hed_ihm_Margarethenhof2__4c
+
Bewohner des Hauses Sprudelhof, hier mit Betreuer Ernesto Filippelli (rechts), zeigen bei schönem Wetter eine Kunstausstellung, die Optimismus vermitteln soll.

Kunstausstellung

»Wir wollen ein Lächeln zeigen«

  • vonPetra Ihm-Fahle
    schließen

Was macht die Corona-Krise mit Menschen, die psychiatrisch krank sind? Im Margarethenhof in Bad Nauheim kommt es pandemiebedingt schon mal zu Problemen. Dass man trotzdem Positivität zeigen kann, beweisen die Bewohner mit einer Kunstausstellung.

Das Kunstwerk zeigt Blumen, eine Bank und Sonnenschein. In die Szene einzutauchen, könnte dazu führen, die Corona-Krise zu vergessen - zumindest für einen Moment. Gemalt hat das Bild Volker Wünsche, der im »Haus Sprudelhof« des Margarethenhofs in Bad Nauheim wohnt. Dieses und andere Werke werden in der nächsten Zeit bei schönem Wetter den Rasen und die Fassade des Gebäudes in der Bahnhofsallee 3 schmücken. Zudem ist eine Fenster-Deko zu sehen.

Man will positive Akzente setzen. »Wir haben ein hartes Jahr hinter uns, für Kollegen und Bewohner«, schildert Ernesto Filippelli. Der 48-Jährige ist Betreuer in der Einrichtung für psychisch kranke und seelisch behinderte Menschen, die zur Dorea-Familie gehört. Er leitet unter anderem ein Kunstangebot und erlebt die Probleme hautnah mit.

Eine Kollegin sei an Covid-19 erkrankt gewesen, doch im Haus selbst habe es keine Corona-Fälle gegeben. Pandemiebedingt fehle es allerdings an Ablenkung für die Bewohner. »Sie haben nichts, um auf andere Ideen zu kommen, wodurch sie noch mehr Aufmerksamkeit, Pflege und Tagesstruktur brauchen.« Da sich die Lage nicht sehr positiv gestalte, sei Positivität wichtig. »Das schadet in dieser Zeit nicht. Ich habe gesagt ›Lasst uns nach außen gehen‹ und wir haben die Deko für die Fenster im Erdgeschoss gemacht.« Die Bahnhofsallee sei stark frequentiert, weshalb es sich anbiete, die optimistische Botschaft dort zu vermitteln. »Wir versuchen, ein Lächeln zu zeigen.«

Das Haus habe im Vorfeld der Krise vieles mit den Klienten geplant: »Eine Reise nach Italien, Ausflüge, Museumsbesuche, aber das hat leider alles nicht stattgefunden.« Es gebe auch Bewohner, die zur Tagesstätte gingen, doch viele davon seien gesundheitlich gefährdet, beispielsweise wegen Asthma. »Daher können sie teilweise seit einem Jahr nicht mehr dorthin.«

Das Beschäftigungsangebot habe das Haus früher in großen Gruppen auf die Beine gestellt, jetzt laufe es schichtweise. Früher seien die Betreuer auch mit vielen Personen in die Stadt gegangen, beispielsweise auf den Wochenmarkt. »Jetzt gehen wir in kleinen Gruppen oder einzeln. Wir spielen Dart, Bingo oder machen kleine Spaziergänge«, berichtet Filippelli.

Auf der Wiese vor der Einrichtung hängen Luftballons, die lachende Gesichter zeigen. Sie tragen keine Maske, was bei den Bewohnern, die sich fürs WZ-Foto formieren, anders ist. Die Klienten an die Masken und Hygieneschutzmaßnahmen zu erinnern, sei eine tägliche Routine, »die an die Substanz geht«, wie Filippelli bekennt.

Tendenz zur Vereinsamung

Fast alle Mitarbeiter und 70 bis 80 Prozent der Bewohner sind laut Einrichtungsleiterin Yvonne Geist zweimal geimpft. »Die Corona-Krise haben wir bisher gut gemeistert«, betont die 58-Jährige. Für die Klienten sei es schwierig, auf die Kontakte mit der Familie zu verzichten, die sowieso bei vielen rar seien. »Aber nun ist es noch weniger geworden.« Die Vereinsamungs-Tendenz sei für Menschen, die in der Gemeinschaft lebten, zwar niedriger, auf der anderen Seite könnten sie einander weniger ausweichen. Ein weiteres Problem sei, dass Waschzwänge, die mitunter bestünden, durch die Corona-Angst verstärkt würden. Umgekehrt gebe es den Personenkreis, der Hygiene für nicht so wichtig halte, was bei Menschen außerhalb der Einrichtung aber kaum anders sei. So seien ihr die Bewohner mit Masken aus der Stadt entgegengekommen, andere Passanten aber hätten keine getragen, berichtet Yvonne Geist.

Auch für die Mitarbeiter sei die Zeit belastend, denn sie müssten Ängste und Sorgen abfangen, obwohl manch einer selber darunter leide. Getestet werde regelmäßig, mehrere Angestellte seien darin ausgebildet.

Wie die stellvertretende Einrichtungsleiterin Juliane Bartsch hinzufügt, bewältigten die Bewohner die schwierige Zeit unter dem Strich aber gut. Sie habe mit mehr Akutsituationen gerechnet, wie die 38-Jährige schildert.

Kunst bei schönem Wetter

In den nächsten Wochen zeigt das »Haus Sprudelhof« des Margarethenhofs in der Bad Nauheimer Bahnhofsallee 3 eine Kunstausstellung. Zu sehen sind die Werke bei schönem Wetter auf dem Rasen vor dem Haus und an den Wänden. Bewohner Volker Wünsche hat die Bilder gemalt; die Fenster-Deko wurde von mehreren Bewohnern im Rahmen eines gemeinsamen Kunst-Projektes gefertigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare