Axel Vestweber (links) und Jan-Patrick Leibrich kontrollieren am Samstagabend die Einhaltung der Ausgangsbeschränkung in Bad Vilbel und auch in Karben. 	FOTOS: NIKLAS MAG
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Axel Vestweber (links) und Jan-Patrick Leibrich kontrollieren am Samstagabend die Einhaltung der Ausgangsbeschränkung in Bad Vilbel und auch in Karben.

Ausgangssperre kontrolliert

Karben und Bad Vilbel: Ausgangssperre wird kontrolliert – „Nicht päpstlicher als der Papst“

  • vonNiklas Mag
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Seitdem die Ausgangssperre in der Wetterau gilt, schiebt die Polizei zusätzliche Nachtschichten. Meistens sind die aufgegriffenen Personen einsichtig, doch es gibt es auch andere Fälle.

  • Seit dem 15. Dezember gilt im gesamten Wetteraukreis eine Ausgangssperre.
  • Der Aufenthalt draußen ist von 21 bis 5 Uhr nur in Ausnahmefällen gestattet.
  • Die Polizei kontrolliert dieser Tage verstärkt, so auch in den Städten Bad Vilbel und Karben.

Bad Vilbel / Karben - Pünktlich zum Beginn der Ausgangssperre machen sich Polizeikommissar Jan-Patrick Leibrich sowie Dienstgruppenleiter und Polizeihauptkommissar Axel Vestweber bereit. Ihre erste Station in dieser Nacht führt die Vilbeler Polizisten nach Karben. Denn beide Städte führen die Corona-Kontrollen gemeinsam durch. »Die Leute zeigten sich bisher immer sehr einsichtig«, weiß Vestweber. »Wir kriegen momentan außerdem jede Menge Anrufe. Die Leute wollen wissen, was passiert, wenn ihre Bahn verspätet ist und sie deshalb noch auf der Straße sind.« Man schreibe dann die Namen auf und lasse das so durchgehen. »Wir wollen nicht päpstlicher sein als der Papst«, meint Vestweber.

Allerdings mussten die Beamten in der Nacht zuvor, von Freitag auf Samstag, siebenmal Strafzettel ausstellen. 200 Euro kostet die Verletzung der Ausgangssperre für Erwachsene, 100 Euro für Jugendliche. »Bisher waren aber alle Leute etwa zwischen 30 und 55«, erzählt einer der beiden Karbener Ordnungsamtsmitarbeiter nach der Begrüßung seiner Vilbeler Kollegen. Die Vilbeler Polizisten leisten hier Amtshilfe und begeben sich mit den beiden Karbenern in Richtung Zentrum.

Ausgangssperre in Bad Vilbel und Karben: Schichtwechsel bei Conti

Um kurz nach 21 Uhr sind noch einige Autos und Personen auf dem Parkplatz zwischen den Supermärkten am Karbener Bahnhof unterwegs. Doch sie alle haben gerade ihre Arbeit beendet und können deshalb unbesorgt den Heimweg antreten. Ein Fahrradfahrer fährt zu seiner Nachtschicht, ein Mann führt seinen Hund aus. Auch das ist erlaubt. »Gestern war hier um diese Zeit noch deutlich mehr los«, meint einer der Ordnungshüter.

In der Bahnhofstraße in Karben kontrollieren Axel Vestweber und seine Kollegen von der Polizei Autofahrer.

Am Samstagabend liegt die Neue Mitte in Karben wie ausgestorben da, die Beamten fahren deshalb zum Karbener Rathaus. Auf beiden Seiten der Bahnhofstraße postieren sie sich je zu zweit und stoppen die wenigen vorbeikommenden Fahrzeuge. Nach einem kurzen Wortwechsel mit einem Fahrer lässt Axel Vestweber diesen sofort wieder ziehen: »Bei Conti ist Schichtwechsel. Um diese Zeit trifft man viele, die dorthin wollen.«

Ausgangssperren-Kontrolle: Zusätzliche Belastung für die Polizei

Tatsächlich kann nahezu jedes Fahrzeug sofort weiterfahren. Die vier Männer wissen: »Neun von zehn Fahrern zücken schon die Erlaubnis vom Arbeitgeber, die beweist, dass sie noch nach 21 Uhr unterwegs sein dürfen, wenn wir sie anhalten.« Doch für die Polizisten sind die Corona-Kontrollen eine zusätzliche Belastung. Sogar längst geplante freie Tage mussten verschoben werden, erzählen sie. Das gehöre aber nun einmal zum Job.

Später am Abend stoppt Jan-Patrick Leibrich auf der anderen Straßenseite mit seinem Karbener Kollegen einen Mercedes. Der Fahrer war in Gießen unterwegs und will nun nach Hause. Doch in Karben herrscht Ausgangssperre. »Abzocke!« ruft dieser, ärgert sich maßlos, akzeptiert aber seine Strafe über 200 Euro.

Für Vestweber und seinen Kollegen geht es gegen 22 Uhr zurück in die Quellenstadt. Zu Fuß bewegen sich die beiden durch die vollkommen stille Frankfurter Straße. »Ich bin seit 22 Jahren in Bad Vilbel«, erzählt Vestweber. »Die Frankfurter Straße samstagabends so zu sehen, ist schon sehr merkwürdig.«

Ausgangssperre: Mutter holt Tochter ab - 400 Euro Strafe

Auch hier halten die beiden Polizisten noch einige Fahrzeuge und Fußgänger an. Es sind sehr wenige, nahezu alle von ihnen kommen von der Arbeit und sind auf dem Heimweg. Lediglich eine Smart-Fahrerin muss sich erklären. Es ist bereits 22.20 Uhr und sie hatte ihre Tochter von einer Freundin abgeholt. Ein klarer Verstoß zu später Stunde, an dem es wenig zu rütteln gibt. »Ich wusste nichts von der Ausgangssperre. Gibt es nicht erst mal eine Verwarnung?«, fragt sie entsetzt. Doch den Vilbeler Beamten bleibt keine Wahl. 400 Euro müssen die beiden Frauen insgesamt Strafe zahlen.

Bis etwa drei Uhr früh sind die beiden Polizisten noch unterwegs. Je nach Bedarf auch länger. »Wir schauen uns gleich noch einmal an den Plätzen um, wo die Jugend gerne sitzt. Danach fahren wir durch die Straßen und kontrollieren nach Mitternacht noch einmal die Frankfurter Straße«, kündigt Vestweber an und verschwindet mit seinem Kollegen wieder in Richtung Auto.

Nur aus wichtigen Gründen dürfen Wetterauer derzeit nach 21 Uhr ihre Häuser verlassen. Dazu zählt natürlich die Arbeit, ehrenamtliche Verpflichtungen oder medizinische Gründe. Tiere dürfen versorgt und das »Sorge- und Umgangsrecht« wahrgenommen werden. Bei einer Polizeikontrolle entscheiden letztlich die Polizisten, ob ein Wetterauer einen plausiblen Grund hat, draußen zu sein. Weitere Infos zu den Ausgangssperren sind unter www.wetteraukreis.de/aktuelles/corona zu finden. Die Polizei Bad Vilbel ist unter 06101/546-00 zu erreichen. (nma)

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