Wohnungsmarkt: Entspannung nicht in Sicht

Bad Nauheim (cor). Die Nachfrage übersteigt bei Weitem das Angebot – so stellt sich nach den Worten von Immobilienmakler Peter Müller die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt von Bad Nauheim dar. Diese Aussage treffe sowohl auf Eigentumswohnungen als auch auf Mietobjekte zu. Müller zog seine Bilanz bei einer Informationsveranstaltung des Vereins Haus & Grund am Donnerstagabend im KWA-Parkstift Aeskulap.

Müller veranschaulichte seine Ausführungen anhand diverser Tabellen. In Sachen Bautätigkeit habe sich in den letzten zehn Jahren in Bad Nauheim viel getan. Gebaut worden sei in vielen Stadtteilen, zu den bekanntes Gebieten zählten "Auf den Goldäckern" in Nieder-Mörlen, "Im Sichler" sowie "Am Goldstein", wo alleine 180 Grundstücke verkauft wurden. Zwischen 150 und 160 Parzellen habe die städtische Wohnungsbau-Gesellschaft in der ehemaligen amerikanischen Siedlung ausgewiesen, die meisten seien nach kurzer Zeit verkauft worden. In allen Baugebieten entstünden Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen.

Zusätzlich zu den Neubaugebieten entsteht laut Müller neuer Wohnraum in Baulücken oder alten Villen, die saniert werden. Allein 20 neue Eigentumswohnungen seien in der Ludwigstraße angeboten worden. "Die sind am 1. Mai auf den Markt gekommen, am Ende des Monats waren bereits 80 Prozent reserviert", sagte Müller. Weitere Projekte seien in Planung. Der Referent nannte die Baugebiete "Am Hempler" (Nieder-Mörlen) und "Mörler Grund" (Steinfurth). Die Hempler-Grundstücke seien bereits komplett reserviert.

Bad Nauheim sei als Wohnort weiterhin begehrt, was an der idealen Infrastruktur liege. "Wir befinden uns genau zwischen Gießen und Frankfurt, in der Mitte Deutschlands." Die Nachfrage nach Eigentum und Mietobjekten übersteige inzwischen deutlich das Angebot. "Viele Anfragen, die mich erreichen, kann ich gar nicht bedienen", betonte der Immobilienmakler.

Die große Nachfrage wirkt sich auf die Preise aus, günstige Mietwohnungen sind oft schwer zu finden. "Aktuell werden im Internet gut 99 Wohnungen in Bad Nauheim zur Vermietung angeboten", berichtete Müller. Meist handele es sich um Drei- oder Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen mit einer Durchschnittsmiete von 750 Euro. Suche jemand nach einer Wohnung mit mindestens fünf Zimmern, werde es kompliziert. Aktuell befänden sich gerade einmal sechs Wohnungen dieser Größe auf dem Markt. Rar seien auch kleine Einheiten. Gerade für kleine und große Wohnungen müsse man tief in die Tasche greifen. Die Quadratmeterpreise lägen im Schnitt bei 12,13 Euro (Kleinwohnungen) und 10,32 Euro (Großwohnungen). Ähnlich sehe es bei Mietshäusern aus.

Für viele Familien seien diese Preise unbezahlbar. Wohnungen mit einer durchschnittlichen Größe hingegen gebe es im Schnitt zwischen 6,30 und 7,09 Euro pro Quadratmeter. Durch überteuerte Eigentumswohnungen, die hochwertig saniert wurden, sei der durchschnittliche Quadratmeterpreis in die Höhe gegangen, derzeit liege er in Bad Nauheim bei 8,82 Euro. "Wenn ein Vermieter im Schnitt 7 bis 8 Euro für ein Objekt in angemessener Lage verlangt, ist er auf der sicheren Seite", betonte der Redner.

Viele gute Ansätze seien in der Stadt zu erkennen. So habe die Wobau Häuser in der Hochwaldstraße zu Sozialwohnungen umfunktioniert. "Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ein richtiger Ansatz", sagte Müller. Das Problem "bezahlbare Wohnung" sei nicht nur in Bad Nauheim akut. Blicke man in andere Städte, sei die Lage noch extremer. Die Situation auf dem Wohnungsmarkt der Kurstadt werde sich in nächster Zeit sicherlich nicht entspannen.

In einem weiteren Vortrag beschäftigte sich Rechtsanwalt Marc R. Philipp mit Fragen des Mietrechts.

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