Im Porzellanhaus Frick hat Ralf Ramershoven mit dem Verkauf von Weihnachtsartikeln begonnen.
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Im Porzellanhaus Frick hat Ralf Ramershoven mit dem Verkauf von Weihnachtsartikeln begonnen.

Shoppen in Corona-Zeiten

Menschen kaufen wegen Corona anders ein ‒ Das sagen Händler aus Bad Nauheim und Friedberg

  • vonCorinna Weigelt
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Die angespannte Corona-Lage wirkt sich auf das Einkaufsverhalten der Kunden aus, wie bei einer Umfrage in Bad Nauheim und Friedberg deutlich geworden ist.

Bad Nauheim/Friedberg - Ein Trend, den Corona mit sich gebracht hat, setzt sich fort: Wurde im Sommer der eigene Garten aufgehübscht, so sind es nun im Herbst die heimischen vier Wände. Vom Puzzle bis zum Interieur - viele Produkte sind aktuell beliebt. Auch die ersten Weihnachtsgeschenke gehen schon über die Ladentheke, wie bei der jüngsten WZ-Umfrage in Bad Nauheim und Friedberg zu erfahren gewesen ist.

Priorität scheinen derzeit Produkte zu genießen, die das eigene Heim schöner machen oder für Geselligkeit sorgen. Gefragt sind Deko-Artikel, Heimtextilien oder auch Haushaltswaren, wie Hedi Müller (Present, In den Kolonnaden, Bad Nauheim) weiß. Die Menschen verbringen aktuell eben mehr Zeit zu Hause. »Erste Weihnachtsgeschenke wurden auch schon verpackt«, sagt Müller. Daher werden die Kunden beim Verpacken der Artikel auch bereits gefragt, welches Geschenkpapier sie wünschen.

Einkaufen in Corona-Zeiten: Puzzles sind in Bad Nauheim heiß begehrt

Zu einem gemütlichen Zuhause gehören auch Spiele, und die liegen mit Puzzles oder Gesellschaftsspielen gerade im Trend. Circa 80 Prozent der Puzzle-Motive seien bei Ravensburger bereits ausverkauft, wie Spielwaren Feigenspan (Parkstraße, Bad Nauheim) seine Kunden per Aushang informiert. »Momentan haben wir aber noch viele Puzzle da«, sagt Stefan Feigenspan. Gefragt seien auch Adventskalender. Derzeit sei ein guter Zeitpunkt, entspannt und ohne Hektik einzukaufen. Feigenspan hofft, dass sich diese Normalität und der Betrieb in den Geschäften vernünftig fortsetzen. Es sei ratsam, nicht mit zu vielen Menschen aus einer Familie oder Gruppe einkaufen zu gehen. So entstünden auch keine langen Warteschlangen vor den Eingangstüren.

Trendspiele sind auch in Friedberg gefragt. Das bestätigt Edith Holtmann, Inhaberin von Katie’s Spielewelt an der Ecke Goetheplatz/Kaiserstraße. Schon während des Lockdowns rund um Ostern wurden in erster Linie Puzzles und Brettspiele telefonisch geordert und dann abgeholt oder geliefert. Holtmann: »Das wollen viele nicht noch einmal erleben, alle haben Angst vor einem Lockdown und kommen schon jetzt, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen.« Der Run vor allem auf alles, mit dem man Kinder beschäftigen kann, ist ungebrochen. Dazu gehören auch Malbücher und Bastelmöglichkeiten aller Art. »Ich habe noch nie um diese Zeit so viele Weihnachtsgeschenke eingepackt wie in diesem Jahr«, sagt Holtmann.

Corona in Friedberg: Menschen kaufen mehr vor Ort ein

Ähnlich ist dies im Porzellanhaus Frick, auch wenn dort die Weihnachtssaison mit dem Aufbau der Tische mit Weihnachtssortiment traditionell Mitte Oktober beginnt. »Wir verpacken schon etwas mehr Weihnachtsgeschenke als zur gleichen Zeit im letzten Jahr«, sagt Ralf Ramershoven. Vor allem die Sammler von hochwertigem Porzellan und anderen Dingen rund um Weihnachten kommen in diesem Jahr früher. Über eines freut sich Ramershoven besonders: »In vielen Gesprächen habe ich festgestellt, dass die Menschen verstärkt vor Ort einkaufen. Sie wollen, dass die Innenstädte mit ihrem vielfältigen Angebot erhalten bleiben.«

Das beobachtet auch Jens Dörr-Radewaldt, Inhaber des kleinen Geschäfts Natürlich Kunst in der Schirngasse. Allerdings spürt auch er bei seinen Kunden eine gewisse Unsicherheit: »Viele fürchten einen Lockdown in der Vorweihnachtszeit.« Was dem Spezialisten für hochwertige Geschenke aller Art noch aufgefallen ist: »Die Kunden informieren sich mehr und vergleichen.« Der Umsatz ist mit dem des Vorjahres vergleichbar, allerdings werden mehr »schöne Dinge, mit denen man die eigene Seele streicheln kann, gekauft«.

Einkaufen in Zeiten von Corona: Menschen meiden Großstadt

»Die Kunden haben sich mit einem Kauf intensiver auseinandergesetzt«, sagt Anne Flor-Spuri von Optik Boelke in der Bad Nauheimer Parkstraße. Das Kaufverhalten habe sich seit Beginn der Pandemie gewandelt. Mancher habe die neue Brille vorgezogen oder sich eine neue trendige Sonnenbrille gegönnt. Auch die Sprudeltaler der Stadt kamen zum Einsatz, der zusätzliche Rabatt der Sprudeltaler biete Kunden einen tollen Anreiz. Damit sich die Kunden bei Boelke sicher fühlen, bieten mehrere Räume genügend Platz, sei es für Anpassungen von Hörgeräten oder Kundenberatung. »Wir sind auch froh darüber, dass wir trotz der Corona-Krise niemanden unserer Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken mussten«, sagt Flor-Spuri.

»Die Kunden möchten sicher einkaufen«, weiß Natascha Schmidt, Vorsitzende von Erlebnis Bad Nauheim. Viele bevorzugen nun verstärkt den lokalen Einkauf. Wegen steigender Infektionszahlen meide mancher eine Shoppingtour in der Großstadt. Es werde auch bewusster unter dem Aspekt »buy local«, kaufe lokal, eingekauft. »Kunden wollen damit auch den Handel vor Ort unterstützen. »Buy local« sei unlängst zu einem wichtigen Thema der Corona-Krise geworden. Schmidt erkennt hier eine Chance für den stationären Handel. Gemeinsam mit der Stadt Bad Nauheim plane man bereits für die Vorweihnachtszeit. Auch die Veranstaltung »Bad Nauheim leuchtet« werde in diesem Jahr stattfinden. (Corinna Weigelt)

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