Haben am selben Tag Geburtstag: Ute Petersen und Simon Breest haben zwei völlig verschiedene Generationen der Grünen miterlebt. Jetzt kandidieren beide für die Partei in Bad Vilbel. Simon Breest für den Ortsbeirat Dortelweil (Platz 6), Ute Petersen für die Stadtverordnetenversammlung (Platz 15) und den Ortsbeirat Kernstadt (Platz 3). 	FOTO: PATRICK EICKHOFF
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Haben am selben Tag Geburtstag: Ute Petersen und Simon Breest haben zwei völlig verschiedene Generationen der Grünen miterlebt. Jetzt kandidieren beide für die Partei in Bad Vilbel. Simon Breest für den Ortsbeirat Dortelweil (Platz 6), Ute Petersen für die Stadtverordnetenversammlung (Platz 15) und den Ortsbeirat Kernstadt (Platz 3). FOTO: PATRICK EICKHOFF

Kurioser Zufall

Ältestes und jüngstes Mitglied der Bad Vilbeler Grünen haben am gleichen Tag Geburtstag

  • vonPatrick Eickhoff
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Simon Breest und Ute Petersen stehen auf den Listen der Vilbeler Grünen für die Kommunalwahl. Zwischen beiden liegen genau 61 Jahre. Wie es der Zufall will, haben sie am selben Tag Geburtstag.

Ihr Geburtstag, der 7. November, ist in den zweiten Lockdown gefallen. Konnten Sie überhaupt feiern?

Simon Breest: Ich habe noch nicht gefeiert und hole das nach, wenn Corona uns die Möglichkeit dazu gibt.

Ute Petersen: Wir haben im ganz kleinen Kreis zusammen gesessen. Aber mehr auch nicht.

Haben Sie sich denn gratuliert? Kennen Sie sich überhaupt näher?

Breest: Wir haben uns einmal bisher getroffen.

Petersen: Genau. Es ist das zweite Mal, dass wir als Geburtstagskinder des 7. November zusammenkommen.

Seit wann sind Sie denn bei den Grünen aktiv?

Petersen: Seit April 1981 bin ich dabei. Ich bin damals aus der SPD ausgetreten, um bei den Grünen dabei zu sein. Das war zu seiner Zeit, da hat man beim Arbeitgeber besser nicht gesagt, dass man sie unterstützt.

Breest: Ich bin Gründungsmitglied der Grünen Jugend Wetterau, die sich vor zwei Jahren gegründet hat.

Und wieso?

Petersen: Weil ich mir von den Grünen erhofft habe, dass die Politik vertreten würden, die ich mir von den Sozialdemokraten immer erhofft habe. Grün stand für eine Überzeugung. Die sind auf die Straße gegangen und haben dafür gekämpft.

Breest: Ich interessiere mich sehr für Astronomie. Die Erde ist der einzige Planet, auf dem wir leben können. Deshalb engagiere ich mich für Umwelt- und Klimaschutz.

Was ist denn das besondere an den Grünen?

Petersen: Die Grünen werden nicht von alten, grauen Männern dominiert. Da ist Bewegung drin. Den interessierten Mitgliedern wird politische Schulung angeboten. Die grüne Jugend demonstriert für unsere politischen Ziele, zum Beispiel: Dannenröder Forst.

Breest: Genau da komme ich gerade her.

Waren Sie auf vielen Demonstrationen?

Petersen: Der zivile Ungehorsam war für uns eine Notwendigkeit. Für die einen war es unsere Bürgerpflicht - für die anderen Krawall. Tausende von Atomwaffengegnern bildeten Menschenketten; Ostermärsche, in den 80er Jahren, die beeindruckende Friedensdemo in Bonn, Pulse of Europe in Frankfurt

Breest: Bei mir hat es angefangen mit Fridays for Future.

Petersen: Da bin ich auch mitgelaufen.

Breest: In den vergangenen Tagen war ich im Dannenröder Forst aktiv. Aber auch als es um die Rodung der Bäume im Bad Vilbeler Kurpark ging war ich dabei.

Petersen: Da waren wir schon auf einigen Demos, ohne es voneinander zu wissen.

Gibt es eine Veranstaltung, die Ihnen besonders hängen geblieben ist?

Petersen: Der gemeinsame Protest vieler Gruppen gegen die AfD-Sitzung im Kurhaus war eine wichtige Demonstration für die Demokratie.

Breest: Da war ich auch dabei. Daran kann ich mich auch noch erinnern.

Apropos AfD. Wie sehen Sie die aktuelle politische Entwicklung in Deutschland?

Petersen: Das war für mich der Grund, wieder aktiv zu werden. Die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen war so empörend. Das wollte ich nicht so stehen lassen.

Frau Petersen, Sie haben allein aufgrund ihres Alters schon mehrere solcher Momente erlebt, oder?

Petersen: Ja, das stimmt. Ich bin in Frankfurt sozialisiert. Die freie Reichsstadt mit Freidenker-Tradition - keine Buchmesse ohne Polizeieinsatz.

Herr Breest, wie beurteilen Sie das aus heutiger Sicht?

