+
Hajo Porschen ist dank seiner Rente nicht vom kommerziellen Erfolg seiner Kunst abhängig. Manche seiner Bilder sind gar unverkäuflich.

Aufs Malen programmiert

  • schließen

Hajo Porschen widmet sich seit seinem Renteneintritt intensiv der Kunst und stellt seine Werke in einer Galerie in der Bad Vilbeler Innenstadt aus. Theoretisch stehen sie auch zum Verkauf, doch der große Erfolg blieb bisher aus. Der 68-Jährige nimmt’s mit Humor.

A uf ist, wenn auf ist" steht in bunt gedruckter Schrift auf dem Zettel an der Eingangstür in der Niddapassage. Hajo Porschen (68) lässt sich nicht mehr stressen - er ist Rentner. In seiner kleinen Galerie sitzt er gerade über einigen Kleinkunstwerken.

Die Wände hängen voll mit seinen Bildern unterschiedlicher Stilrichtungen und auch im Kellerraum die Treppe hinunter kann man sich von seinem Schaffen überzeugen. Auch dem Baguette-Imbiss gegenüber hat er einige seiner Kunstwerke bereits zur Verfügung gestellt, um deren bisher eher tristen Abstellraum aufzuhübschen. Hajo Porschen, der mit ganzem Namen Hans Joachim heißt, hatte vor Beginn seiner Rente mit Kunst nicht besonders viel am Hut. Ende der 1960er Jahre war er zwar von der zeitgenössischen Kunst und deren Umgang mit geometrischen Formen fasziniert - es reifte sogar der Wunsch, Grafik und Design zu studieren - doch nach seiner zweijährigen Zeit bei der Bundeswehr geriet er mehr oder weniger zufällig auf die "Schiene der Bits und Bytes".

Zunächst nur, um in kurzer Zeit möglichst viel Geld für seine weitere Ausbildung zu verdienen, war er 42 Jahre lang in unterschiedlichen Positionen und Funktionen in der Informationstechnik, kurz IT, tätig. Ein Malkurs während einer Urlaubsreise weckte in ihm erneut die Faszination für die Kunst. Sich dieser Leidenschaft neben dem Vollzeitjob richtig zu widmen, daran war jedoch in dieser Zeit nicht zu denken. Ein anderes Hobby hatte Vorrang: "Notenblock und Gitarre lassen sich einfacher beiseitelegen", erklärt Porschen, der langjähriger Musiker und Gitarrist der Band "Tribal Blue" ist. Erst mit Beginn der Altersteilzeit richtete er sich eine erste kleine Schaffensstätte im heimischen Keller ein und konnte Zeit für das Malen aufbringen. Künstlerisches Schaffen lasse sich nämlich zeitlich nicht planen.

Er hat ein breites Spektrum

"Manchmal ist man im Flow und findet kein Ende, dann ruft mich manchmal meine Frau an und fragt, wann ich nach Hause komme, erzählt Porschen. Seit Beginn seiner Rente 2014 ist das Malen sein Beruf - oder vielmehr eine Berufung, wie er selbst sagt. Sein erstes echtes Atelier hatte er in der Bad Homburger "Galerie im Hof", es folgten etliche Workshops und Seminare, darunter auch bei seinem Lieblingsdozenten, dem bekannten Künstler Günther Reil, der ihm die Action-Malerei zeigte.

Doch bald stellte Hajo Porschen fest, dass er für das eigene Schaffen einen individuellen Weg gehen musste. Eine Gelegenheit bot sich bei der Besichtigung von Räumlichkeiten in der Niddapassage, in der Porschen seit nunmehr zwei Jahren seine Bilder in einer kleinen Galerie produziert und ausstellt.

Porschen sieht sich selbst als Freigeist und Rebell. Entsprechend wenig kann und will er seine Kunst einordnen. Sie reiche von exakt bis abstrakt. Mal sind es klar zu erkennende Blumenmotive, mal bunte Action-Malereien mit leuchtenden Farben und unterschiedlichen Strukturen, die er mit Lacken und Sprays hervorbringt.

Auch unterschiedliche Materialien wie Stoff- und andere Materialreste sowie Alltagsobjekte kommen zum Einsatz. Obwohl seine Bilder einen Titel haben, gibt es meist keinen Grund beziehungsweise eine Intention, aus der heraus Porschen malt. Viele Besucher der Galerie würden meist krampfhaft versuchen, einen Sinn oder eine Botschaft aus seinen Bildern herauszulesen, doch die gebe es schlicht meist nicht, erzählt der Maler.

Die Tatsache, dass der große Verkaufserfolg bisher ausbleibt, halte ihn nicht von seiner Malerei ab. Er mache es nicht aus kommerziellen Beweggründen. Er ist durch seine Rente gut abgesichert und möchte seine Bilder, in die er viel Zeit investiert hat, auch nicht zum Schleuderpreis loswerden. Einige der Bilder, wie die "PurPur Dahlia" sind sogar unverkäuflich.

Porschen ist ein geerdeter Mann, ein guter Beobachter und nimmt vieles mit einer Prise Humor. So findet man etwa in der Galerie den Aushang "Gern gehörte Sätze in einer Galerie", auf dem er häufige Aussagen von Besuchern verewigt hat. Sätze wie "Kann man davon auch leben?", "Ich habe bei der VHS auch schon mal gemalt", "Was machen Sie denn beruflich?" und "Was ist daran jetzt Kunst?" sind dort zu lesen. Oder auch "Hochinteressant! Ich komme bald wieder!!" - zurück kämen sie meistens nicht, erzählt Porschen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare