Für ihr Engagement während der ersten Corona-Welle werden auch Mitarbeiter der Kerckhoff-Klinik mit einer Bonuszahlung des Bundes belohnt. Welche Mitarbeiter genau das Geld erhalten und wie hoch die jeweilige Summe ist, muss noch geregelt werden.	ARCHIVFOTO: NICI MERZ
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Für ihr Engagement während der ersten Corona-Welle werden auch Mitarbeiter der Kerckhoff-Klinik mit einer Bonuszahlung des Bundes belohnt. Welche Mitarbeiter genau das Geld erhalten und wie hoch die jeweilige Summe ist, muss noch geregelt werden. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Belohnung für Mitarbeiter

Zwischen Bonus und Belastung: Die Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik in Corona-Zeiten

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Mitarbeiter der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik werden Bonus-Zahlungen des Bundes bekommen. Die Geschäftsführer Prof. Hossein-Ardeschir Ghofrani und Matthias Müller über Bonus und Belastung.

Bonus für die Kerckhoff - 433 Krankenhäuser bekommen von der Bundesregierung eine Corona-Prämie für ihre Pflegekräfte. Demnach erhalten Kliniken mit weniger als 500 Betten diese Finanzspritze, wenn sie zwischen dem 1. Januar und dem 31. Mai mindestens 20 Corona-Patienten voll- oder teilstationär behandelt haben. Bei Häusern mit mehr als 500 Betten sind es 50 Patienten. Die Kerckhoff-Klinik ist auch auf dieser Liste genannt. Allerdings sollte unserer Empfindung nach diese Zahlung auf alle Level-1-Häuser zutreffen - unabhängig von Kenngrößen. Schließlich tragen diese Krankenhäuser, die wegen ihrer guten Ausstattung und Expertise oftmals schwer erkrankte Patienten von anderen Krankenhäusern übernehmen, die Hauptlast in der Corona-Pandemie.

Wer bekommt wie viel? - Der Kreis der Empfänger, die für diese Prämie infrage kommen, und der Verteilungsschlüssel werden derzeit gemeinsam mit dem Betriebsrat abgestimmt.

Extra-Bonus - Grundsätzlich unterstützen wir anerkennende Maßnahmen, die vom Bund, dem Land oder anderen Institutionen für unsere Mitarbeitenden zur Verfügung gestellt werden. Da im Sommer die Zusagen für derartige Maßnahmen relativ wage waren, haben wir uns als Kerckhoff-Klinik zusammen mit den Gremien entschlossen, unseren hoch engagierten Mitarbeitenden aus eigenen Mitteln einen nicht unerheblichen Bonus zur Verfügung zu stellen - als kleine Anerkennung besonderer Leistung. Jeder Mitarbeitende in Vollzeit konnte sich im Oktober über 500 Euro zusätzlich auf dem Konto steuer- und sozialversicherungsfrei freuen. Teilzeitkräfte erhielten die Prämie anteilig. Demgegenüber fallen die Bundeszuschüsse etwas bescheidener aus. Dennoch ist es ein Signal in die richtige Richtung.

Kapazitätsgrenze - In der ersten Welle, in der ein von Gesundheitsminister Jens Spahn verordneter Einbestellungsstopp für planbare Eingriffe erfolgte, konnten wir zur Versorgung von intensivpflichtigen Patienten bis zu 47 Betten anbieten und hatten die Abläufe dementsprechend ausgerichtet. Aktuell sind wir an der Kapazitätsgrenze unserer Möglichkeiten für die intensivmedizinische Versorgung von Covid-Patienten unter den Bedingungen des »Regelbetriebs« angekommen. Dies gilt auch für unsere Infektionsstation. Sollte sich das Patientenaufkommen weiter erhöhen, werden wir in Absprache mit dem koordinierenden Universitätsklinikum Gießen weitere Maßnahmen abstimmen, um mehr Beatmungsbetten zur Verfügung stellen zu können.

Kooperationen - Wir sind sehr froh über unseren direkten Draht zu Dr. Merbs, dem Leiter des Gesundheitsamts Wetterau, der sich seit Beginn der Pandemie hoch kompetent und sehr verantwortungsvoll mit allen Institutionen durchgehend abstimmt. Auch die Abstimmung mit unserem lokalen Partner, dem Gesundheitszentrum Wetterau, funktioniert wie gewohnt perfekt, sowohl auf Leitungsebene, als auch auf medizinischer Fachebene.

Das Freihalten von Kapazitäten für Covid-Patienten während der ersten Welle und die personellen und organisatorischen Auswirkungen - Als Schwerpunktklinik für Lungenerkrankungen verfügen wir über die medizinische Kompetenz und Erfahrung, diese oft schwer kranken und beatmungspflichtigen Patienten zu versorgen. Das ganze Kerckhoff-Personal wurde in der ersten Welle mobilisiert, um unsere Intensivkapazitäten erheblich zu erweitern und aufzustocken. Organisatorisch war und ist dies ein enormer Kraftakt für alle Beteiligten im Haus. Dennoch möchten wir betonen, dass wir geradezu begeistert sind, wie das Team der Kerckhoff-Klinik in der Krise funktioniert und zusammenarbeitet. Es ist über die Berufsgruppen-Grenzen und Institutionen hinweg ein tolles Mannschaftsergebnis. Die Art und Weise, wie das Team die Umstrukturierung und die neue Aufgabenverteilung übernommen hat, war und ist beeindruckend. Die Zahnräder greifen damals wie heute sehr reibungslos ineinander.

Andere dringende Fälle - Während die Bereitstellung von Intensivkapazitäten sicher zu den großen Herausforderungen gezählt werden muss, behalten wir die Entwicklung auf unserer Isolationsstation immer im Blick, da sich ein Teil dieser anfänglich stabilen Patienten bis hin zur Beatmungspflichtigkeit verschlechtert und somit zur Belegung der Intensivstation beiträgt. Aktuell betreuen wir mehr Patienten intensivmedizinisch als in den Spitzenzeiten der ersten Infektionswelle und sind für einen weiteren Anstieg gerüstet. Sorge bereitet uns erneut das Aufschieben von Patienten, die als elektiv, also planbar eingestuft werden, da auch diese eine gewisse Dringlichkeit haben. In einem Notfall-Szenario, das es in der ersten Welle gab und das sich jetzt anbahnt, müssen wir abwägen, ob eine behandlungsbedürftige Erkrankung noch Wochen oder Monate Zeit hätte - um in dieser Zeit Patienten, die vielleicht nur noch Stunden oder Tage haben, vorzuziehen. Dringliche Eingriffe werden weiterhin durchgeführt. Gleichzeitig ist im Rahmen der zweiten Welle, die aus unserer Sicht wesentlich mehr Patienten für Krankenhäuser zur Folge hat, damit zu rechnen, dass wir Patienten mit weniger Personal behandeln müssen - aufgrund von mehr Testungen und dadurch erhöhter quarantänebedingter Abwesenheit.

Pflegekräfte gesucht - Es bleibt folglich wenig Luft zum Durchatmen, und dennoch bringen unsere Mitarbeitenden jeden Tag außergewöhnliche Leistungen. Wer eine Pflegeausbildung, insbesondere in der Intensivmedizin hat, und die Kerckhoff-Klinik gerade in Zeiten der Pandemie unterstützen möchte, ist herzlich willkommen!

Wirtschaftliche Folgen - Wirtschaftlich haben die Regelungen zum Ausgleich verschobener elektiver Eingriffe bei Weitem nicht zu einer Kompensation der Erlösrückgänge geführt. Ob die mit dem Krankenhauszukunftsgesetz eingeführten weiteren Ausgleichsregelungen eine Kompensation ermöglichen, bleibt abzuwarten. Hier ist der besonderen Rolle von Level-1-Häusern nicht gerecht geworden. Es gab Einrichtungen, die davon profitiert haben. Es gibt die unausgesprochene Erwartungshaltung, dass für einen Teil der pandemiebedingten Ausfälle die Träger dafür einspringen müssen. Diese Erwartung teilen wir nicht. ARCHIVFOTO: SK/FOTO: PM

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