Angler und Kanufahrer streiten um Nidda-Fahrverbot

Bad Vilbel (khn). Um eine siebeneinhalb Kilometer lange Strecke auf der Nidda ist ein Streit entbrannt. Es geht um die Frage, wie Freizeitsport und Naturschutz miteinander in Einklang gebracht werden können.

Seitdem die Untere Naturschutzbehörde den Fluss bei Ilbenstadt, Gronau und südlich der Vilbeler Kernstadt zwischen März und September für Wassersportler gesperrt hat, wollen sich die Wogen nicht glätten. Naturschützer unterstreichen einerseits die Bedeutung der Abschnitte für die Aufzucht von Tieren, die Kanuten kritisieren andererseits die fehlende Kompromissbereitschaft und das mangelnde Fingerspitzengefühl der zuständigen Behörde.

Marco Weller ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) der Nidda-Sportanglervereine. Er blickt in die Vergangenheit, um die Sperre für Wassersportler in der Brut- und Setzzeit zu begründen. "Anfang 1960 wurde die Nidda zwischen Eschersheim und Ober-Florstadt begradigt", sagt er. Was übrig geblieben sei, sei ein 38 Kilometer langer "baumloser, hässlicher Kanal" gewesen, an dem nur noch wenige Tier- und Pflanzenarten "vor sich her vegetieren konnten".

Zu dieser Zeit habe sich die IG Nidda gegründet, um eine "weitere Zerstörung" des Flusses zu verhindern. Ziel sei gewesen, wieder natürliche Lebensräume an der Nidda zu fördern. Daher begrüßten die Angler die Renaturierung "ausdrücklich". So hätten sie darauf verzichtet, in bestimmten Arealen zu angeln. Mit "großem Engagement" seien nun wieder zahlreiche Tiere angesiedelt worden, "die jahrzehntelang verschwunden waren". Weller zählt auf: "Biber, Storch, Meerforelle und Nase."

Deshalb unterstütze die IG die Regel, dass in ökologisch wertvollen Renaturierungs-Zonen das Paddeln zwischen März und September verboten sei. "In den restlichen 30 Kilometern ist das Paddeln ganzjährig erlaubt", betont Weller. So könnten Mensch und Natur gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. "Das bedeutet aber auch, dass die menschliche Nutzung der Natur an einigen Stellen eingeschränkt wird."

Gerade an diesen Beschränkungen stören sich die Mitglieder des Hessischen Kanuverbands. Die Vizevorsitzende Petra Schellhorn klingt noch immer verärgert, wenn sie von den Gesprächen mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Regierungspräsidium (RP) Darmstadt erzählt. "Wir haben zahlreiche Kompromissvorschläge gemacht", sagt sie im Gespräch mit der WZ . Das RP habe diese aber "weggewischt" und sich nicht zu einem Dialog bereit erklärt.

"Wir können unseren Sport nicht mehr ausüben", betont sie. Dabei hätten sich die Kanuten schon lange eine Selbstbeschränkung auferlegt. "Wir fahren nur dann, wenn auch ausreichend Wasser im Fluss vorhanden ist." Die Mitglieder würden außerdem ökologisch geschult. Stattdessen setze die Behörde die Kanufahrer mit "Party-Booten" auf eine Stufe. "Wir sind nicht mit Horden unterwegs, wie das immer dargestellt wird", betont Schellhorn, "sondern in sechs bis acht Einzelkanus in einer Gruppe.

" Darunter befänden sich immer Experten, die wüssten, an welchen Stellen sie an Land gehen könnten, wo es Kiesbänke mit Ruheplätzen für die Tierwelt gebe und welche Schutzgebiete umfahren werden müssten.

Die Untere Naturschutzbehörde habe ihrerseits die Schutzzonen nicht differenziert eingeteilt. "Die Gebiete fangen manchmal mitten im Feld an", sagt die Vizevorsitzende der hessischen Kanuten. Es gebe keine Ausstiegsstellen, Paddler müssten ihre Boote manchmal bis zu zwei Kilometer tragen. In Bad Vilbel seien zwischen der Erlenbachmündung und der Frankfurter Gemarkung 900 Meter. "Danach dürfen wir wieder ins Kanu", sagt Schellhorn und lacht. Es ist ein sarkastisches Lachen. "Der Naturschutz macht also an der Stadtgrenze zu Frankfurt halt." Das zeige: Die Gemarkungsgrenzen seien schlicht "willkürlich" gezogen worden.

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