Vor rund zwei Wochen hat die Stadt die neuen Markierungen in der Bahnhofstraße angebracht. Bei einigen Anwohnern sorgt das für Unverständnis.
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Vor rund zwei Wochen hat die Stadt die neuen Markierungen in der Bahnhofstraße angebracht. Bei einigen Anwohnern sorgt das für Unverständnis.

Halteverbot

Streit um Parkfläche: Anwohner in Bad Vilbeler Bahnhofstraße fühlen sich übergangen

  • vonPatrick Eickhoff
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In der Dortelweiler Bahnhofstraße kommen Feuerwehr und Müllabfuhr nicht mehr an den parkenden Autos vorbei. Deshalb hat die Stadt Zick-Zack-Linien angebracht. Dagegen formiert sich Widerstand der Anwohner.

Silke Wirth und Jeannette Muth stehen in der Bahnhofstraße im alten Ortskern Dortelweils. Links und rechts parken Autos vor den Häusern und Hoftoren. »Da hat es noch nie Probleme gegeben«, sagt Muth, die seit 1996 Anwohnerin ist. Beide zeigen frustriert in Richtung Boden. »Plötzlich haben wir hier an der Kreuzung zur Untergasse diese Markierungen ohne Vorwarnung.« Gezackte Linien machen deutlich: Parken und Halten ist dort nicht mehr erlaubt. »Ich dachte erst, es zieht jemand um, als es hieß, man solle die Stelle freihalten«, erzählt Wirth. »Und auf einmal waren die Streifen da. Wir verstehen nicht, was das soll.«

Die Anwohner der Bahnhofstraße schließen sich zusammen. »Mittlerweile haben wir 49 Unterschriften gesammelt und auch eine Anfrage an die Stadt gesendet«, sagt Silke Wirth. »Wo sollen wir den parken? Die Markierung geht weit in die Straße hinein. Das ergibt keinen Sinn, zumal es nie Beschwerden gab.«

Bahnhofstraße Bad Vilbel: Zahl parkender Autos nimmt zu

Die Stadt hat für die neue Zick-Zack-Markierung, die seit rund zwei Wochen aufgemalt ist, eine einfache Erklärung. »Die Zahl der auf der Straße parkenden Fahrzeuge hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dies ist mit der Situation von vor 40 Jahren keinesfalls vergleichbar. Der Verkehrsfluss kam in den letzten Monaten immer wieder ins Stocken, teilweise zum Erliegen, da begegnende Fahrzeuge nicht aneinander vorbei kamen«, sagt Pressesprecher Yannick Schwander. Dies sei gerade an den Kreuzungen mit Ober- und Untergasse problematisch gewesen, »da überwiegend bis in den Kurvenradius hinein geparkt wurde.«

Wirth und Muth können dem nur bedingt zustimmen. Wie von den beiden bestellt, begegnen sich zwei Autos im oberen Teil der Bahnhofstraße. »Die kommen dort auch nur schwer aneinander vorbei«, sagt Wirth. Kurze Zeit später stößt mit Monika Roth eine dritte Anwohnerin dazu. Sie betont: »So richtig verstehen kann ich die Anordnung nicht. Es sorgt eher für noch mehr Chaos.«

Denn die Bahnhofstraße ist offizieller Zufahrtsweg in Richtung Sportplatz. Dort herrscht die ganze Woche über reger Betrieb. »Wir haben unzählige Autos, die durch die Straße brettern. Die 30er-Zone beachtet hier kaum jemand. Dadurch, dass jetzt die Parkplätze wegfallen, ist die Straße breiter. Wir haben Angst, dass jetzt noch schneller gefahren wird«, sagt Silke Wirth. »Am besten wäre es, man würde die Zu- und Abfahrtsregel in Richtung Sportplatz ändern. Das würde vieles vereinfachen.«

Bahnhofstraße Bad Vilbel: Vermehrt Hinweise zu regelwidrigem Parken

Pressesprecher Schwander bringt noch weitere Punkte ein. »Auch ein Durchkommen größerer Fahrzeuge, wie Müll- und Feuerwehrfahrzeuge, muss gewährleistet werden. In der Vergangenheit gab es immer wieder vermehrte Hinweise zur regelwidrigen Parksituation. Ein weiterer Aspekt ist die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer. Es handelt sich immerhin um den offiziell ausgeschilderten Weg zur Sportanlage. Was hier sehr oft zu beobachten war, waren Hupkonzerte, weil die Fahrzeuge nicht mehr vor und zurück kamen. Es müssen generell die Interessen aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden; die Gehwege genießen hierbei einen besonderen Schutz.«

