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Architekturkritiker nennt Mediathek »Koloss«

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Bad Vilbel (süd). »Hier soll ein Koloss in eine kleinteilig gefügte Stadt gewuchtet und über den Fluss gelegt werden.« Mit markigen Worten beschrieb der Architekturkritiker, Dr. Dieter Bartetzko, wie er die Planungen für die Neue Mitte und die geplante Büchereibrücke wahrnimmt.

Und erntete Widerspruch von Dr. Hansgeorg Jehner, Vorstand der Humanistischen Stiftung, die die Neue Mitte bebauen möchte: »Sie fahren einmal durch Bad Vilbel und wissen, was richtig und was falsch ist. Wir machen uns aber auch intensive Gedanken.« Beide diskutierten am Dienstagabend in den Räumen der Frankfurter Volksbank am Marktplatz im Rahmen des Forums »Alte Mitte - Neue Mitte« der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, zu dem rund 200 Besucher gekommen waren. Weitere Teilnehmer auf dem Podium waren Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr, Dr. Hans-Joachim Lotz als Vertrauensperson für den Bürgerentscheid sowie Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Architektenkammer Hessen. Moderiert wurde die Runde von FAZ-Korrespondent Jens Joachim. Zur Einführung stellte Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann das Werden der Mitte Bad Vilbels, eigentlich eine Reihensiedlung entlang der Nidda, vor und ging dabei insbesondere auf die Umstrukturierungen im ehemaligen Quellenbetriebsviertel rund um Altes Rathaus und Alte Mühle bis hin zur Schmiedsgasse ein. Danach führte Ettinger-Brinckmann aus, warum sie sich einen Architektenwettbewerb als ein geeignetes Instrument für die Bebauung der Neuen Mitte gewünscht hätte.

Mit einem solchen Verfahren hätten verschiedene Entwürfe verglichen und »die optimalste Lösung« gefunden werden können. Ein städtebaulicher Wettbewerb sei noch möglich, dieser könne ein Beitrag zur Baukultur sein.

Dem widersprach der Bürgermeister. Stöhr meinte, das Verfahren müsse zielführend sein, Vorschläge auch umgesetzt werden können. Er verwies auf Investorengespräche der Stadt. Zehn Investoren seien 2005 mit städtebaulichen Vorgaben angeschrieben worden, sechs hätten Arbeiten abgegeben, der Vorschlag der Humanistischen Stiftung habe überzeugt. Ettinger kommentierte, ein Investorengespräch sei eine »Neuerfindung«. Später warf sie noch ein, über einen Bebauungsplan sichere man keine Qualität, »das lehrt die Erfahrung«.

»Kulturdenkmal Kurhaus«

Lotz sagte, die »Initiative Innenstadt«, die das Bürgerbegehren initiiert hat, hätte sich »von vornherein einen Wettbewerb«, mehr Transparenz und Öffentlichkeit gewünscht. Er warf dem Bürgermeister vor, Standortalternativen nicht geprüft zu haben, was dieser sofort zurückwies. Zudem forderte Lotz freien Blick auf den Kurpark und wurde darin von der Architektin unterstützt. Für die Gestaltung der Neuen Mitte sei der offene Blick eine Alternative, wichtig sei die »Qualität der Randbebauung«.

Er habe eigentlich »nur etwas Gutes« für die Stadt tun wollen, in der er lebe, sagte Jehner. Nun befinde er sich mitten in einer heftigen Auseinandersetzung um seine Pläne. Er habe den renommierten Architekten Professor Fred Angerer gebeten, sich Gedanken über eine Gestaltung des Zentralparkplatzes zu machen. Angerer habe nach Gesprächen die Idee der Mediatheksbrücke gehabt - sowie auch die Entkernung des Kurhauses und seinen Umbau in eine Stadthalle vorgeschlagen. Über die Brücke wolle er die Menschen in die Mitte der Stadt leiten, erklärte Jehner. Zur Finanzierung sagte er, es gebe kein Risiko für die Stadt, der Zuschuss seiner Stiftung für die Mediathek in Höhe von zwei Millionen Euro werde jährlich mit 100 000 Euro abgetragen, diese Zahlung sei im Grundbuch abgesichert. Auf Nachfrage erklärte er mehrfach, es gebe keine Steuervorteile für seine Stiftung. Die Erträge seien »allein für den allgemeinen Nutzen bestimmt«.

Mit Blick auf den Architekturkritiker der FAZ sagte Jehner, er habe sich auch die Frage gestellt, ob die Baukörper zu massig seien. Aber ohne große Flächen ließen sich keine Magnetbetriebe gewinnen, die Kunden in die Innenstadt ziehen sollen. Deshalb sei es Aufgabe, die Fassaden entsprechend zu gestalten.

Bartetzko warnte, dem Trend zu folgen, in Mittelstädten große Zentren in die Innenstadt zu bauen. Es sei ein Irrglauben, man würde diese damit beleben. Schade sei zudem, dass diese Mediathek einen freien Blick auf das Kurhaus verstelle, dieses Gebäude sei »ein einzigartiges Kulturdenkmal«, lobte der Kritiker.

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