Breest: Ich kann natürlich dazu nicht viel sagen, aber wenn ich vergleiche - von dem was man so hört mit heute - dann hat es sich natürlich gewandelt. Im Dannenröder Forst wurden auch keine Steine geworfen. Es wird anders demonstriert.

Das liegt vielleicht auch an der veränderten Wahrnehmung der Grünen. Die Umfragewerte steigen, grüne Themen werden immer präsenter. Wo geht die Reise hin?

Petersen: Hoffentlich in eine Führungsposition, weil sie gut aufgestellt sind mit vielen gut ausgebildeten jungen Leuten. Das sehe ich als großen Vorteil für Deutschland.

Welche Themen sind das?

Petersen: Alles schreit nach Klimaschutz, aber SUVs sind immer noch genug unterwegs. Da werden sie hoffentlich was bewegen, wenn sie im Parlament sind.

Breest: Ich hoffe auf mehr Klimaschutz als in einer CDU-Regierung, wobei das auch nicht schwer ist.

Finden Sie, dass grüne Themen ausreichend wahrgenommen werden?

Petersen: Absolut. Für den Slogan »Jute statt Plastik« wurden wir früher ausgelacht. Ich habe damals in sehr dicke Bretter gebohrt. Heute ist es in aller Munde.

Breest: Das zeigt ja auch die Fridays-for-Future-Bewegung. Deutschlandweit waren eine Millionen Menschen unterwegs. Als das letzte Mal so viele Menschen auf der Straße waren, ist die DDR kollabiert.

Finden Sie, dass diese Themen präsent genug sind?

Breest: Präsenter geht immer. So lange noch Autobahnen gebaut werden und so stark genutzt werden, ist es noch nicht genug.

Petersen: Richtig.

Wenn wir schon beim Thema Verkehr sind: Das erhitzt in Bad Vilbel regelmäßig die Gemüter. Wie stehen Sie dazu?

Petersen: Die Topographie von Bad Vilbel hat es scheinbar immer schwer gemacht, eine halbwegs gescheite Lösung zu finden. Das Auto muss dennoch nicht bis vor die Ladentür gefahren werden.

Sie stehen beide auf der Kommunalwahlliste für Ortsbeiräte. Frau Petersen Sie auch für die Stadtverordnetenversammlung. Haben Sie sich vorher schon einmal eingebracht?

Petersen: Ich wollte nie Mandatsträgerin werden. Das habe ich immer gescheut. Seitdem ich alt bin, habe ich einen Bonus (lacht). Spaß beiseite. Mit welcher Bosheit sich dort manchmal Sachen an den Kopf geschmissen werden, das hätte ich nur schwer ausgehalten.

Jetzt stehen Sie beide zur Wahl. Glauben Sie, sie werden sich dann erneut treffen?

Petersen: Na spätestens zum Geburtstag feiern.

War das eine Einladung?

Petersen: Ich werde 80. Simon da musst du dabei sein. Dann kriegst du die Tapferkeitsmedaille, wenn du das aushältst.

Breest: Ich schaue, ob sich das einrichten lässt. Ich habe nur nicht so viel Zeit. Schließlich habe ich auch Geburtstag.

Bad Vilbel (wpa). 40 Jahre die Grünen Bad Vilbel: »Eigentlich wollten wir das Jubiläum gemeinsam feiern«, sagt Clemens Breest, Vorsitzender des Ortsverbandes. Die Corona-Pandemie hat ihnen allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. »Wir haben deshalb einen Jubiläumsgruß verteilt«, sagt er.

Rund 60 Mitglieder

In den vergangenen Jahren hat sich beim Ortsverband in Bad Vilbel einiges getan. »Wir hatten 2016 etwas über 20 Mitglieder. Mittlerweile sind es rund 60.« Zusätzlich gebe es ein großes Unterstützer- und Freundefeld. Die Themen haben sich allerdings kaum verändert. »Natürlich sind sie an aktuelle Debatten angepasst, aber für uns stehen immer noch lokale grüne Themen im Mittelpunkt. Wir wollen eine klimagerechte Stadt.« Allerdings stellen die Grünen auch soziale Themen in den Fokus des Kommunalwahlkampfes 2021. »Die Jugendarbeit ist uns sehr wichtig. Darauf werden wir auch setzten«, sagt Breest, der selbst seit September 2013 Mitglied im Ortsverband ist.

Film über Anfänge

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens im Dezember blicken die Grünen in Bad Vilbel auf ihre Geschichte zurück. Die Fraktionsvorsitzende Kathrin Anders und der Vorsitzende Breest haben gemeinsam mit dem Gründungsmitglied und späteren Vorsitzenden Wolfgang Vier auf die Anfänge geschaut und einen Film gedreht. Sie besuchen Orte in Bad Vilbel, an denen sie das Wirken der Grünen verdeutlichen. »Den Film haben wir auf unserer Homepage und auf Youtube hochgeladen«, informiert Breest. Besonders stolz ist er , dass die Vilbeler Grünen in den vergangenen Jahren eine eigene Identität entwickelt haben. »Ich hoffe, das bleibt auch in den kommenden 40 Jahren so.«

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