Ansichtssache: So haben sich CDU und FDP den naturnahen Spielplatz für Dortelweil vorgestellt.
+
Ansichtssache: So haben sich CDU und FDP den naturnahen Spielplatz für Dortelweil vorgestellt.

Unterschriftenaktion

Bad Vilbel: Protest gegen weiteren Spielplatz in Dortelweil erfolgreich

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
    schließen

Gegen die Idee, im Bad Vilbeler Naturpark Kies einen naturnahen Spielplatz zu bauen, regt sich in Dortelweil massiver Widerstand. 147 Bürgerinnen und Bürger haben den Protest unterzeichnet.

Bad Vilbel – Wer in Dortelweil in die kleine Straße Niddapfad einbiegt und bis zum Ende läuft, ist mitten in der schönsten Natur. Am Ende der Straße blickt man von oben auf die Nidda und auf die gegenüberliegende Sportanlage. Geht man die Treppen hinunter, ist man auf einem idyllischen Spazierweg. Die alten Dortelweiler nennen diese Ecke »Kiss«, offiziell heißt sie »Am Kies«. »Das hier ist ein richtiges Kleinod«, sagt Arno Rach. »Da haben wir uns früher schon in den Büschen versteckt und sind um die Bäume herumgerannt.«

Bad Vilbel: Unterschriftenkampagne gegen neuen Spielplatz gestartet

Er sei heute mit seinen Enkelkindern öfters hier. Im Winter, als es noch Schnee gab, seien die Kinder den kleinen Hügel hinuntergerutscht. »Das hier ist das letzte naturbelassene Kleinod weit und breit«, deutet Rach in die Grünanlage zwischen Nidda- pfad, Ufer und der verlängerten Peter-Fleischhauer-Straße. Kurt Stepping und Jürgen Adam nicken zustimmend. Die drei zeigen dem Reporter das Gebiet, in dem im Gegensatz zur anderen Niddaseite keine Radfahrer zugelassen sind. Es steht dort auch eine Sitzbank, Eltern könnten von dort bestens ihre spielenden Kinder beobachten.

Die drei Dortelweiler haben im alten Ortskern eine Unterschriftenkampagne initiiert. Dazu hatten sie aus ihrer Sicht allen Anlass. Denn sie fürchteten, dass die Stadt dort einen naturnahen Spielplatz errichten will. Denn genau diese Idee hatten die Ortsbeiräte.

Bad Vilbel: Platz sollte auch für Senioren sein

Was sich nun, angesichts von 147 gesammelten Protestunterschriften, als regelrechter Sturm entpuppt hat, hat eigentlich sehr harmlos begonnen. Die SPD-Fraktion im Ortsbeirat hatte Ende Oktober einen Antrag eingebracht, im »Kies« den Bau eines naturnahen Spielplatzes zu prüfen. Die Begründung dafür nahm eine ganze Seite ein und behandelte die Bewegungsarmut unserer Gesellschaft. Sieben bis acht Geräte sollten es sein, an denen sich die Dortelweiler in Form bringen und fitter werden könnten.

Vor allem die Zielgruppe der Älteren haben Rainer Fich und Maria Skorupski im Blick gehabt mit ihrem Antrag. In der jüngsten Sitzung betonte Fich nun, dass alle Parteien diesem Prüfantrag zugestimmt hätten.

Bad Vilbel: 100 000 Euro waren im Haushalt für Projekt eingeplant

Dass das Projekt seitens der Stadt auch umgesetzt werden soll, überraschte denn doch. Denn im Entwurf für den Haushalt 2021 stehen 100 000 Euro. Das fand selbst Rainer Fich »überraschend«, vor allem auch die hohe Summe. »Das sind nicht ein paar kleine Spiel- und Fitnessgeräte«, meinte er. Ortsvorsteher Herbert Anders (CDU) fand dies hingegen nicht ungewöhnlich, schließlich seien Geräte sehr teuer, und der Fallschutz käme hinzu.

Als diese Aussagen getroffen wurden, war die Liste mit den Unterschriften längst übergeben. Und einige Anwohner legten in der Bürgerfragestunde gleich noch nach: »Wir wollen, dass das letzte Stück Natur dort belassen wird.« In Alt-Dortelweil gebe es bereits vier Spielplätze, »die alle nicht ausgelastet sind«, sagte Rach in der Bürgersprechstunde. »Wir brauchen nicht noch einen fünften Platz.« Er rief dem Ortsbeirat zudem noch zu, dass er »ohne weiteres viele weitere Unterschriften besorgen« könne.

Herbert Anders gab zu: »Mit einem solchen Widerstand haben wir nicht gerechnet«. Wobei er sicherlich für alle Ortsbeiräte sprach. Die Vertreter der Koalition aus CDU und FDP suchten wegen des großen Widerstands und der offensichtlichen Aufregung jetzt das Gespräch mit Rach und den anderen Anwohnern.

Bad Vilbel: Spielplatz-Idee nach Bürgerprotest verworfen

Ergebnis: »Da Sie keinen naturnahen Spielplatz am Kies wollen, werden wir das Projekt nicht weiter verfolgen. Denn es war ja für Sie, die Bürgerinnen und Bürger von Dortelweil, gedacht - und nicht für uns selbst.« Nun werde man sich dafür einsetzen, dass die im Etatentwurf eingestellten Gelder dafür genutzt werden, die anderen Dortelweiler Spielplätze aufzuwerten und zu verschönern«.

Bei den Initiatoren der Unterschriften herrscht nun Zufriedenheit. Kurt Stepping drückt es so aus: »Das war eine schnelle und bürgernahe Reaktion.« Geht die Umschichtung der Gelder durch, ist wieder der Ortsbeirat gefragt. Vielleicht könnte er gleich auf der anderen Seite der Nidda in Höhe des »Kies« tätig werden: Dort gibt es nämlich bereits einen Spielplatz.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare