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Bad Vilbeler Stadtwald

Arbeitskreis zum Bad Vilbeler Stadtwald erhitzt die Gemüter

  • vonPatrick Eickhoff
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Der Arbeitskreis »Bad Vilbeler Stadtwald« will mit einer Petition das Ende des »massiven Holzeinschlags« erreichen. Jetzt haben Hessen Forst und Stadtrat Klaus Minkel dazu Stellung bezogen.

Die Petition mit dem Titel »Ende des massiven Holzeinschlages im Bad Vilbeler Stadtwald« hat 879 Unterschriften, davon 548 aus Bad Vilbel - Stand Freitag. Arbeitskreismitbegründer Gunther Salomon sagt: »Wir sammeln weiter Unterschriften und sind überzeugt, das notwendige Quorum zu erreichen.« Dafür fehlen noch rund 80 Unterschriften von Bad Vilbelern. Salomon berichtet vom Zuspruch der Bürger: »Der Arbeitskreis hat neue Mitglieder aufgenommen und wir möchten ihn auf jeden Fall weiterführen.«

Die Punkte des Arbeitskreises werden jedoch nicht überall positiv aufgenommen. In einer umfassenden Stellungnahme hat Hessen Forst, gegen dessen aktuelle Bewirtschaftungspraxis des Vilbeler Waldes sich die Petition richtet, Stellung bezogen. Darin heißt es, dass nicht die Forstwirtschaft die Verringerung des Wasserangebotes für die Vegetation verursache, sondern der Lebenswandel der weiter im Anstieg befindlichen Weltbevölkerung.

Arbeitskreis »Bad Vilbeler Stadtwald« erhitzt Gemüter: Forsteinrichtungswerk gemeinsam beschlossen

Hessen Forst versuche lediglich im Rahmen seiner Möglichkeiten auf die schon sehr lang ablaufenden Veränderungen durch den Klimawandel zu reagieren. »Auch deshalb war bereits in der letzten Forsteinrichtung 2011 mit Zustimmung der damaligen als Beirat des Magistrates fungierenden Kommission für Umwelt, Land- und Forstwirtschaft vereinbart worden, das Augenmerk des Holzeinschlages auf alte und dominante Buchen zu richten, welche zunehmend den Charakter des Eichen-Buchen-Mischwaldes gefährden.« Stadtrat Klaus Minkel ergänzt: »Das geltende Forsteinrichtungswerk wurde damals einstimmig von allen Parteien beschlossen, einschließlich des Stadtverordneten Paul, der ja im Arbeitskreis tätig ist. Wegen der bekannten Überalterung des Buchenbestandes, der den ökologisch wichtigeren Eichenbestand unterdrückt, sah das Werk ausdrücklich den Einschlag bei den alten Buchen vor, um den Eichen die Naturverjüngung zu ermöglichen.«

Gunther Salomon stimmt zu - allerdings nur bedingt. »Natürlich ist nicht die Forstwirtschaft, sondern der Klimawandel dafür verantwortlich, dass in unseren Breiten weniger Regen fällt. Veränderte Bewirtschaftungsformen können dem Wald aber helfen, dass vorhandene Wasser optimal zu nutzen.« Das Forsteinrichtungswerk (FE) sei rund zehn Jahre alt. »Damals waren die Auswirkungen des Klimawandels zwar vorauszusehen, aber in Bezug auf unsere Wälder bei Weitem nicht so sichtbar wie heute. Das FE soll ohnehin überarbeitet werden. In dieser Überarbeitung sollte sich nach unserer Überzeugung ein Denken in Ökosystemzusammenhängen widerspiegeln - es hilft hier beispielsweise nicht weiter, die Eiche gegen die Buche auszuspielen.« Des Weiteren trage die Buche aufgrund ihrer Kronenform und des glatten Stammes bis zu 19-mal mehr zur Grundwasserneubildung bei, als die Eiche. »Wichtig ist hier, die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens unbedingt zu erhalten. Der Einsatz schwerer Maschinen zerstört auf Jahrzehnte das Gefüge des Bodens und damit die darin lebenden Kleinstorganismen und Pilze, die so wichtig für das Waldsystem sind.«

Arbeitskreis »Bad Vilbeler Stadtwald« erhitzt Gemüter: Bodenverdichtung so gering wie möglich

Diesen Vorwurf widerlegt Hessen Forst. Im Staatsforst solle der Befahrungsanteil von Rückemaschinen maximal zehn Prozent betragen. »In Bad Vilbel betrage der Anteil sieben bis neun Prozent, sodass die fachlichen Vorgaben eingehalten würden. Durch Umfang der Reifen, Reifendruck und Tonnage halte man die Bodenverdichtung so gering wie möglich. »Der pauschale Vorwurf über die Verdichtung durch den Einsatz von Rücketechnik ist nicht zutreffend.«