Muth widerspricht. »Ein Hupkonzert hat es hier definitiv noch nie gegeben. Und mit der Feuerwehr oder der Müllabfuhr gab es auch keine Probleme. Es hat alles jahrelang funktioniert.« Das schnelle Fahren sei ein viel schlimmeres Problem. »Die Verkehrssicherheit geht vor. Doch anstatt uns die Parkmöglichkeiten zu nehmen, hätte man über ein Anwohnerparken nachdenken können. Außerdem wurden wir nicht einmal informiert.«

Bahnhofstraße Bad Vilbel: Keine Pflicht auf Vorabinformation

Schwander erläutert: »Die Straßenverkehrsbehörde erlässt Verkehrszeichen auf Grundlage von geltenden Gesetzen und Verordnungen unter Abwägung von Sicherheitsaspekten und der Verkehrslenkung. Die Berücksichtigung von Einzelwünschen spielt hier eine untergeordnete Rolle, auch eine Information vorab ist nicht üblich und auch nicht leistbar; mittlerweile verfügt das Stadtgebiet von Bad Vilbel nämlich über 400 Straßen.« Ein Anwohnerparken sei auch wegen der strengen gesetzlichen Vorgaben keine Alternative. »Es wird daher auch gebeten, dass die Fahrzeuge nach Möglichkeit auf den privaten Stellflächen abzustellen, dort wo sie auch normalerweise hingehören, um so zur Entspannung der Parkplatzsituation auf den Straße beizutragen.«

Die Anwohnerinnen haben dafür nur bedingt Verständnis. »Nicht jeder hat genug Stellplätze. Es handelt sich um einen alten Ortskern, da verändern sich die Häuser und ihre Stellplätze nicht regelmäßig. Ich stelle mein Auto mittlerweile viel weiter oben in der Straße ab, weil kein Platz mehr ist«, sagt Wirth.

Bahnhofstraße Bad Vilbel: Positive Rückmeldungen an die Stadt

Stadtsprecher Schwander sagt, dass es nicht nur negative Meinungen innerhalb der Bahnhofstraße gibt. »Unsere Straßenverkehrsbehörde erhielt vielmehr diverse E-Mails, Anrufe und Schreiben, in denen sich Anwohner dezidiert bedankt haben, dass dieser Bereich entsprechend markiert wurde.« Silke Wirth, Jeannette Muth und Monika Roth sehen das anders. Sie sind enttäuscht. »Wir haben einen guten Austausch in der Nachbarschaft, saßen, bis Corona kam, regelmäßig zusammen und tauschen uns über alles aus«, sagt Wirth. Für die Begründungen der Stadt haben sie kein wirkliches Verständnis. »Wir hoffen, die Stadt überlegt noch einmal, ob es keine Alternativen gibt«, sagt Wirth. »Man kann nicht alles nach dem Sportplatz richten und die Anwohner vergessen. Da fühle ich mich übergangen.«

Bahnhofstraße Bad Vilbel: Blitzer und Verkehrskontrollen - Kommentar von Patrick Eickhoff

Der Frust ist groß in der Bahnhofstraße. Wegfallende Parkplätze, obwohl es – laut eigener Aussage – bisher keine Probleme gab. Die Stadt argumentiert schlüssig: Die Verkehrssicherheit geht vor. Doch es gibt noch eine dritte Gruppe, die nicht außen vorgelassen werden darf: die Autofahrer. Denn alleine während des Termins am Montagnachmittag war in der Bahnhofstraße mehr los als in manchen Orten auf einer Hauptstraße. Das Problem: Rücksicht wird kaum genommen. Sie drängeln sich bei hohen Geschwindigkeiten aneinander vorbei. Dass es sich um eine 30er-Zone handelt, wird nur am Schild deutlich, nicht an den gefahrenen Geschwindigkeiten. Und so sind die Sorgen der Anwohner, dass bei einer breiteren Straße die Raserei noch stärkere Formen annimmt, durchaus berechtigt. Jetzt ist die Stadt gefragt, eventuell mit mobilen Blitzern und Verkehrskontrollen zu agieren. Das würde mit Sicherheit auch die Anwohner der Bahnhofstraße beruhigen.

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