+

Analoge Fotos

Alte Fotos und Anekdoten zu Bad Vilbeler Burgfestspielen gesucht

  • vonNiklas Mag
    schließen

Die Burgfestspiele rufen Zeitzeugen der vordigitalen Festspielzeit dazu auf, ihr Fotoarchiv zu durchsuchen. Auch kleine Anekdoten aus der Ära vor Facebook gilt es zu finden.

Ruth Schröfel, Annette Zindel-Strauß und Sandra Malinowski haben alte Fotoalben, Texte und Dokumente vor sich ausgebreitet. Beim Durchsehen gibt es viel zu lachen, beispielsweise das erste Kartenbüro der Festspiele. Nicht mehr als ein Hüttchen, mit vier Wänden und einem kleinen Dach für eine Person. "Wir haben zum 25. Jubiläum der Burgfestspiele bereits viel Archivarbeit gemacht. Daraus ist sogar eine kleine Ausstellung geworden, die Besucher in der Alten Mühle nach den Einführungsgesprächen anschauen können", berichtet Ruth Schröfel.

"Man ist so an die digitale Zeit gewöhnt, dass ich ewig auf dem PC nach Fotos von vor 2001 gesucht habe, bis mir aufgefallen ist, dass die wahrscheinlich auf irgendwelchen CDs sind und im Regal liegen", sagt sie und lacht. Doch auch noch ältere Fotos suchen die Festspielmacher zurzeit, vor allem aus den ersten Jahren 1987 und 1988.

"Wir machen das, weil wir ein wirklich großes und gut sortiertes Archiv auf die Beine stellen wollen", sagt Annette Zindel-Strauß. Dieses soll mit einer Verschlagwortung versehen werden und zudem nach Jahreszahlen sortiert sein. Außerdem wollen die Burgfestspiele die Ausstellung neu konzipieren. "Von den Inszenierungen gibt es viele Fotos, viele Presseartikel, da bin ich schon fündig geworden." Ihre Vorgänger hätten diese in der vordigitalen Zeit zudem fleißig ausgeschnitten und in Boxen gesammelt. "Es ist wirklich schön zu sehen, wie sich die Burgfestspiele professionalisiert haben. Jede Phase hatte ihren eigenen Charme", meint Zindel-Strauß. Dementsprechend sei man auch an Anekdoten von Zuschauern für das neue Archiv interessiert.

Bad Vilbeler Burgfestspiele wollen Archiv aufstocken: Lesung mit Marcel Reich-Ranicki

Bis heute hätten sich die Ansprüche der Burg massiv verstärkt, längst sind die Festspiele ein national bekannter Spielort. Doch wer glaubt, dass in den frühen Zeiten der Burg nur Laientheater gespielt wurde, glaubt falsch. Gerade die sonntäglichen Lesungen, die über Jahre veranstaltet wurden, strotzten nur so vor großen Namen. "Christine Brückner, Christa Wolf, Hera Lind, Ingrid Noll", zählt Zindel-Strauß auf. Sie selbst könne zu einer der Lesung eine Anekdote beitragen, sie denke oft an den Abend zurück, an dem Marcel Reich-Ranicki durch seine Lesung die Kapazitäten der Burg völlig gesprengt hatte. "Vorher hatte mir jemand den Tipp gegeben, dass ich bei ihm vorbeifahren soll, um die Burg vorzustellen und ihn zu einer Lesung einzuladen", erzählt Zindel-Strauß. "Ich war total aufgeregt, aber habe ihn angerufen, einen Termin ausgemacht und mich mit ihm getroffen. Ich habe ihm vorgestellt, was wir in Bad Vilbel machen und er hat schließlich zugesagt", erinnert sie sich.

Bad Vilbeler Burgfestspiele wollen Archiv aufstocken: Fotos von Atmosphäre neben der Bühne gesucht

Doch gerade vom Leben rund um die Bühne fehlen aus der vordigitalen Zeit Fotos. "Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin, die mittlerweile leider verstorben ist, hat jedes Jahr ein Fotoalbum angelegt", zeigt Schröfel. "Das ist für uns jetzt viel wert, dafür sind wir sehr dankbar." Die Frau habe signierte Porträts der Schauspieler, Fotografien rund um den Alltag in der Wasserburg und Programmhefte sorgfältig eingeklebt und nach Datum sortiert. "Wenn jemand so etwas zu Hause hat, wäre das klasse, wenn er oder sie sich meldet", appelliert Schröfel. Auch wurde ihr bereits ein signiertes Buch von Helmut Karasek mit der passenden Eintrittskarte angekündigt. Über solche Funde freuen sich die Festspiele ebenso sehr wie über alte Fotos und Geschichten aus dem Besucheralltag.

Wer etwas zum neuen Archiv der Festspiele beisteuern kann, kann sich per E-Mail unter Annette.Zindel-Strauss@bad-vilbel.de melden. Funde können außerdem direkt im Stadthaus Bad Vilbel abgegeben werden. Die Ausstellung zum 25. Jubiläum der Festspiele fällt in diesem Jahr genau wie die Einführungsgespräche den Hygiene-Einschränkungen wegen des Coronavirus zum Opfer und kann derzeit nicht besichtigt werden. nma

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare