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Die Strukturen in der katholischen Kirche wandeln sich. Ab kommendem Jahr wird auch die Gemeinde Verklärung Christi einem großen Pastoralraum angehören, der neben Bad Vilbel Gemeinden aus dem Norden Frankfurts und dem Hochtaunuskreis umfasst

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Auf dem Weg zur Fusion

  • VonMatthias Pieren
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Für kirchenferne Menschen mag es wie eine Wortspielerei klingen oder aber als nichts anderes abgetan werden, als eine kosmetische Korrektur der Namensgebung. Für die katholischen Christen der einst eigenständigen Bad Vilbeler Pfarrei St. Nikolaus und der Pfarrkuratie Verklärung Christi (Heilsberg) zeichnet sich ein gewaltiger Umbruch an.

Die katholischen Kirchengemeinden in Bad Vilbel, die Pfarrei St. Nikolaus und Verklärung Christi bilden schon seit geraumer Zeit eine gemeinsame Pfarrgruppe. Ab kommendem Jahr wird diese zusammen mit den Gemeinden der Frankfurter Pfarrgruppe Harheim/Nieder-Eschbach/Nieder-Erlenbach sowie der Pfarrgruppe Ober-Erlenbach/Ober-Eschbach/Burgholzhausen (Hochtaunuskreis) einen neuen Pastoralraum bilden.

Der Zusammenschluss von Pfarrgemeinden zu Pfarrgruppen, die dann wiederum mit anderen ihresgleichen zu neuen, noch größeren Einheiten namens Pastoralräumen fusioniert werden, ist Ergebnis eines bereits im Jahr 2019 angestoßenen Prozesses im gesamten Bistum Mainz.

Weichenstellung für die Zukunft

Während in der Wirtschaft, anderen Organisationen oder Institutionen bei ähnlichen Prozessen von Restrukturierung, Fusionen oder erhofften Synergieeffekten die Rede ist, spricht man innerhalb des Bistums vom ›Pastoralen Weg‹. Gemeint ist aber ein und dasselbe: Strukturen werden gestrafft, Personal wird rarer.

»Es gibt die jetzigen Gemeinden und Pfarrgruppen, die spätestens ab Sommer 2022 gemeinsam in einem Pastoralraum agieren werden«, erläutert Dekanatsreferent Andreas Münster vom Dekanat Wetterau West mit Sitz in Bad Nauheim. Auf dem Weg dorthin hat nun der Pfarrgemeinderat der Taunus-Pfarrgruppe eine wichtige Hürde genommen.

Zwar zentral vom Bistum Mainz bereits im Jahr 2019 initiiert, müssen alle Pfarrgruppen, die einzelnen Gemeinden und deren Gremien den Prozess in vorgegebenen Schritten für ihre Struktur formulieren und absegnen. In diesen Wochen verabschieden alle Pfarrgemeinderäte der beteiligten Gemeinden das entsprechende Konzeptpapier. Für die Beteiligten und für die Mitglieder der einzelnen Gemeinden ist das ein emotional wichtiger Schritt, aber keine umfassende und grundlegende Entscheidung für den neuen Pastoralraum«, erklärt Münster.

Die Pfarreien haben dann einen bedeutenden Schritt auf dem Weg zur Großfusion begangen. »Die eigentliche Hürde ist die Entscheidung über das Pastoralkonzept in unserer Dekanatsversammlung im November. Danach wird es fristgerecht im Bistum abgegeben.«Dass man in Kirchenkreisen aber von der Zustimmung ausgeht, zeigt auch eine entscheidende personelle Weichenstellung. Anfang September wurde in der Ober-Erlenbacher Pfarrkirche St. Martin Sebastian Goldner als neuer geschäftsführender Pfarradministrator der derzeitigen Pfarrgruppe mit den Katholiken in Ober-Eschbach und Burgholzhausen eingeführt.

»Unser Pater George Arul Jeganathan wird weiter als Seelsorger für uns da sein und Gottesdienste halten«, teilt das dortige Pfarrgemeinderatsmitglied Annette Goy mit. »Pfarrer Goldner gehört bereits zum Pastoralteam der Pfarrgruppe Frankfurt-Harheim, Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach und betreut auch weiterhin die Gemeinden.« Mit diesem personellen Wechsel habe man im Zuge des Pastoralen Weges einen Vorgriff auf die Zusammenführung der Pfarrgruppen zum neuen Pastoralraum vollzogen.

Mit den strukturellen Veränderungen im Zuge des 2019 angestoßenen des Pastoralen Weges reagiert das Bistum Mainz auch auf die prognostizierten Entwicklungen der kommenden Jahre. »Neben dem seit Längerem verzeichneten Rückgang der Mitgliederzahlen geht das Katholische Bistum Mainz von einem Rückgang bei der Zahl der Seelsorgerinnen und Seelsorger und einem Rückgang des Kirchensteueraufkommens aus«, begründet auf Anfrage Pressesprecher Tobias Blum die anstehenden Fusionen innerhalb des Bistums Mainz.

Bei der Vorstellung der grundlegenden Konturen des Pastoralen Weges sei man 2018 von folgenden Zahlen für das gesamte Bistum ausgegangen. Die Zahl der aktiven Priester werde sich innerhalb des Bistums von 198 auf lediglich 104 im Jahr 2030 fast halbieren, die Zahl der Pastoralreferentinnen und -referenten von 140 (2018) auf 101 (2030).

Von den aktuell 238 beschäftigten Gemeindereferenten werden 2030 wohl nur noch 153 tätig sein. Die Zahl der hauptamtlichen Diakone werde im gleichen Zeitraum bistumsweit von 28 auf lediglich zehn schrumpfen. Die Zahl der Mitglieder der katholischen Kirche im Bistum Mainz werde von 730 000 auf rund 650 000 zurückgehen. Parallel geht man bei den Kirchensteuereinnahmen von einem Minus von derzeit rund 220 Millionen Euro pro Jahr auf voraussichtlich weniger als 200 Millionen Euro per anno aus.

Ende 2020 verzeichnet das Bistum für die einzelnen Gemeinden in den betreffenden Pfarrgruppen folgende Mitgliederzahlen: Burgholzhausen (915), Ober-Erlenbach/Ober-Eschbach (2570), Frankfurt-Harheim (2738), Nieder-Eschbach/Nieder-Erlenbach (1868), Bad Nauheim (5171), Bad Vilbel (4705), Bad Vilbel-Heilsberg (1907). mpu

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