Dicht an dicht fahren die Autos tagsüber auf der Bundesstraße 3 zwischen Karben-Kloppenheim und Bad Vilbel-Massenheim. Im morgendlichen Berufsverkehr geht es noch dichter zu. Die Idee ist, die Zahl der Spuren zu verdoppeln.
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Dicht an dicht fahren die Autos tagsüber auf der Bundesstraße 3 zwischen Karben-Kloppenheim und Bad Vilbel-Massenheim. Im morgendlichen Berufsverkehr geht es noch dichter zu. Die Idee ist, die Zahl der Spuren zu verdoppeln.

B3-Ausbau

B3-Ausbau: Bad Vilbel und Karben begrüßen Idee des Landes

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Die B3 muss zwischen Bad Vilbel und Karben auf vier Spuren ausgebaut werden. Beim Bund hat das Projekt nicht oberste Priorität, aber das Land Hessen könnte jetzt Bewegung hineinbringen.

Wer sich tagsüber auf die Landschaftsbrücke in der verlängerten Frankfurter Straße in der Gemarkung Kloppenheim stellt und dort auf die B3 hinunterschaut, stellt unschwer fest: Die Straße ist stark befahren. Pkw, Lkw und Motorräder rauschen hier von Bad Vilbel nach Karben und in umgekehrter Richtung. Käme man morgens früh dorthin, wäre dieser Eindruck noch stärker. Dann rollt die Blechlawine vor allem aus der Wetterau in Richtung Frankfurt in langsamerem Tempo. Und das liegt an zwei Dingen: Erstens an dem hohen Verkehrsaufkommen und zweitens an den aus dem Wohngebiet Dortelweil-West sich ständig einfädelnden Fahrzeugen. Erst hinter der Abfahrt Massenheim, dort, wo die B3 vier statt zwei Spuren hat, wird es besser.

Um diesen, wie es beim Bad Vilbeler Magistrat heißt, »Flaschenhals« zu beseitigen, müsste man dann nicht das Teilstück zwischen der Auffahrt Kloppenheim und Massenheim auf vier Spuren aufweiten? Ja, sagen die Kommunalpolitiker ebenso wie die Fachleute von Hessen Mobil und die Magistrate der beiden Städte.

B3-Ausbau: Mehr Autos durch Neuansiedlungen

In Karben weiß man, wie wichtig ein solcher Ausbau wäre. Immerhin ist seit einigen Jahren die Nordumgehung fertiggestellt, die den Verkehr aus dem Wetterauer Ostkreis und den Kommunen des Main-Kinzig-Kreises aufnimmt und vor allem eins macht: ihn rasch ans Ausbau-Ende der B3 bei Kloppenheim führt. Aber Karben hat in letzter Zeit weitere Gewerbegebiete und Wohngebiete ausgewiesen mit der Folge, dass immer mehr Autos hinzukommen. Auch in Bad Vilbel, der größten Wetterau-Stadt, herrscht ein regelrechter Bau-Boom. 1000 neue Wohnungen werden am Bahnhof gebaut, für die Mega-Therme steht der Bauantrag bevor und vieles mehr.

Und dann sind da noch die großen Baugebiete, die sich in Schöneck und Umgebung anbahnen. Deren Bewohner werden mit ihren Autos größtenteils durch Karben und Bad Vilbel auf die B3 Richtung Frankfurt drängen. Die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil hat eine Prognose fürs Jahr 2030 erstellt: Derzufolge würden auf der B3 im zweispurigen Abschnitt bis zu 40 000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs sein.

B3-Ausbau: Lucia Puttrich und Tobias Utter setzen sich ein

Das hat die Verantwortlichen im hessischen Verkehrsministerium aufhorchen lassen. Zudem haben die Landtagsabgeordneten Lucia Puttrich und Tobias Utter im Ministerium deutlich gemacht, wie wichtig ein vierstreifiger Ausbau wäre.

