Am Bad Vilbeler Bahnhof baut die Alea aktuell ein Wohn- und Geschäftshaus. FOTOS: PE/PV
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Am Bad Vilbeler Bahnhof baut die Alea aktuell ein Wohn- und Geschäftshaus. FOTOS: PE/PV

150 Jahre Alea

Alea in Bad Vilbel: Expansion aus kleinen Anfängen

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Im ganzen Rhein-Main-Gebiet gibt es mittlerweile Alea-Baustellen. Die expandierende Baufirma aus Bad Vilbel kann mittlerweile auf eine 150-jährige Geschichte blicken.

Thomas Reimann ist ein rühriger Unternehmer. Der Vorstand des Bauunternehmens Alea mit Sitz in Frankfurt und Bad Vilbel lässt es sich nicht nehmen, selber in die Schulen zu gehen, um für den Bauberuf zu werben. "Viele wissen gar nicht, dass sie im Handwerk eine gute Ausbildung erhalten und es hier Berufe mit Zukunft gibt", lautet das Credo des 58-Jährigen. Zudem will er vor Ort mit dem Vorurteil aufräumen, dass der Bauberuf nichts für Frauen sei. "Hier muss niemand mehr Steine schleppen", schmunzelt er.

Reimann weiß natürlich: Das war nicht immer so. Denn er leitet erst seit dem Jahr 2002 das Bauunternehmen, das in einer Zeit gegründet wurde, in der die Baubranche eine reine Männerdomäne war.

Alea in Bad Vilbel: Unternehmen in Familienbesitz

Alea blickt nämlich auf sein 150-jähriges Bestehen zurück. Anderthalb Jahrhunderte, das ist in der heutigen schnelllebigen Zeit eine Ewigkeit. Aber diese Beständigkeit hat einen Grund: Es handelt sich um ein mittelständisches Unternehmen in Familienbesitz. Alea heißt es erst seit dem 6. September 2011, seit es unter diesem Namen im Handelsregister eingetragen worden ist.

Viele ältere Vilbeler werden die Firma aber unter dem Namen K. L. Schmidt kennen. Jahrzehnte hat es in Bad Vilbel zahllose Gebäude gebaut und für die nötige Infrastruktur gesorgt, ober- und unterirdisch. Gründer des Unternehmens war 1899 Karl Ludwig Schmidt. Vor allem kommunale Aufträge, wie der Bau einer Wasserleitung in der Brunnenstadt, waren die Basis für das aufstrebende Unternehmen. Im Ersten Weltkrieg kommt die Baubranche zwar zum Erliegen, aber die Hartnäckigkeit des Firmengründers und die Treue der Kunden verhelfen Schmidt danach wieder zum Erfolg. Als einer der größten Aufträge seinerzeit gilt der Bau der Turnhalle des TV Bad Vilbel in der Feststraße.

Alea in Bad Vilbel: Neubausiedlung auf dem Heilsberg erschlossen

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg legt Schmidt das Geschäft in die Hände seines Sohnes Adolf, der den Wiederbeginn mit nur zwei Mitarbeitern bewältigen will. Dann erhält das Unternehmen einen Großauftrag, nämlich die Erschließung und den Neubau der Siedlung Heilsberg. Es folgen viele weitere kommunale und private Aufträge, das Unternehmen wächst kontinuierlich bis Ende der Sechzigerjahre auf 400 Mitarbeiter an.

1975 dann ein abermaliger Generationswechsel: Adolf Schmidt stirbt, die Firma geht an seine beiden Söhne Rainer und Werner Schmidt. Bis zum Jahr 1983 baut K. L. Schmidt in Bad Vilbel rund 450 Häuser und Wohnungen. Fast keine Baustelle in der Gegend, in der nicht ein Schild von K. L. Schmidt hängt. Und 1994 ein Auftrag für ein weiteres Großprojekt: Die Erschließung des Neubaugebietes Dortelweil-West, in dem heute rund 4500 Menschen leben.

