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Bringen die »Comedian Harmonists« nach Bad Vilbel: Horst Maria Merz (links), musikalischer Leiter und als Erwin Bootz auch im Stück am Klavier, und Regisseur Ulrich Cyran.

»Comedian Harmonists«

Auf den Spuren der ersten Boygroup

  • vonRedaktion
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Die »Comedian Harmonists« kennt jeder für ihre unvergesslichen Evergreens. Die Bad Vilbeler Burgfestspiele erwecken die erste »Boygroup« nun zu neuem Leben.

Denkt man an die »Comedian Harmonists«, so hat jeder noch so musikalisch Unerfahrene doch sogleich einen Ohrwurm im Kopf: den »Kleinen grünen Kaktus« etwa, ein »Freeeeeund, ein guter Freund«. Denken Ulrich Cyran und Horst Maria Merz an die »Comedian Harmonists«, so hat sie - zumindest bislang - nicht viel geeint: Während sich Regisseur Cyran vor dem Auftrag aus Bad Vilbel nie so recht mit der bekannten A-cappella-Band auseinandergesetzt hatte, begleitete sie die 20 Jahre des musikalischen Schaffens von Merz quasi durchgehend. Er war dabei, als das Theaterstück 1997 auf dem Berliner Ku’damm uraufgeführt wurde, Mit-Autor Frank Wittenbrink war sein »Mentor«, über Jahre tourte Merz als Teil der Konzertgruppe.

Heute haben Cyran und Merz einen völlig neuen - und gemeinsamen - Blick auf die Geschichte der ersten »Boyband« der Moderne, die schließlich von den Nationalsozialisten beendet wurde. Als Regisseur und musikalischer Leiter bringen sie das Stück für die Bad Vilbeler Burgfestspiele auf die Bühne - mit einem »wundervollen Ensemble«, wie sie unisono loben.

Fünf Männer wirken neben Merz auf der Bühne, und ihr Zugang zur Musik könnte nicht unterschiedlicher sein: vom hochklassig Ausgebildeten bis hin zum musikalischen Naturtalent, das die Töne trifft, ohne Noten lesen zu können. »Bei der Zusammenstellung der Truppe hatte ich einen guten Riecher«, sagt Regisseur Cyran nicht ohne Stolz.

Geschichte der Männer-Truppe

Und diesen »guten Riecher« - und noch besseren Gehörsinn - hat er auch benötigt. Denn: »Die Arrangements sind überaus raffiniert geschrieben«, erklärt Merz. »Sie folgen einer völlig neuartigen Idee in der damaligen Zeit: Die Melodie des Liedes wurde auf die fünf Sänger aufgeteilt, und sobald ein Sänger die Solo-Stimme übernimmt, müssen sich die anderen vier zurücknehmen.« Das mache den typischen »Comedian-Harmonists-Sound« aus, den es danach nie wieder in dieser Form gegeben habe. Für den einzelnen Künstler jedoch sei diese »musikalische Solidarität« äußerst schwierig, gibt Merz zu: »Wir Künstler wollen uns zeigen, das liegt in der Natur der Sache«, sagt er mit einem Lächeln. Er spricht aus eigener Erfahrung: Im Stück sitzt er als Erwin Bootz am Klavier.

Dabei sind die »Comedian Harmonists«, die am 4. Juni ihre Premiere in Bad Vilbel feiern, keinesfalls ein Musical. Die Musik nimmt im Stück zwar eine zentrale Rolle ein. »Ob sie im Vordergrund steht, weiß ich aber nicht sicher zu sagen«, sagt Regisseur Cyran. Letztlich geht es nicht nur um die bekannten Ohrwürmer, sondern auch die Geschichte dahinter: um humoristische Töne aus einer Zeit frei von jeglicher Prüderie, um den jungen Idealisten Harry Frommermann, der eine Band gründet, um die Welt zu erobern - und um einen Erfolg, der auf dem Höhepunkt einer Weltkarriere vom Regime ausgelöscht wird. »Die Gruppe hat sich getrennt, doch die Musik ist geblieben«, bringt es Regisseur Merz auf den Punkt. »Es ist eine Geschichte, die die Menschen zu Tränen rühren wird, dafür lege ich meine Hand ins Feuer«, sagt Merz.

Die Musik schafft dabei eine Emotionalität, die das reine Schauspiel oft nur schwer vermitteln kann. »Sie geht mehr in den Körper«, erläutert Cyran. Das Bühnenbild spiegele dieses Atmen, dieses In-den-Körper-gehen wider: Statt fester Räume sind Auf- und Abtritte fließend möglich, das Schwarz-Weiß greift die Tastatur des Klaviers auf. »Es hängt alles zusammen«, sagt Cyran. Eine weitere Besonderheit der Inszenierung: die Unterstützung durch die Choreografin Isabella Clara Arndt. »Dieses Zusammenspiel ist einzigartig«, so Cyran.

Ebenso wie die Spielstätte: Für Merz, der das erste Mal in Bad Vilbel ist, ist die Wasserburg eine echte »Traum-Spielstätte« - auch wenn sie deutlich kleiner sei als die großen Berliner Schauspielhäuser. Keine Frage: Wenn er und Cyran in Zukunft an die »Comedian Harmonists« denken, werden sie mit der Bad Vilbeler Wasserburg eine gemeinsame, unvergessliche Erinnerung haben.

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