Bauunternehmer Thomas M. Reimann hat Aylin Demir eingestellt. Die junge Frau absolvierte bei ALEA Hoch- und Industriebau eine dreijährige Ausbildung zur Bürokauffrau für Bürokommunikation. FOTOS: HOLGER PEGELOW/PRIVAT
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Bauunternehmer Thomas M. Reimann hat Aylin Demir eingestellt. Die junge Frau absolvierte bei ALEA Hoch- und Industriebau eine dreijährige Ausbildung zur Bürokauffrau für Bürokommunikation. FOTOS: HOLGER PEGELOW/PRIVAT

Baubranche boomt

Wie Alea-Chef Thomas M. Reimann um Nachwuchs wirbt

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Das in Frankfurt und Bad Vilbel ansässige familiengeführte Unternehmen ALEA hat neue Mitarbeiter eingestellt, darunter zwei Auszubildende. Auf den Nachwuchs legt man großen Wert.

A ylin Demir strahlt übers ganze Gesicht, als sie in den Besprechungsraum kommt. Es ist erst ein paar Tage her, da hat die junge Frau aus Bad Vilbel beim Bauunternehmen ALEA Hoch- und Industriebau eine Ausbildung begonnen. In den folgenden drei Jahren wird die 17-Jährige zur Bürokauffrau für Bürokommunikation ausgebildet. Gerade erst hat sie an der John-F.-Kennedy-Schule ihre Schulzeit beendet, und dann gleich diesen Ausbildungsplatz im dritten Stock des Astra-Gebäudes Im Rosengarten bekommen.

"Ich habe mich riesig gefreut, als die Zusage kam", sagt die junge Frau. Und von ihren ersten Tagen kann sie bereits berichten, "dass man viele Bereiche kennenlernt, die man vorher nicht gekannt hat. Ich finde das alles hier sehr spannend", sagt sie und strahlt weiter.

Diese Aussagen gefallen Thomas M. Reimann, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Schließlich haben seine Kontakte in die Schulen und sein ehrenamtliches Engagement für die Ausbildung von jungen Menschen im Baugewerbe hier Früchte getragen. Reimann, seit 2002 an der Spitze des Unternehmens, engagiert sich seit 25 Jahren ehrenamtlich in der Aus- und Weiterbildung. Er ist unter anderem in den Prüfungsausschüssen der IHK Frankfurt engagiert und wirkt aktuell in verschiedenen Ehrenämtern für die hessische Wirtschaft. So ist er nach eigenen Angaben als Vorstand im Bund deutscher Baumeister HessenFrankfurt aktiv, ist auch Vorsitzender des Bau- und Immobilienausschusses der Vereinigung hessischer Unternehmen sowie Mitglied im Präsidium der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände.

"Ich will darauf aufmerksam machen, dass es im Handwerk eine lukrative Ausbildung gibt und das Handwerk über sichere Arbeitsplätze verfügt." Auch im Bau gebe es viele Berufe mit Zukunft, sagt Reimann.

Dafür tut er mit seinem Unternehmen eine ganze Menge. So habe man von Oktober vergangenen bis Februar dieses Jahres fünf Praxistage veranstaltet. "Da haben wir den jungen Leuten direkt auf unseren Baustellen unseren Beruf nähergebracht."

Plädoyer für Frauen auf dem Bau

"Wir hatten schon Praktikantinnen auf dem Bau, etwa beim Mauern." Damit wolle man dem weitverbreiteten Urteil entgegentreten, dass der Bauberuf kein Beruf für Frauen sei. "Wir hatten beispielsweise Fabienne Lehmann, die bei uns ein Praktikum absolviert hat und nun in den Semesterferien wieder bei uns arbeiten will." Niemand müsse mehr mit bloßen Händen Steine heben, sagt Reimann. Es gebe viele hydraulische Helfer, die es auch Frauen ermöglichen, die Steine an die Stelle zu hieven, an der sie gebraucht würden.

Reimann lässt nicht locker, wenn es darum geht, jungen Leuten den Beruf näherzubringen. "Wir gehen auch in die Schulen", sagt er. Kürzlich sei er in einer achten und neunten Klasse in Hanau gewesen. "Das Informationsbedürfnis dort war groß." Möglicherweise erhalte er im nächsten Jahr von dort Bewerbungen.

ALEA will 15 junge Leute ausbilden

Auch Anes Lekovic hat sich in den Sommerferien um ein Praktikum beworben. Mit jetzt 18 Jahren und dem Abschluss am Gymnasium hat er eine Ausbildung als Maurer begonnen. Reimann sagt, im Moment sei er auf einer Baustelle in Wiesbaden im Einsatz.

"Unsere Initiative strahlt auch nach Offenbach, wir werden von den jungen Menschen auf YouTube und Instagram wahrgenommen. Ich finde es großartig, dass man die Chancen und Perspektiven im Baugewerbe sieht und sich für einen Ausbildungsplatz in der Baubranche entscheidet. Wir werden ihn bei ALEA gerne nehmen", sagt Reimann.

Anes Lekovic wird nicht der letzte Auszubildende sein, der beim Familienunternehmen startet. Auch Ali Reza Rahimzadeh soll eine Chance bekommen, mit einem Praktikum starten und entscheiden, ob es die richtige Berufswahl für ihn ist. Man darf gespannt sein, wie es mit dem Nachwuchs weitergeht. Demnächst macht Reimann mit seiner Werbetour weiter. In seinem Unternehmen hat er Medienberater Oliver Lapp eingestellt, der nicht nur einen Film über das 150 Jahre alte Jubiläumsunternehmen dreht, sondern jüngst einen Film über die jungen Praktikanten, allen voran Fabienne Lehmann, fertiggestellt hat. "Den Film werden wir in den Schulen zeigen."

Kann Reimann die Schüler für den Beruf begeistern, sind deren Chancen auf einen Ausbildungsplatz nicht gerade gering. Denn im Jubiläumsjahr will das Unternehmen mit seinen 100 Mitarbeitern - drei weitere sind aktuell eingestellt worden - insgesamt 15 Ausbildungsplätze bereitstellen.

Thomas M. Reimann hat 1985 im Unternehmen K. L. Schmidt GmbH & Co. KG (wie die ALEA damals noch hieß) als Prokurist begonnen. Im Jahr 2002 übernahm er die Geschäftsführung des Unternehmens im Zuge eines Management-buy-outs. Es folgten harte Jahre der Baukrise und der Sanierung, in denen die Mitarbeiterzahl des Unternehmens zeitweilig von 120 auf nur noch 30 sank. Mittlerweile hat die ALEA wieder gut 100 Beschäftigte. Man ist Ausbildungsbetrieb und wächst von Jahr zu Jahr weiter. Den Jahresumsatz gibt Reimann mit rund zwölf Millionen Euro an. Das Unternehmen ist auf vielen Baustellen in Bad Vilbel, Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet vertreten. Während der Corona-Pandemie hat es keinen Auftragsrückgang gegeben, sagt Reimann. Der Vorstandsvorsitzende hatte im Mai alle Bürgermeister angeschrieben und darum gebeten, "kein Vergabeloch" entstehen zu lassen. Die Aktion war erfolgreich. Zudem habe man weder im Unternehmen selbst noch in den Nachunternehmen einen einzigen Corona-Fall. pe

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