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Pfarrer Klaus Neumeier und Anja Seybold stimmen die Gäste kurz vorm Start der Übertragung auf den Ablauf des Gottesdienstes ein.

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Auf die Sekunde genau abgestimmt

  • VonNiklas Mag
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Bad Vilbel (nma). Mit Liedzetteln sind die Sitzplätze markiert, auf die sich die Gottesdienstbesucher setzen dürfen. Einer-, Zweier,- und Dreiersitze sind vorbereitet, damit sämtliche Corona-Maßnahmen eingehalten werden können. Eine halbe Stunde ist es noch bis zum Beginn. Die Band hat sich eingespielt. Techniker laufen umher, verschieben Kabel, telefonieren, schrauben an den Kameras herum.

Pfarrer Klaus Neumeier und Kirchenvorsteherin Anja Seybold nutzen die letzten Minuten vor der Live-Sendung für ein Briefing. »Wir haben lange überlegt, ob wir diesen Gottesdienst mit Gemeinde feiern können. Ich freue mich, dass die Gemeinde vor Ort sein kann«, sagt Neumeier. Regeln gibt es trotzdem: »Ihr dürft mitsingen. Nach eineinhalb Jahren Corona muss man das leider ganz klar erwähnen. Bitte setzt aber die Masken dazu auf.« Smartphones müssen abgeschaltet werden. Niemand will vor Fernsehdeutschland derjenige sein, dessen Handy mitten im Gebet klingelt. Die Bandmitglieder werden vorgestellt. Dann wird es ganz ruhig in der Christuskirche. Es ist 9.27 Uhr, die Live-Sendung wird auf die Sekunde genau starten.

9.30 Uhr: Über die Lautsprecher ertönt der Eingangsmelodie des ZDF-Fernsehgottesdienstes. Ein Live-Bild gibt es in der Kirche nicht, lediglich der Ton gibt Hinweis darauf, ab wann die Kameras die Christuskirche zeigen. Ein rotes Licht an einer der Kameras leuchtet auf und die Band setzt ein.

Den gesamten Samstag über ist geprobt worden, um den sekundengenauen Ablauf einzustudieren. Das Sendefenster ist genau bemessen. Nur wenige Sekunden sind als Spielraum für das Ende des Gottesdienstes gegeben, alles muss exakt sitzen. Bis auf die vier großen Kameras, die durch den Zuschauerraum geschoben werden, ist das Gottesdiensterlebnis für die Besucher ansonsten recht normal.

»…Vater sein dagegen sehr«, lautet das Thema. In einem Einspielervideo berichten Vilbeler Väter von der Beziehung zu ihren Kindern. In der Kirche ist auch das nur zu hören, nur die TV-Zuschauer sehen die aufgezeichneten Bilder. »Die Vaterrolle ist in Veränderung. Bei meinen Eltern war das noch klar aufgeteilt, wobei es auch sehr frühe Fotos gibt, auf denen mein Vater den Kinderwagen schiebt«, erzählt Klaus Neumeier. Per E-Mail reichen Zuschauer aus ganz Deutschland Fragen ein, die das Thema Vaterschaft betreffen. Neumeier antwortet live.

Die Geschichte vom verlorenen Sohn wird von der Band musikalisch untermalt, dann folgt auch schon der Abschlusssong. Hier wird es noch einmal spannend, denn einige Sekunden sind noch übrig. Doch die Band reagiert hochprofessionell, improvisiert einen Übergang, stimmt den Refrain spontan ein weiteres Mal an und bringt den Gottesdienst damit doch sekundengenau zu Ende. Wieder wird es ganz still, die roten Lichter gehen aus. Es ertönt lauter Applaus.

800 000 Zuschauer haben am Sonntagvormittag deutschlandweit eingeschaltet, als der ZDF-Gottesdienst aus der Christuskirche über die TV-Bildschirme flimmerte. Wer den Fernsehgottesdienst am Sonntag verpasst hat, kann sich die ganze Sendung in der ZDF-Mediathek unter www.zdf.de/gesellschaft/gottes dienste ansehen. nma

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