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Pfarrerin Anne Wirth predigt in der Schwalheimer Kirche. Der Gottesdienst wird gefilmt und gestreamt, Menschen aus etwa 30 Haushalten schauen und hören von zu Hause aus zu,

Worte des Glaubens via Stream

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Bad Nauheim (pm). Gottesdienst am Faschingssonntag - normalerweise für die Kirchengemeinde Schwalheim-Rödgen eine Feier, in der frohe Botschaft und Frohsinn, Kanzel und Bütt, Amen und Helau sehr nahe beieinanderliegen. Ein Gottesdienst, in dem Luftballons im Kirchenraum schweben und Pfarrerin Anne Wirth eine Narrenkappe trägt. Nicht so an diesem Sonntag.

Das leere Kirchenschiff Schwalheims gleicht eher einem Aufnahmestudio, in dem wenige Menschen um viel technisches Gerät herum stehen.

Mit den Weihnachtsgottesdiensten ist die Kirchengemeinde dazu übergegangen, die Gottesdienste live zu streamen. Der Heilige Geist weht, wo er will, heißt es in der Bibel, und mittels digitaler Konferenzschalte vermag er auch aerosolfrei in die Haushalte der Gemeindemitglieder zu wehen, sobald sie sich per Mausklick auf der Homepage https://www.evangelisch-in-bad-nauheim.de/inhalt/Termine/ in den Gottesdienst begeben.

Zu Hause können auch all jene kräftig singen, die dort über ein Liederbuch verfügen und sich auf die Begleitung des Kantors einlassen. Heute lässt Timo Kreuder, Chorleiter in der evangelischen Kirchengemeinde Okarben, mit Gesang und Klavier die Kirchenmusik erklingen.

Nach Faschingsstimmung ist der Pfarrerin in diesem Jahr nicht zumute, denn zu groß ist überall der Verzicht in Zeiten der Pandemie. Ohnehin lässt sich die Ausgelassenheit der fünften Jahreszeit nicht so einfach übers Netz vermitteln. Nun ist alles anders als in den Vorjahren, als die Gemeinde nach dem Gottesdienst noch fröhlich bei Kaffee und Kräppeln im Kirchenraum verweilte und sich die geschliffenen Reime der Pfarrerin auf der Zunge zergehen ließ.

Vom Verzicht und von der Liebe

Verzicht ist deshalb das Stichwort der Predigt, mit dem Pfarrerin Anne Wirth bereits einen Blick auf die Fastenzeit wirft. Es geht um die Frage, an welcher Art des Verzichts Gott einen Gefallen hat. Aufgeworfen wurde diese Frage bereits vor 2500 Jahren vom Propheten Jesaja. Er beklagte, dass Menschen zwar vermeintlich gottgefällige Verzichtsübungen verrichteten, aber in ihren Herzen unverändert verhärtet blieben. Aus seinem prophetischen Mund erklingt die Wut Gottes über die Annahme der Menschen, er sei käuflich. Deshalb sei, wie Pfarrerin Wirth ausführt, das Fastengebot untrennbar mit dem Liebesgebot verbunden. Fasten könne demnach nur sinnstiftend sein, wenn der Verzicht gleichzeitig den Raum freigebe für den liebevollen Blick auf den Nächsten. Dazugehöre auch oder vor allem jener Zeitgenosse, über den man sich im Alltag ärgere. Erst der liebevolle Blick auf den nervigen Nächsten, auf den leidenden Menschen oder auf das misshandelte Tier schaffe Berührbarkeit, wodurch sich Lösungswege eröffneten.

Diese Botschaft des Fastengebots passte im Übrigen gut zum Valentinstag, auf den der Faschingssonntag in diesem Jahr fiel - und sie wurde darüber hinaus vertieft durch die Lesung des »Hohenlieds der Liebe« aus dem Korintherbrief.

Am 28. Februar wird um 9.30 Uhr wieder aus der Schwalheimer Kirche gestreamt. Am vergangenen Sonntag waren fast 30 Haushalte zugeschaltet. Die Tendenz ist steigend, und die Kirchengemeinde überlegt, in die eingesetzte Übertragungstechnik zu investieren, weil sehr wahrscheinlich dieser Weg der Verkündigung auch nach der Pandemie Teil des Angebots der Kirche bleiben wird.

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