Nächster Streitpunkt der Beteiligten ist das Totholz. Hessen Forst teilt mit: »Die Entnahme der absterbenden Altbäume dient zum einen der Verkehrssicherung, zum anderen aber auch der Sicherheit bei der künftigen Waldarbeit. Würden wir die absterbenden Bäume stehen lassen, drohen in den nächsten Jahren immer wieder Zusammenbrüche von Altbuchen. Man weiß aus Buchen-Urwäldern, dass der Anteil des Totholzes zu 95 Prozent aus liegenden toten Buchen besteht.« Nun könne man den Stadtwald Bad Vilbel nicht wie einen Urwald behandeln. »Sonst gefährden wir die Waldbesucher.«

Arbeitskreis »Bad Vilbeler Stadtwald«: Totholz speichert CO2

Gunther Salomon entgegnet: »Wegesicherung halten wir im Stadtwald für absolut notwendig. Der Wald ist allerdings auch von vielen Trampelpfaden durchzogen. Da zur Wegesicherung ja nicht nur die kranken Bäume direkt an diesen Pfaden, sondern - wie üblich - in einem großen Abstand vom Weg gefällt oder stark zurückgeschnitten werden müssen, wäre zu überlegen, ob alle diese Trampelpfade erhalten werden sollten.« Auch die immer wiederholte Behauptung, Totholz würde kein CO2 speichern, sei falsch.

Hessen Forst schreibt, der Stadtwald sei in den Buchenbeständen überaltert. »Der tatsächliche Holzeinschlag ist nicht, wie vom Arbeitskreis dargestellt, als massiv zu erkennen. Er liegt mit 90 Prozent vom Zuwachs immer noch im Rahmen des Gebotes der Nachhaltigkeit.«

Aus Sicht von Stadtrat Klaus Minkel brächten die Kritiker zwar viel Emotion ein, aber ohne sich zuvor mit den Fakten auseinanderzusetzen. Das sei sehr schade, weil so der durchaus vorhandene gute Wille in die falsche Richtung gelenkt werde. Er bevorzuge Partnerschaft statt Gegnerschaft zur Hessen Forst. Gunther Salomon lässt den Vorwurf des Wahlkampfes nicht auf sich sitzen: »Uns geht es von Anfang an ausschließlich um den Wald. Wir handeln als Bürger Bad Vilbels. Allerdings verfolgen wir keine parteipolitischen Ziele, auch wenn mit Gunther Salomon und Peter Paul zwei Initiatoren der Petition für die Stadtverordnetenversammlung kandidieren.«

Arbeitskreis »Bad Vilbeler Stadtwald« zum Gespräch geladen

Ein Vorschlag kommt vom Vorsitzenden des Planungs-, Bau- und Umweltauschusses, Jens Völker. »Ich habe angeboten, mich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen. Anstatt übereinander zu reden, könnten alle Parteien an einem Tisch sitzen und sich austauschen.« Salomon begrüßt die Idee und sagt: »Wir schlagen vor, die ersten Sitzungen dieses Runden Tisches nach der Kommunalwahl anzusetzen - damit möchten wir ein Zeichen setzen, dass es hier nicht um Wahlkampf geht. Wichtig ist uns, dass die Stadt eine unabhängige wissenschaftliche Begleitung des Arbeitskreises akzeptiert.« Eine Idee wäre es weiterhin, sich zu Anfang auf Gemeinsamkeiten zu verständigen - auch davon gebe es viele. »Der Runde Tisch könnte dann einen Fahrplan zur Gründung einer Kommission erarbeiten.«

Stadtrat Minkel sagt: »Der Bürgermeister und ich streben zur bewährten Umweltkommission im Sinne einer breiten fachlichen Diskussion zurück. In dem Falle würden sich Einzelgespräche erübrigen.«

Zum Abschluss macht Hessen Forst dem Arbeitskreis Hoffnung. Da 2021 die neue Forsteinrichtung ansteht, schlage man vor, dass der Arbeitskreis schon zum Einleitungsgespräch zwischen Stadt, Forsteinrichter und Hessen-Forst beratend eingeladen wird. Vielleicht sind die Fronten doch nicht so verhärtet.

Alle Informationen zu Arbeitskreis und Petition gibt es unter www.badvilbel-wald.de. Die Stellungnahme von Hessen Forst gibt’s auf der Facebook-Seite der CDU Bad Vilbel facebook.com/ cdubadvilbel/ zu sehen. wpa

Gunther Salomon Arbeitskreis Stadtwald
Klaus Minkel Stadtrat

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