Das historische Kriegerdenkmal im Bad Vilbeler Kurpark wird derzeit von einer Erfurter Spezialfirma restauriert. Die Gedenkstätte steht auf der Denkmalliste des Landes Hessen. 	FOTOS: PE
+
Das historische Kriegerdenkmal im Bad Vilbeler Kurpark wird derzeit von einer Erfurter Spezialfirma restauriert. Die Gedenkstätte steht auf der Denkmalliste des Landes Hessen. FOTOS: PE

Wegen Hessentag in Bad Vilbel

Auch ohne Hessentag: Denkmäler im Bad Vilbeler Kurpark bald in neuem Glanz

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
    schließen

Der Hessentag kann wegen der Pandemie dieses Jahr nicht mehr gefeiert werden. Doch das Volksfest führt zur Restaurierung von Denkmälern. Zwei Beispiele dafür sind im Vilbeler Kurpark zu sehen.

Wer zurzeit durch den westlichen Teil des Kurparks spaziert, sieht außer den Großbaustellen für Kurhaussanierung, Stadthalle und Hotel noch zwei eingezäunte Bauwerke. Diese beiden kleineren Baustellen betreffen die Sanierung von zwei Bauwerken, die in der Denkmalliste des Landes Hessen stehen. Eingezäunt sind der sogenannte Brunnentempel, in Reichweite von Kurhaus und Stadthalle, und circa 200 Meter weiter das Kriegerdenkmal. Dort finden aktuell Bauarbeiten statt. Eine Spezialfirma aus Erfurt saniert das Denkmal.

Nach Angaben von Stadtsprecher Yannick Schwander ist im Jahr 2015 ein Parkpflegewerk erstellt worden. In diesem Sinne würden die im historischen Kurpark gelegenen Bereiche »Ehrenmal« und »Niddarondell« gerade aufgearbeitet, neu gestaltet und attraktiviert. Die Maßnahmen seien Teil der Umsetzung des Tourismus- und Naherholungskonzeptes der Stadt Bad Vilbel. Sie gehören zu den Hessentagsprojekten und würden durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und durch Gelder des Landes Hessen gefördert.

Denkmäler Bad Vilbel: Durch Spenden finanziert

In einem ersten Schritt seien zunächst alle steinernen Gewerke des Denkmals überarbeitet worden. Der komplette Bewuchs sei einschließlich der in das Mauerwerk bzw. die Fugen eingedrungenen Wurzeln entfernt worden, die Steine seien danach gereinigt worden, Fehlstellen seien fachgerecht ersetzt und ergänzt worden. Die Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde des Wetteraukreises. In einem nächsten Schritt steht die Gestaltung der unmittelbar zum Areal des Denkmals gehörenden Flächen an.

Der Hassia-Tempel nahe dem Kurhaus und der Baustelle für die Stadthalle und das neue Hotel ist eingezäunt und soll demnächst saniert werden.

Das Kriegerdenkmal ist nach einem Entwurf des Frankfurter Bildhauers Paul Seiler entstanden. Es wurde am 21. und 22. Juli mit einem großen Fest eingeweiht. Finanziert wurde es damals weitgehend über private Spenden. Das Denkmal, das an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnern sollte, bildete den optischen Abschluss der damals neu entstandenen Kurparkanlage, mit einer direkten Sichtachse zum Kurhaus, das damals nur wenige Jahr zuvor errichtet worden war.

Denkmäler: Vilbeler Bruchstein wird verwendet

Wie die Geschichtsbücher weiter verzeichnen, kombinierte der Entwurf von Seiler Elemente klassischer antiker Bauformen mit regionalen Materialien. Für sämtliche Mauerflächen und den Plattenboden rund um die Stele wurden Vilbeler Bruchstein und Taunusschiefer verwendet, also örtliche Materialien.

In der Baubeschreibung heißt es: »Im Zentrum der Anlage befindet sich die zwölf Meter hohe Stele mit rechteckigem Grundriss. Mit dem aufgesetzten ›Eisernen Kreuz‹ auf einer Kugel ist sowohl das militärische Ehrenzeichen als auch christliche Symbolik aufgerufen.«

Denkmäler Bad Vilbel: Neue Bodenplatten für Brunnentempel

Weiter wird dort beschrieben, dass die zwei Relieftafeln auf den Längsseiten der Stele jeweils drei marschierende Soldaten in Uniform und Waffen zeigen. Ihre Ausrichtung nach Westen vermittele eine doppelte Bedeutung: Einerseits seien fast alle Vilbeler Gefallenen an der Westfront ums Leben gekommen. Andererseits drückten die sechs Soldaten eine unverhohlene Drohung gegen den damaligen Erzfeind Frankreich aus. An der halbkreisförmig gemauerten Umrahmung waren ursprünglich fünf Tafeln angebracht. Vier davon enthielten die Namen der Gefallenen, eine die Namen von Todesopfern aus der NS-Bewegung zur Zeit der Weimarer Republik.

Zwei kleinere Bruchstein-Säulen links und rechts vor der Denkmalsäule trugen eiserne Feuerschalen, diese sollten der Anlage einen sakralen Charakter geben. In Richtung Kurhaus entstand eine Art Festplatz.

Denkmäler Bad Vilbel: NS-Symbolik durch amerikanische Besatzung entfernt

Auf Anordnung der amerikanischen Besatzung wurde alle formale NS-Symbolik - die Hakenkreuze, die Schalen und die mittlere der fünf Platten - entfernt.

Außer dem Kriegerdenkmal wird auch der Brunnentempel saniert. Ein Teil der Bodenplatten ist mittlerweile entfernt worden. Denn sie sollen durch neue ersetzt werden. Der Bodenbelag sei an vielen Stellen gebrochen, und auch der Unterbau sei marode, berichtet Schwander. Jüngst habe eine Bemusterung des neuen Bodenbelags stattgefunden. Künftig wird »Solnhofener Plattenkalk« den Bereich um den Brunnentempel schmücken.

Kommentar: Perfekt

Die Baustellen im Kurpark sind sichtbarer Ausdruck des Hessentages. Zwar wird der in diesem Jahr nicht mehr stattfinden. Wenn man der enttäuschenden Absage aber noch etwas Gutes abgewinnen kann, dann dies: Die laufenden und beauftragten Arbeiten werden dem Stadtbild und dem Kurpark dauerhaft zugute kommen. Sollte der Hessentag, wie vom Land geäußert, 2025 stattfinden, wären die Denkmäler und das Kurhaus saniert, die Stadthalle und das moderne Hotel gebaut. Die Stadt könnte sich ihren Gästen ganz anders präsentieren, als dies in diesem Juni möglich gewesen wäre.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare