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Kabarettistin Lioba Albus tritt als Mia Mittelkötter auf. Damit hat sie den Wetterauer Frauensommer des Wetteraukreises bereichert, der anstatt des ausgefallenen Internationalen Frauentages ausgerichtet wurde.

Zwischen fein und gemein

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Bad Nauheim (prw). In der ausverkauften Trinkkuranalage sorgte Lioba Albus, Kabarettistin aus dem Sauerland, für gute Stimmung und Dauerlachen. Rund 100 Frauen und einige Männer waren gekommen, um ihr Programm »Hitzewallungen« zu sehen.

Da coronabedingt im März der Internationale Frauentag nicht gefeiert werden konnte, hatten die Frauenbeauftragten der Städte Bad Nauheim, Friedberg, Karben und des Wetteraukreises im Rahmen des Wetterauer Frauensommers für Juli eingeladen.

Letztendlich wurde es aufgrund von Regenschauern dann doch keine Open-Air-Veranstaltung, doch der wunderschöne Saal in der Jugendstil-Trinkkuranlage entschädigte dafür allemal.

Lioba Albus, alias Mia Mittelkötter, hatte als Freizeitberaterin jede Menge gute Ideen für den Sommer. So überlegte sie, einen Betreuungsservice für daheimgebliebene Ehemänner anzubieten, für ein paar Euro mehr würde sie dann auch mit dem Ehegatten schimpfen, so wie er es gewohnt sei. Wenn Frau dann braun gebrannt und gut erholt aus Mallorca wiederkäme, könne sie nahtlos dort weitermachen, wo sie aufgehört hatte.

Ein Trend, den sie besonders im Sauerland beobachte, sei das Männerwettgrillen. Sobald der erste ernst zu nehmende Sonnenstrahl sich durch die Wolken gequält habe, heiße es: »Der deutsche Mann wird wild, ab heute wird gegrillt.« So sei der Mann auch der uneingeschränkte König des Sommers, sein Zepter die Grillzange.

In der Pause gab es ausreichend Gelegenheit, in der schönen Parkanlage zu flanieren.

Nachdem das männliche Geschlecht inklusive Ehemann Gustav ordentlich durch den Kakao gezogen wurde, widmete Mia Mittelkötter sich nach der Pause verschiedenen neumodischen Trends, unter anderem dem Single-Sein, was sie als höchst problematisch bewertete. Denn »je älter man wird, umso mehr steigen die Ansprüche, in dem Maße wie die Möglichkeiten sinken«, was natürlich ein sehr ungünstiger Spagat sei, so Mia Mittelkötter. Auf die Frage, woran Frau denn merken würde, dass es mit der Vereinsamung angefangen habe, erläuterte sie: »Zum Beispiel, wenn Frau in jeden Stau reinfährt, um ein Gruppenerlebnis zu haben.«

Klaus Kreß, Bürgermeister von Bad Nauheim, Stephanie Becker-Bösch, Erste Kreisbeigeordnete des Wetteraukreises, und Claudia Taphorn, Frauenbeauftragte des Wetteraukreises, begrüßten die Gäste zu Beginn. Taphorn stellte dabei auch die Plakatausstellung »Frauen zählen« vor, die parallel im Foyer gezeigt wurde. Die Info-Grafiken der Ausstellung werfen einen Blick auf den Stand der Gleichberechtigung im Wetteraukreis. Dabei betonte Taphorn, dass viele der Ergebnisse leider nicht überrascht hätten. »Im Kreis gibt es immerhin sechs Bürgermeisterinnen, aber auch 19 Bürgermeister, es gibt 1279 alleinerziehende Mütter und 98 alleinerziehende Väter, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind, außerdem gibt es 8500 Frauen, die im Minijob arbeiten und damit ein großes Risiko der Altersarmut eingehen,« benannte Taphorn einige der Zahlen, die die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern sichtbar machen.

An diesem besonderen Abend war deutlich spürbar, wie erleichtert und froh sowohl Publikum als auch Künstlerin waren, endlich wieder gemeinsam zu lachen und eine gute Zeit zu verbringen. Lioba Albus bat das Publikum zum Abschied, nun wieder fleißig in die Theater-, Konzert- und Kinosäle zu gehen, und machte auf die vielen Kleinkünstlerinnen und -künstler aufmerksam, die die Corona-Krise stark getroffen hat.

Im September wird die Plakatausstellung »Frauen zählen« im Foyer des Kreishauses zu sehen sein.

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