Auf dem Areal nahe dem Bad Vilbeler Südbahnhof werden keine Sozialwohnungen errichtet. Durch Lärmschutzauflagen zu teuer, teilt Stadtrat Klaus Minkel mit. 	FOTO: HOLGER PEGELOW
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Auf dem Areal nahe dem Bad Vilbeler Südbahnhof werden keine Sozialwohnungen errichtet. Durch Lärmschutzauflagen zu teuer, teilt Stadtrat Klaus Minkel mit. FOTO: HOLGER PEGELOW

Alter Streit um neue Baugebiete

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Bad Vilbel (pe). Die Grünen mahnen den Bau von preiswerten Wohnungen an. Sie fragen jetzt danach, warum der Magistrat zwar den Bau von Sozialwohnungen in Dortelweil ankündigt, aber bei zwei anderen Baugebieten in Massenheim und in der Kernstadt schweige. Stadtrat und Stadtwerke-Chef Klaus Minkel (CDU) hat darauf nun geantwortet.

Das Thema Sozialer Wohnungsbau ist schon seit vielen Jahren in der Stadt umstritten. Als der Magistrat vor über drei Jahren verkündete, sie wollen an drei Stellen in der Stadt preiswerten Wohnraum, auch für anerkannte Flüchtlinge, schaffen, war dies beileibe nicht unumstritten. Die Stadtverordneten beschlossen im September 2017 einstimmig die Aufstellung von Bebauungsplänen für die Gebiete »Lehnfurther Weg« in Dortelweil, »Auf dem Harheimer Weg« in Massenheim und »Berkersheimer Weg« in der Kernstadt nahe dem Südbahnhof.

Daran erinnert nun auch Fraktionsvorsitzender Jens Matthias. So erfreulich die Meldung aus Dortelweil sei, so unerklärlich sei die Ruhe um die zwei anderen Gebiete. »Wir erwarten vom Magistrat hierzu eine schnelle Klärung, wieweit die Planungen für diese Gebiete vorangeschritten sind.«

Vorangegangen ist es, wie in dieser Zeitung bereits berichtet, lediglich im Lehnfurther Weg in Dortelweil. Dort wollen die Bad Vilbeler Stadtwerke nach Angaben von Stadtwerke-Chef Klaus Minkel 18 bis 20 Wohneinheiten errichten. Die Quadratmeterpreise sollen noch unter denen der Stadtwerke-Mietshäuser an der Konrad-Adenauer-Allee 99 bis 109 liegen. Dort sind zwei Drittel der Wohnungen für 8,50 Euro pro Quadratmeter zu mieten. Dafür existiert laut Stadtrat ein Bebauungsplan. »Noch dieses Jahr soll ausgeschrieben werden, was vorbereitet wird.«

Bürgerinitiativen gegen Bebauung

Dagegen gibt es offenbar unterschiedliche Probleme bei den beiden anderen Grundstücken. Laut Minkel wird im Berkersheimer Weg kein Mehrfamilienhaus gebaut. Das (relativ nahe zur Bahn liegende) Grundstück sei durch den Erschütterungsschutz und Lärmauflagen eher zu teuer für den Wohnungsbau, teilt er mit. Gegen eine Bebauung hat sich allerdings 2017 eine Bürgerinitiative gründet, die den schmalen Grünzug entlang des Berkersheimer Weges erhalten und den mehrgeschossigen Wohnungsbau vor ihren Einfamilienhäusern verhindern will. Für den Bereich Harheimer Weg existiert laut Minkel inzwischen der Entwurf für einen Bebauungsplan, der neben dem Wohnungsbau auch einen Grundschulstandort vorsieht.

Aber auch in Massenheim hat sich gegen die Bebauung des Geländes eine BI gegründet. Die unter dem Namen »natürlich massenheim« firmierende BI hat laut Internet-Homepage inzwischen 207 Mitglieder. Sie wollen die alten Friedhofswiesen in dem Stadtteil erhalten wissen. Politisch pikant: In der BI ist auch der Stadtverordnete Peter Paul Mitglied. Er gehört der Fraktion der Grünen an, jener Fraktion, die nun nach dem Fortschritt beim Wohnungsbau fragt und mahnt, man erwarte »eine schnelle Klärung, wieweit die Planungen für diese Gebiete vorangeschritten sind«.

Der Stadtrat hält die Kritik der Grünen für »verlogen«. Die Grünen seien in Bad Vilbel stets die größten Bremser beim Wohnungsbau gewesen. »Ganze Stadtteile hätte es nicht gegeben«, betont Minkel.

Der jetzt wieder aufgebrochene Streit ist grundsätzlicher Natur. Denn die Grünen werfen dem Magistrat seit vielen Jahren vor, in den jetzigen Neubaugebieten keine Quote für preisgünstigen Wohnraum vorgeschrieben zu haben und stattdessen den Investoren das Feld allein zu überlassen. Fraktionschefin Kathrin Anders drückt das so aus: »Im Quellenpark und Im Schleid werden zwar derzeit Wohnungen errichtet, aber die Stadt hat hier auf sozialen Wohnungsbau verzichtet, um maximale Erlöse zu erzielen. Um eine ausgeglichene Stadtentwicklung zu erreichen, steht der Magistrat nun in der Pflicht, den Bau von Mietwohnungen für kleinere Einkommen voranzutreiben.«

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