jedoch weitere Angaben. Beispielsweise, ob die einst zugesicherte 50-Meter-Bahn tatsächlich gebaut werde, sei ihm nicht ersichtlich, bemängelte Mallmann.

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Therme Bad Vilbel wurde umgeplant

Mehr als ein Jahr nach dem eigentlich avisierten Baubeginn wartet das Rhein-Main-Gebiet immer noch auf die Therme Bad Vilbel. Nun wurde umgeplant: Ein Teil des Projekts fällt offenbar weg.

Minkel dazu: "Das Thema Freibad ist derzeit ausgeklammert. Es wäre auch bei Josef Wund nicht im ersten Schritt gekommen." Wegen des Zeitverlusts werde "alle Kraft auf das Thermenprojekt gelegt inklusive kommunalem Hallenbad." Dort sei die Not wegen des mittlerweile abgerissenen alten Hallenbades am größten.

Sorgfalt vor Eile

"Das bestehende Freibad bleibt betriebsbereit", sicherte Minkel zu. Mindestens bis es einen Ersatz gebe. Er lasse zudem derzeit untersuchen, "wie man das beliebte Freibad ertüchtigen könnte, sobald wir das Hallenbad haben." Dem Vernehmen nach hat sich bereits eine Bürgerinitiative zum Erhalt des Freibades an der Huizener Straße formiert.

Zum weiteren Zeitplan für die Wund-Therme machten weder Minkel noch Diesing Aussagen. Wann ein architektonischer Entwurf zu sehen sein wird, blieb offen. Bilder und Pläne kämen sobald wie möglich, eine Terminierung sei sinnlos, so Minkel: "Sorgfalt vor Eile." Die nächsten Fixpunkte sind der Planungs- und Bauausschuss am 11. Juni und die Stadtverordnetenversammlung am 18. Juni, wo über den Bebauungsplan abgestimmt wird.

Einer möglichen Bürgerversammlung zum Badetempel wollte Minkel kein Datum geben. Er wisse um das große öffentliche Interesse und wolle das selbstverständlich auch befriedigen. Zuerst gingen die Pläne aber durch Betriebskommission und Stadtparlament. Die städtische SPD-Fraktion hat derweil im Ausschuss beantragt, dass es noch im Juni eine Bürgerversammlung geben soll.

Zusatzinfo: Stadt muss Fläche ausgleichen

Durch die Umplanungen des Badkomplexes ist der Flächenverbrauch des Vorhabens gestiegen. Deshalb muss die Stadtverwaltung ökologische Ausgleichsflächen schaffen:

  • westlich der B3 wird ein Rebhuhnhabitat angelegt
  • im Süden des Thermenareals gibt es Streuobstwiese mit 54 Großbäumen
  • auf den Grünflächen im Süden werden Nisthöhlen für Fledermäuse und Vögel angelegt
  • ebenfalls im südlichen Bereich entsteht ein Lebensraum für Zaunechsen samt Schutzpflanzungen
  • mindestens 20 Prozent der Thermen-Dächer sollen begrünt werden
  • es wird eine Extensivwiese, also eine naturbelassene Grünfläche geben. 

Dennoch braucht der Magistrat, um die Flächenversiegelung zu ermöglichen laut Stadtplanerin Birgit Diesing weitere 207 000 Öko-Punkte. Für jede Maßnahme zugunsten der Natur, sammelt die Stadt diese Punkte. Veranlsst sie Maßnahmen, die der Natur schaden, muss sie genügend Punkte als Ausgleich haben. Bad Vilbel wird die für den Thermen-Bau noch benötigten Öko-Punkte wohl der Frankfurter Gerty-Strohm-Stiftung abkaufen, die durch die Nidda-Renaturierung ein volles Konto hat. 40 Cent kostet ein Punkt laut Stadrat Klaus Minkel. Er habe eine mündliche Zusage für den Deal. Nachgerechnet ergeben sich rund 83 000 Euro Kosten für den Stadtsäckel. (ags)

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