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Endlich wieder erlaubt: ein großes Orchester auf der Bühne. Die Kammerphilharmonie Bad Nauheim mit Uwe Krause am Pult.

Wunderbarer Gesamtklang

  • VonHanna von Prosch
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Bad Nauheim (hms). Es war nach einem Jahr Schweigen ein gelungener Neustart für die Sinfoniekonzert-Reihe im Jugendstiltheater. Gleich drei große Werke präsentierte die Kammerphilharmonie Bad Nauheim unter der Leitung von Uwe Krause. Begeisterten Applaus ernteten die herausragenden Solisten Anne-Sophie Bertrand, Harfe, und Nathanaël Carré, Flöte.

»Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum«. Das ist das Motto des Vereins zur Förderung Sinfonischer Musik Bad Nauheim, der ausgerechnet in dieser schwierigen Zeit sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Ein Irrtum war das Leben im vergangenen Jahr wirklich nicht, aber Musik gestreamt und aus der Konserve ist nicht das Gleiche wie Live. So freute sich Vorsitzender Diethard Bauer, dass er wenigstens 200 Gäste im »ausgebuchten« Jugendstil-Theater begrüßen konnte und ein spielhungriges Orchester mit rund 40 Personen auf der Bühne. Verletzungsbedingt fiel die Soloflötistin Sarah Louvion aus. Für sie sprang der 32-jährige Soloflötist der Stuttgarter Oper, Nathanaël Carré, ein.

Die drei Werke bewegten sich in einem Zeitraum von noch nicht einmal 70 Jahren und waren doch grundverschieden. Das Konzert begann mit der letzten der zwölf sogenannten Londoner Symphonien Joseph Haydns in festlichem C-Dur. Kritiker sahen darin ein für Haydn ungewöhnlich ausgelassenes Werk, zwar bis in die barocke Tradition reichend aber mit vielen neuen Ausprägungen, tonaler Spannung und abrupten Wechseln der Klangfarbe. Das mag der Grund sein, warum es nicht so eingängig war, sondern als ein wenig holzschnittartig empfunden wurde.

Nur drei Doppelkonzerte schrieb Mozart, eins davon für Flöte und Harfe. Sofort kommt einem das bekannte, kokettierende Thema in den Sinn, das sich zwischen den beiden Soloinstrumenten verspinnt und zu virtuosen Kadenzen weitet. Man glaubt, den scherzenden Komponisten persönlich hinter der goldenen Harfe von Anne-Sophie Bertrand hervorspitzen und zu den tänzelnden Flötentönen seine Faxen machen zu sehen. Beide mit Preisen ausgezeichnet, in renommierten Orchestern und auf Festivals etabliert, spielten hinreißend zusammen.

Ein musikalisches Lächeln

Weich und fließend die Flöte, golden der Harfenklang, ausdrucksvoll und leichtfüßig jonglierten sie mit den Themen. Sie zelebrierten die Kadenzen, gaben ihnen durch langsame Tempi und nuancierte Dynamik etwas Geheimnisvolles. Im Orchester breitet sich musikalisch ein Lächeln aus, das die Freude ob der gelungenen Harmonie zum Ausdruck brachte.

Nach dem Applaus, der wie aus einem vollen Haus erklang, lauschte das Publikum der Zugabe aus einer Gluck-Oper.

Als drittes Stück stand die »Schottische« von Felix Mendelssohn Bartholdy auf dem Programm. Die Zuhörer waren von der bequemen Sesselposition schon zuvor auf die vordere Stuhlkante gerückt und erwarteten nun gespannt das 40-Minuten-Werk aus dem kontrastreichen, bisweilen düsteren Land der Maria Stuart.

Mendelssohn hatte sich bei seiner Reise nach Schottland 1829 Notizen zu dieser Sinfonie gemacht. Aber erst 1842 vollendete er die Komposition, deren zwei letzte Sätze er attacca (ohne Pause) verband. Die Bläser der Kammerphilharmonie zeigten gleich zu Beginn, ohne Streicher, und immer wieder einen wunderbaren Gesamtklang.

Zwar meint der Zuhörer in der Musik die schottische Landschaft oder Ritte und wildes Gemetzel zu erkennen. Aber Mendelssohn widmet sich, ganz ohne Abbilder zu schaffen, oft allein dem Klang. Dennoch lässt er im zweiten Satz Volkstümliches zu, in dem die Klarinette den Dudelsack mimt und ihn Tanzweisen auf einem Volksfest inspirierten. Engagiert dirigierte Krause dieses imponierende Werk, und das Orchester verstand es, eine musikalisch anregende Reise zu einem eindrucksvollen Gesamterlebnis werden zu lassen.

Ein Duo von französischem Charme : Anne-Sophie Bertrand an der Harfe und Nathanaël Carré mit seiner Zauberflöte.

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