Dieses Bild gibt die Situation auf dem Bad Nauheimer Wochenmarkt gut wieder. Die meisten Kunden und Passanten tragen eine Maske, nur eine Minderheit ist "oben ohne" unterwegs. FOTO: NICI MERZ
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Dieses Bild gibt die Situation auf dem Bad Nauheimer Wochenmarkt gut wieder. Die meisten Kunden und Passanten tragen eine Maske, nur eine Minderheit ist "oben ohne" unterwegs. FOTO: NICI MERZ

Wenige Verstöße

Wochenmarkt Bad Nauheim: Verwirrende Maskenpflicht

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Die Maskenpflicht ist nicht erst seit den jüngsten Vorfällen in Berlin ein umstrittenes Thema. Auch auf dem Bad Nauheimer Wochenmarkt hält sich nicht jeder daran. Warum?

Im Bad Nauheimer Rathaus und bei der WZ gehen immer mal wieder Beschwerden von Besuchern des Wochenmarkts ein, der dienstags und freitags in der Fußgängerzone veranstaltet wird. Diese Bürger sehen ihre Gesundheit durch "renitente Verweigerer" gefährdet, die es trotz der Corona-Vorschriften ablehnten, den Mund- und Nasenschutz zu tragen.

"Fast alle Besucher halten sich an die Maskenpflicht, außer etwa 15 Prozent, die dann auch noch pampig reagieren", heißt es in einem Schreiben an die Stadt. Wie Erster Stadtrat Peter Krank und der Markt-Organisator, der Landesverband für Markthandel und Schausteller (LMS) Hessen, bestätigen, gibt es eine "maskenlose" Minderheit, darunter seien aber kaum Überzeugungstäter.

Hans-Jürgen Braunsdorff, hauptamtlicher Betriebsleiter Märkte beim LMS, ist oft in Bad Nauheim unterwegs. Was die Maskenpflicht angehe, sei Bad Nauheim eher ein "Vorzeigemarkt". Natürlich könnten nie alle unter einen Hut gebracht werden, doch die überwiegende Mehrheit trage den Mund- und Nasenschutz. "Bei den Leuten, die sich an einem Stand anstellen, sind es weit über 90 Prozent", sagt Braunsdorff.

Marktaufsicht kontrolliert

Wer Mund und Nase nicht bedeckt habe, werde unter Umständen von der Marktaufsicht angesprochen und um Rücksichtnahme gebeten. "Meist ist die Reaktion positiv. Manche entschuldigen sich sogar, weil sie keine Maske tragen, oder drehen auf dem Absatz rum und verlassen den Marktbereich", schildert der Betriebsleiter seine Erfahrungen.

Mehr als eine Aufsicht zur Kontrolle einzustellen, sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht machbar. Deshalb wähle der Mitarbeiter genau aus, wen er anspreche. "Mit einer Gruppe Jugendlicher das Gespräch zu suchen, hat meist wenig Sinn. Die scheren sich wenig darum", sagt Braunsdorff. Unterstützung erhalte der Landesverband in erster Linie durch den "Schutzmann vor Ort", Bernd Büthe.

Manche Passanten verweigerten die Einhaltung der Vorschrift aus Protest, doch bei der überwiegenden Mehrzahl handele es sich um Nachlässigkeit. In der Regel werde ein Kunde ohne Maske an den Ständen trotzdem bedient, erhalte allerdings den Hinweis, sich bitte künftig an die Pflicht zu halten. In Frankfurt seien die Zustände deutlich schlimmer. Dort werde auch kein Kunde bedient, der ohne Mund- und Nasenschutz am Stand erscheine.

Unklarer Geltungsbereich

Ähnlich schätzt Erster Stadtrat Peter Krank die Lage auf dem Markt ein. Er sieht in erster Linie das Problem einer genauen Definition des Marktbereichs. "Wer zum Beispiel durch die Fußgängerzone zu einem Geschäft gehen möchte und dabei an den Ständen vorbei geht, glaubt oft, keine Maske tragen zu müssen - zumal er sich im Freien aufhält", erläutert Krank. Das sei aber eindeutig falsch. Wie eine Landesverordnung regele, gelte die Pflicht im gesamten Marktbereich.

Verwirrend sei auch die Außenbewirtschaftung der Gaststätten, die in der Fußgängerzone lägen und von Ständen umgeben seien. Wer dort sitze, müsse keine Maske tragen, Gleiches gelte für Marktkunden, die an einem Stand etwas essen oder trinken.

Die meisten Menschen, die dienstags und freitags ohne Mund- und Nasenschutz in der Stresemannstraße oder der Alicestraße unterwegs seien, hätten die Vorschriften und den Geltungsbereich nicht genau verstanden. "Es gibt allerdings auch wenige Verweigerer, ich möchte da nichts schönreden", betont Krank. In diesen sehr, sehr wenigen Fällen müssten die Mitarbeiter der städtischen Ordnungsbehörde, die ab und zu auf dem Markt präsent seien, ein Bußgeld aussprechen. Überwiegend stecke hinter den Verstößen aber kein böser Wille.

Der Erste Stadtrat appelliert an alle Bürger, sich an die Vorschriften zu halten. Nur durch die Maskenpflicht sei es überhaupt möglich gewesen, den Wochenmarkt trotz Corona offen zu halten.

Maskenpflicht gilt seit Monaten

An den Zugängen zum Bad Nauheimer Wochenmarkt weisen große Plakate und Banner, die über der Fußgängerzone hängen, auf die seit Monaten gültige Maskenpflicht hin. Manche der rund 30 Händler informieren in ähnlicher Form an ihren Ständen. Trotzdem fühlen sich einige Passanten nicht angesprochen. Meist handelt es sich um Bürger, die keinen Stand besuchen und das Marktgelände lediglich durchqueren wollen, um zu einem Geschäft zu gelangen. Klar ist jedoch: Die Maskenpflicht beginnt in Höhe des ersten Stands und endet erst am letzten.

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