Alea in Bad Vilbel: Harte Zeiten nach der Jahrtausendwende

Doch nach der Jahrtausendwende kommen harte Jahre für die Baubranche, die auch K. L.Schmidt trifft. Die Mitarbeiterzahl sinkt in der allgemeinen Krise von 120 auf nur noch 30.

"Mittlerweile haben wir wieder fast 100 Beschäftigte, sind Ausbildungsbetrieb und wachsen von Jahr zu Jahr weiter", sagt der Geschäftsführer des Unternehmens mit einem Jahresumsatz von rund zwölf Millionen Euro.

Die Familientradition der Schmidt-Dynastie wird unter Reimann konsequent fortgesetzt, denn sein Sohn Jan-Niklas ist nach Bauingenieurstudium und Maurerlehre nun ebenfalls aktiv dabei.

Alea in Bad Vilbel: Kurze Entscheidungswege

In der Tatsache, dass die Alea AG ein familiengeführtes mittelständisches Unternehmen ist, sieht Thomas Reimann den Erfolg begründet. "Wir haben hier nicht nur kurze Entscheidungswege, sondern auch kurze Wege für die Mitarbeiter." Zudem zahle man übertariflich.

Und die Reimans legen auch Wert auf das, was man neudeutsch mit Corporate Identity bezeichnet. Also Dinge, damit sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren. In der aktuellen Corona-Krise hat sich das gezeigt: "Wir haben unseren Mitarbeitern Masken mit Firmenlogo zur Verfügung gestellt", informiert der Seniorchef. Zudem habe man T-Shirts mit Firmenemblem und im vergangenen Jahr Kappen mit Firmenlogo an die Mitarbeiter gegeben. Nicht nur wegen dieser Dinge, sondern auch wegen der familiären Atmosphäre gebe es kaum Fluktuation. "Wir haben viele Mitarbeiter, die 25 Jahre und länger bei uns sind", sagt Reimann nicht ohne Stolz.

Alea in Bad Vilbel:15 Auszubildende werden eingestellt

Im Jubiläumjahr will der Geschäftsführer in Sachen Ausbildung noch eine Schippe drauflegen: "Wir wollen insgesamt 15 Auszubildende neu einstellen", kündigt er an. Eine davon sitzt unweit von ihm im Bad Vilbeler Büro: Aylin Demir hat im August eine Ausbildung zur Bürokauffrau für Bürokommunikation begonnen. Und ganz stolz ist er auch auf Praktikantin Fabienne Lehmann; sie studiert zwar, kommt in den Semesterferien immer gerne wieder zu Alea. Am 1. Oktober beginnt sie hier als Werkstudentin.

Eine Frau am Bau? Zwar noch selten, aber nicht unmöglich. Und noch etwas zeigt den Wandel in der Branche und bei der Jubiläumsfirma: Das Digitale hält auch hier Einzug. So kommt der 28-jährige Sohn beispielsweise statt mit gefalteten Plänen lieber mit dem Laptop auf die Baustellen.

Die Aleas AG blickt auf ihr 150-jähriges Bestehen. Dabei ist das Unternehmen bzw. sein Vorläufer sogarn noch älter. Ein bei den Recherchen zur Jubiläumsschrift gefundenes Dokument stammt von 1866. Da empfahl sich Joseph Wolf im Vilbeler Anzeiger "einem hiesigen und auswärtigen Publikum als Maurermeister". pe

Die Corona-Pandemie hat zahlreiche Feiern platzen lassen. So auch die des Bauunternehmens Alea, die eigentlich für den 27. November dieses Jahres vorgesehen war. Neuer Termin ist nun der 4. September 2021. Im Rahmen einer Abendveranstaltung ab 18 Uhr will man mit allen Mitarbeitern und deren Partnern sowie mit Kunden, Lieferanten und treuen Wegbegleitern das Jubiläum gebührend feiern. Ort wird das Kultur- und Sportforum in Dortelweil sein; Vorstand Thomas Reimann erwartet etwa 400 geladene Gäste. Dass es so viele sein sollen, hat damit zu tun, dass die Alea AG in Hessen zu den ältesten und größten familiengeführten Bauunternehmen gehört, wie der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen mitteilt. pe

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