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Ärztlicher Notdienst geschlossen: Proteste dauern an

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Zwischenstand: 4638 Unterschriften für den Erhalt des Ärztlichen Notdienstes in Bad Vilbel. Sie werden an Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr (M.) übergeben von (v. l.) Dr. Peter Zierz, Helga Ensslen, Irene Utter und Ulla Wolf.	(Foto: pv)
Zwischenstand: 4638 Unterschriften für den Erhalt des Ärztlichen Notdienstes in Bad Vilbel. Sie werden an Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr (M.) übergeben von (v. l.) Dr. Peter Zierz, Helga Ensslen, Irene Utter und Ulla Wolf. (Foto: pv) © Red

Bad Vilbel (ach). 4658 Unterschriften wurden am Montag im Rathaus an Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr aus der Bürgerschaft überreicht. Alle Unterzeichner protestieren gegen die Schließung des Ärztlichen Notdienstes, auch Bereitschaftsdienst genannt, in der Seniorenresidenz »Quellenhof«

. »Dies ist nur ein Zwischenstand, die Sammlung gehe weiter«, sagten die Überbringer. Zu ihnen gehörten der für die Organisation des Bereitschaftsdienstes zuständige Arzt Dr. Peter Zierz, Helga Ensslen vom Seniorenbeirat, CDU-Fraktionsvorsitzende Irene Utter und Apothekerin Ulla Wolf.

»Es handelt sich nur um die erste Welle an Unterschriften« teilt, Stadtsprecher Bastian Zander mit. In vielen Geschäften und Arztpraxen liegen nach wie vor Listen aus.

Räume bis Jahresende gemietet

Ab heutigem Dienstag ist der Ärztliche Notdienst im »Quellenhof« geschlossen. Das bedeutet, dass sich rund 60 000 Einwohner aus Bad Vilbel, Karben, Niederdorfelden und den nördlichen Frankfurter Stadtteilen wie etwa Harheim und Nieder-Erlenbach nach Frankfurt wenden müssen, sollten sie außerhalb der üblichen Praxiszeiten ärztliche Hilfe benötigen. Zierz weist darauf hin, dass nun die Telefonnummer, unter der der »Quellenhof«-Notdienst zu erreichen war (0 61 01/1 92 92), nicht mehr geschaltet ist. Stattdessen sollen sich Erkrankte unter der deutschlandweiten Telefonnummer 116 117 an medizinisches Fachpersonal der Ärztlichen Bereitschaftsdienst-Dispositionszentrale wenden.

Dort sollen sie ihre Symptome schildern, und je nach Art der Erkrankung wird dann mit mobilen Patienten vereinbart, zu einer Untersuchung in eine Bereitschaftsdienst-Zentrale entweder im Bürgerhospital oder in der Galluswarte zu fahren. Sind Anrufer nicht mobil oder hat die ÄBD-Zentrale geschlossen, wird veranlasst, dass ein Arzt sie zu Hause aufsucht. Bei starken Herzbeschwerden, Bewusstlosigkeit, Verbrennungen oder anderen akuten lebensbedrohlichen Symptomen sollte sofort der Rettungsdienst unter der Nummer 112 angefordert werden.

»Besonders ärgerlich ist, dass die Räumlichkeiten des Notdienstes im »Quellenhof« noch bis Ende des Jahres angemietet sind und dass trotzdem schon zum 1. Juli geschlossen wird«, sagt Vilbels CDU-Vorsitzender Tobias Utter auf WZ-Nachfrage. Die Unterschriftenaktion sei eine überparteiliche Initiative von Bürgern, der sich die CDU angeschlossen habe, da man für den unbedingten Erhalt des Notdienstes sei. Utter appelliert an die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die Schließungs-Entscheidung zurückzunehmen, was jetzt noch ohne großen Aufwand möglich sei.

Zander berichtete, Mitarbeitern der Notdienst-Verwaltung sei gekündigt worden. Die KV wälze nun die Kosten auf die Krankenkassen ab, denn sicherlich werde nun häufiger die 112 angerufen.

Die Stadt Bad Vilbel möchte laut Zander den Protest jetzt noch einmal forcieren und sich mit anderen Kommunen zusammentun. Unterdessen wurde bekannt, dass sich nun auch Karbens Bürgermeister Guido Rahn für den Erhalt in Bad Vilbel ausgesprochen habe. Zudem würden in einer Karbener Arztpraxis inzwischen ebenfalls Unterschriften gesammelt. Wie berichtet, verlangt die KV mindestens 50 niedergelassene Ärzte in einem Notdienstbezirk, in Bad Vilbel gibt es derzeit 44. Noch »knapper« falle dies in Neu-Isenburg aus, berichtet Zander, wo die Differenz nur drei Ärzte betrage, der Notdienst aber auch geschlossen werden solle. Dort habe sich der Landrat der Sache angenommen. In Bad Vilbel und den von der Schließung betroffenen Kommunen wolle man die KV-Entscheidung so nicht hinnehmen. Sie bedeute unter anderem, dass die Patienten viel längere Wartezeiten hinnehmen müssten und eine Verlagerung der Kosten stattfinde.

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