Ausgerechnet ein grüner Verkehrsminister hat nun ein Modell ins Spiel gebracht, wie die Planung für den Ausbau der Straße schneller vorangebracht werden könnte. Zunächst will man die Zahl der Ingenieurstellen bei Hessen Mobil um zehn aufstocken. Zudem will man den Kommunen die Planung des dringenden Projektes an die Hand geben, teilt Tarek Al-Wazir mit.

B3-Ausbau: Karben will die Planung steuern

»Das sind gute Nachrichten«, sagt etwa Karbens Bürgermeister Guido Rahn (CDU). Damit habe der gemeinsame Einsatz der Städte Bad Vilbel und Karben mit Unterstützung von Hessen Mobil Erfolg gezeigt. Rahn informiert, dass man als Stadt schon angeboten habe, eine mögliche Weiterführung der B3 bis zur Nordumgehung in eigener Regie zu planen, um dadurch gerade für Kloppenheim eine zweite Ausfahrt auf die Bundesstraße Richtung Frankfurt zu ermöglichen.

Das Modell, für das das Land Hessen mit den Kommunen eine Vereinbarung unterzeichnen will, sieht vor, dass die Kommunen quasi die Planungshoheit für den Ausbau haben, begleitet von Hessen Mobil. Und das Land zahlt die Kosten.

»Die Steuerung der Planung würden wir übernehmen«, kündigt Rahn an. »Die Detailarbeit würden wir extern vergeben, um die entsprechende Fachkompetenz einzukaufen.« Gemeinsam mit den Bad Vilbeler Kollegen wolle er die konkrete Vereinbarung abwarten und mit den städtischen Gremien die Details erörtern. »Grundsätzlich finde ich dies aber eine gute Lösung, zumal die Kommunen dadurch direkt in die Planung eingebunden werden«, betont Rahn.

B3-Ausbau: Lärmschutzmaßnahmen für Anwohner wichtig

Ähnlich positiv sieht man es im Bad Vilbeler Rathaus. »Wir erhoffen uns hier nicht zuletzt auch positive Folgen für das Verkehrsaufkommen in Bad Vilbel, da hierdurch eine Umfahrung der Ortslage deutlich attraktiver wird. Für die Stadt Bad Vilbel sei aber wichtig, dass beispielsweise Lärmschutzmaßnahmen für betroffene Anwohner getroffen werden und dass die Anbindung der L3008 weiterhin leistungsfähig gewährleistet bleibe.

Positiv sieht das angedeutete Modell auch CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzender Mario Beck. »Der Ausbau der bestehenden Trasse ist die Maßnahme, die laut Verkehrsgutachten am meisten Nutzen stiftet und zugleich am wenigsten für Landschaftsverbrauch sorgt. Wie schon die Vorfinanzierung der jeweiligem Nordumgehungen, die sowohl in Bad Vilbel als auch in Karben von den Kommunen gestemmt wurde, ist nun die Übernahme von Planungsleistungen durch die Kommunen ein starkes Mittel, um den gordischen Knoten langer Planungsperioden zu lösen. Das Gute ist außerdem, dass uns das Land die Kosten vollständig ersetzt - eine sehr faire Lösung.«

B3-Ausbau nur „weiterer Bedarf“

Sehr lange gibt es die Forderung aus der Kommunalpolitik, die B3 von zwei auf vier Fahrspuren auszubauen. Schon im September 2011 war in der Karbener Stadtverordnetenversammlung davon die Rede. Nach Stadtverordnetenbeschlüssen hatte Karben im November 2012 beim hessischen Verkehrsministerium die Aufnahme des vierspurigen Ausbaus in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) beantragt. Es dauerte ein weiteres Jahr, bis das Land Hessen den vierstreifigen Ausbau in den BVWP 2015 zur Bewertung durch den Bund angemeldet hatte. Im weit entfernten Berlin waren allerdings andere Projekte wichtiger. Und so ist im Bundesverkehrswegeplan das B3-Projekt lediglich unter »weiterer Bedarf« eingeordnet worden. Besser wäre es im »vordringlichen Bedarf« gewesen.

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