Nach jeweils drei Stufen folgt eine Zwischenfläche. "Die Schrägheit ist auf ein kleines Stück komprimiert worden", bedauert Initiativensprecher Ulrich Sopp.
+
Nach jeweils drei Stufen folgt eine Zwischenfläche. »Die Schrägheit ist auf ein kleines Stück komprimiert worden«, bedauert Initiativensprecher Ulrich Sopp.

Direkt neben Alten- und Pflegeheim

Aufregung um Treppe in Bad Vilbel:»Wer geht freiwillig hier runter?«

  • vonPatrick Eickhoff
    schließen

»Zu steil und zu gefährlich!« Die Sprecher der Initiative Heilsberg, Ulrich Sopp und Bettina Münch, kritisieren den Neubau einer Treppe neben dem gerade entstehenden Pflegeheim »Am Hang«. Die Stadt hat dazu eine eindeutige Meinung.

Die Bagger rollen, Bauarbeiter trotzen den Temperaturen, es türmt sich der Bauschutt. Der Bau des Pflegeheims im Stadtteil Heilsberg hat begonnen. Bettina Münch und Ulrich Sopp stehen unterhalb des gerade entstehenden Gebäudes. Jahrelang hatten die beiden mit der Initiative Heilsberg versucht, gegen die Dimension des Heims an der Straße »Am Hang« vorzugehen - vergeblich. »Damit haben wir uns abgefunden«, sagen die Sprecher. Doch es ist etwas anderes, das die beiden stört: Die Treppe am Rand des Neubaus. »Das ist ein Schildbürgerstreich«, sagt Sopp, während er durch das Absperrgitter auf die Stufen schaut.

Die Kritikpunkte sind eindeutig. »Diese Treppe ist einfach für ganz viele Personen nicht nutzbar«, sagt Münch. »Sie ist so steil, eine Frau mit Kinderwagen oder ältere Anwohner mit Rollatoren, die brauchen gar nicht erst versuchen, sie zu nutzen.« Für viele Anwohner sei der alte Weg trotz Steigung die schnellste Route zum Kindergarten gewesen. »Wer geht denn später freiwillig hier runter? Das ist extrem gefährlich. Der Umweg außen herum ist einige Hundert Meter länger.« Noch schlimmer werde es für diejenigen sein, die von unten kommen. »Wer den schönen Spazierweg nutzt, der ahnt nicht, dass er an dieser Treppe herauskommt und es eventuell nicht hoch schafft«, sagt Sopp.

»Für die Bauweise der Treppe haben wir kein Verständnis«, sagen Ulrich Sopp und Bettina Münch.

Bei der Stadt hat man zur Kritik der Sprecher eine eindeutige Meinung. »Der Bau des Pflegeheims hat begonnen, und es wird nun auch der Weg vom Investor gebaut. Dagegen wenden sich nun ehemalige Mitglieder der Bürgerinitiative, die offensichtlich mit dem Bau des Seniorenheims immer noch nicht abgeschlossen haben«, sagt Pressesprecher Yannick Schwander. »Die insoweit geäußerte Kritik entbehrt jedoch jeder Grundlage. Maßgeblich ist der mit überwältigender demokratischer Mehrheit beschlossene Bebauungsplan, der auch durch die Initiative gerichtlich bis zum Bundesverwaltungsgericht überprüft und stets für rechtmäßig befunden wurde. Exakt nach diesem seit Jahren bekannten und öffentlich einsehbaren Bebauungsplan wird nun der Weg gebaut.«

Alle drei Stufen ein Zwischenabsatz

Ulrich Sopp und Bettina Münch haben noch einen weiteren Aspekt der neuen Treppe im Auge. »Alle drei Stufen kommt eine Fläche, die an einen Aussichtspunkt erinnert. Das ist nicht nur umständlich für Radfahrer sondern ermöglicht auch Einblicke in die benachbarten Grundstücke«, sagt Sopp. »Die Höhe wird nicht eingehalten.«

Yannick Schwander betont: »Es war allen Beteiligten klar, dass aufgrund des vorgegebenen Verlaufs und der Hanglage nur eine Anlage mit Treppe in Betracht kommen kann. Die maximale Höhe der Treppe zum Nachbarn ist exakt festgelegt gemäß Bebauungsplan und wird sogar noch unterschritten, sodass keine Nachbarrechte tangiert sein können. Ferner kann man nicht einfach frei eine solche Treppenanlage planen: Die nun gebaute Anlage entspricht exakt den rechtlichen Vorgaben.« So seien unter anderem Handläufe und Zwischenabsätze für die Sicherheit der Bürger vorgesehen. Handläufe sollten nicht über die gesamte Strecke verteilt sein, Treppenstufen klar erkennbar statt vereinzelt und Zwischenabsätze dienen für kurze Pausen.

Zum Ärger der Anwohner liegt die Treppe höher als das Nachbargrundstück.

Die Sprecher der Initiative sehen das anders und verstehen nicht, wieso die Treppe nicht ab Beginn der Straße »Am Hang« gebaut wurde. »Es folgt erst mal ein ganz langer gerader Teil, bevor es abrupt steil nach unten geht«, sagt Münch. Auch Sopp ist der Meinung, dass »es deutlich praktikablere Lösungen gegeben hätte«. Er sagt: »Das Problem wäre nicht so groß, wenn es von Anfang an schräg leicht nach unten gehen würde. Ich frage mich, wie die Bewohner des Pflegeheims, die vielleicht mal spazieren gehen wollen, diese Treppe runterkommen sollen. Das ist keine Treppe für jedermann.«

Plattformen und steile Bauweise

Die Sprecher der Initiative bedauern diese Lösung und haben Kontakt zur Stadt aufgenommen. »Wir wollen uns informieren, wie das nachbarschaftsrechtlich aussieht«, sagt Münch. Eventuell könne man so den Bau noch abändern. Doch die Stadt nimmt Schwung aus der Angelegenheit. Beim Bau sei eine Gasleitung zu berücksichtigen gewesen, die durch das Gelände verläuft und einer bestimmten Abdeckung aus Sicherheitsgründen bedarf. Yannick Schwander sagt: »Daher ergibt sich sowohl aus rechtlichen, technischen wie auch aus finanziellen Gründen, dass man den Treppenbau weder stoppen noch so einfach umplanen kann.«

Kommentar: Unmöglich

Wie groß der Unterschied zwischen rechtlichen Vorgaben und funktionaler Bauweise sein kann, zeigt sich an der gerade entstehenden Treppe in Heilsberg. Diese mag zwar – wie die Stadt betont – gemäß Bebauungsplan in Ordnung sein, doch nutzbarer wird sie dadurch nicht. Ein Auf- beziehungsweise Abstieg der steilen Treppe ist für Rad- und Rollstuhlfahrer nicht nur mit einem enormen Kraftakt verbunden, sondern auch gefährlich. Dass die Treppe ausgerechnet neben einem Alten- und Pflegeheim entsteht, ist die berühmte Ironie des Schicksals. Denn wer beim Besuch der Großeltern gerne mal mit der Verwandtschaft spazieren geht, der wird diesen Weg mit Sicherheit meiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare