+
Bernfried Heckelei nutzt die Messe, um Senioren zu finden, die sich ehrenamtlich für geflüchtete Familien einsetzen.

Älterwerden leichter machen

  • schließen

"Vil-bella Vita" lautet der Name der Messe für die Vilbeler über 50 Jahren. Doch auch viele jüngere Einwohner der Quellenstadt nutzten am Samstag das große Angebot der Veranstaltung, die nun zum zweiten Mal statt gefunden hat. Organisiert wird diese ehrenamtlich.

Der Stand von Anette Schmidt sorgt definitiv für Reaktionen. Denn die Inhaberin der Pietät Schmidt in Bad Vilbel bietet seit kurzem handbemalte Urnen an - mit Bad Vilbeler Motiven. "Die Reaktionen sind sehr positiv, die Leute finden das toll", berichtet sie. Die Urnen bietet sie an beispielsweise mit dem Alten Rathaus oder auch der Wasserburg. Diese werden vom Vilbeler Künstler Thomas Friesenhahn auf die Gefäße gemalt. Wohlwissend, dass ihr Unternehmen sich mit etwas befasst, worüber sich noch immer viele Menschen nicht oft erlauben nachzudenken, geht Schmidt professionell mit dem Thema Tod um: "Generell muss ich sagen, dass heute über Tod zu sprechen deutlich einfacher ist als noch vor zehn oder 15 Jahren", schildert sie ihre Erfahrungen.

Ein Umstand, der zu begrüßen sei, schließlich könne sie jedem nur raten, sich rechtzeitig mit den Dingen, die das eigene Ableben betreffen, zu befassen. "Erstmal besteht die Frage nach einer Erd- oder Feuerbestattung. Dann geht es um den Sarg, die Farbe der Blumen, die Musik bei der Beerdigung, die Traueranzeigen." Denn wer sich vor dem eigenen Tod mit diesen Dingen beschäftigt, erreicht vor allem eines: Die Entlastung seiner Angehörigen. "Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn bei mir im Büro drei Geschwister sitzen, die sich dann ohnehin im Ausnahmezustand befinden und möglicherweise wegen all dieser Details in Streit geraten", weiß die Bestattungsunternehmerin.

Zweite Auflage

Sich rechtzeitig Gedanken machen über das eigene Älterwerden und auch das eigene Ableben, das ist definitiv kein leichtes Thema. Doch es ist ein zentraler Baustein der Messe 50 plus, die von Hilke Bender, ihrem Vater Dieter Richardt und dem Bad Vilbeler Behindertenbeauftragten Hajo Prassel ins Leben gerufen wurde. Komplett ehrenamtlich hat das Trio die Messe vor zwei Jahren erstmalig organisiert und am vergangenen Samstag zum zweiten Mal zahlreiche Vilbeler ins Dortelweiler Kultur- und Sportforum gelockt. Im kleineren Saal des Forums finden Vorträge statt wie auch im benachbarten Efzet-Jugendzentrum. Die große Turnhalle dient als eine Art Messegelände. Auf dem Gelände haben sich 40 Aussteller postiert, alle, um zu informieren über die Dinge, über die man sich rechtzeitig Gedanken machen sollte, auch wenn es unangenehm ist. "Die Leute sollen wissen, wo sie welche Hilfe in und um Bad Vilbel bekommen können, wenn sie diese einmal brauchen", hatte Dieter Richardt bereits vor der Messe erklärt, und deshalb sei der Eintritt auch frei.

Um Prävention geht es auch Annette Lartey und Gabriele Vargas. Die beiden betreiben eine Gemeinschaftspraxis für Naturheilkunde in der Homburger Straße. "Wir versuchen, bei einem Schritt vorher anzusetzen, bevor jemand krank wird", beschreibt Lartey ihr Anliegen. "Stress ist einer der größten Auslöser für chronische Erkrankungen. Unser Ansatz ist es, ganz individuelle Behandlungsmethoden zu entwickeln."

Etwas heraus sticht der Stand von Bernfried Heckelei. Denn Heckelei bietet nicht direkt Dienstleistungen für das Älterwerden an, sondern sucht nach "Omas und Opas", die Bad Vilbeler Flüchtlingsfamilien unterstützen können. "Ich bin seit Jahren ehrenamtlicher Hausmeister in einer Flüchtlingsunterkunft und habe den Familien auch bei Formularen und alltäglichen Problemen geholfen", berichtet er. Er habe festgestellt, wie sehr die Geflüchteten Hilfe im Alltag benötigten und engagiere sich seither stark in den Familien. "Elternabende, Kindergeburtstage oder Bringdienst zum Turnen. Damit helfe ich."

Er könne jedoch nicht jeden Elternabend besuchen - und deshalb sucht er auf der Messe nach Senioren, dis sich ehrenamtlich für Flüchtlingskinder engagieren wollen. "Vier haben sich schon gemeldet", freut er sich am Mittag. Die Messe bot den Besuchern abermals eine große Vielfalt an Themen. Veranstalter Dieter Richardt sieht eine erneute Wiederholung in zwei Jahren im Bereich des Machbaren, wie er sich zitieren ließ.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare