BV_Muether_230721_4c_2
+
Das Team im Bühnenbild, ganz rechts Regisseurin Adelheid Müther, links von ihr (stehend neben der Treppe) Bühnenbildnerin Kathrin Kegler und ganz links Marie-Therese Cramer, die die Kostüme entworfen hat.

Bad Vilbeler Burgfestspiele

Adelheid Müther: Vilbels »Komödien-Frau«

Ertönt rund um die Bad Vilbeler Wasserburg Lachen, dann ist mit großer Wahrscheinlichkeit Adelheid Müther am Werk. Mit »Der nackte Wahnsinn« gibt die Regisseurin einen sagenhaft komischen Einblick in die Welt der Komödie - und ihre wichtigste Zutat: das richtige Timing.

W enn Adelheid Müther mit ihrer Truppe in der Wasserburg probt, hat immer jemand etwas zu lachen. Mal sind es die Mitarbeitenden, die zwischendurch zu Test-Publikum werden - und die der Regisseurin wichtiges Feedback sind, wenn sie laut losprusten. Und manchmal ist es auch Müther selbst, die immer wieder loslacht - egal, wie oft sie die Pointe in den vergangenen Wochen schon gehört hat. »Ich kann keinen Witz zu oft gehört haben«, sagt sie. »Ich muss immer wieder aufs Neue lachen.«

Gelegenheit hatte sie dafür in den vergangenen Wochen genug. Denn Regisseurin Adelheid Müther hat mit ihrem neunköpfigen Ensemble die Komödie »Der nackte Wahnsinn« oft genug geprobt. Das Stück feierte Anfang Juni Premiere bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen.

Fester Bestandteil der Burgfestspiele

2010 war Müther das erste Mal in Bad Vilbel dabei, damals mit »Don Camillo und Peppone«. Seither war die Hamburgerin jedes Jahr fester Bestandteil der Burgfestspiele - und bis auf eine Ausnahme mit der »Päpstin« immer als »Komödien-Frau«: So hat Müther die »Pension Schöller« ebenso auf die Bühne gebracht wie »Charleys Tante« und andere ganz klassische Komödien. Dabei macht Müther keinesfalls nur Komödien, auch habe sie sich zu keinem Zeitpunkt bewusst darauf »spezialisiert«. Doch hier in Bad Vilbel, sagt sie lachend, habe sich das irgendwie so ergeben.

Keinesfalls »einfach so ergeben« sich jedoch ihre Lacher auf der Bühne. Denn damit diese so genau sitzen, ist Timing das A und O. Die künstlerische Freiheit ist beim Einstudieren einer Komödie damit naturgemäß deutlich kleiner als in anderen Genres, weiß Müther. Eingeengt fühlt sie sich dadurch aber nicht: »Zwar muss ich mich an die geschriebenen Szenen und Abläufe sehr genau halten, in der Ausgestaltung der Persönlichkeiten aber und wie ich diese auf die Bühne bringe, bin ich sehr frei.«

Dabei bedeutet »Der nackte Wahnsinn« eine völlig neue Herausforderung. »Jeder Kenner, der von dem Stück hört, stöhnt, dass eine Inszenierung wahnsinnig kompliziert sei.« Denn: Einerseits sei es noch enger geschrieben als andere Stücke, sodass an den Szenen »nicht zu rütteln« ist, erklärt Müther.

Nicht nur Insider lachen

Entsteht ein Lacher etwa dadurch, dass sich auf der einen Seite der Bühne eine Tür öffnet, auf der anderen Seite zeitgleich eine andere schließt, so müsse dies »on point« sitzen. Andererseits stammt »Der nackte Wahnsinn« aus der Feder des Briten Michael Frayn - und der britische Humor ist bekanntermaßen ein ganz besonderer. »Die Engländer haben eine andere Tradition der Komödie.«

Für Müther ist es vor allem der außergewöhnliche Blick Frayns, der sie reizt. Er zeugt von einem ungeheuren »Insider-Wissen« aus dem Theater und nimmt eben dieses mit besonderem Augenzwinkern aufs Korn. Ein Regisseur, der mit seinen Nerven am Ende ist, weil die Schauspieler kurz vor der Premiere versagen. Die Perspektive auf das Ensemble von der Hinterbühne aus.

Und schließlich, im dritten Akt, die 100. Aufführung - mit ermattetem Elan. Alles beginnt gefühlt immer wieder von vorn, nur Geschwindigkeit und Wahnsinn nehmen zu. Als Mitfahrer in diesem »Theaterkarussel« haben nicht nur Insider, sondern auch Laien allerhand zu lachen.

»Der nackte Wahnsinn« aus der Feder von Michael Frayn (übersetzt von Ursula Lyn) feierte bereits Mitte Juni seine Premiere. Bis zur letzten Aufführung am Sonntag, 29. August, sind insgesamt 17 Termine geplant. Alle Spielzeiten und Karten unter https://www.kultur-bad-vilbel.de/burgfestspiele//spielplan/?filter_cat[1]=13&id=14082. jkö

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare