Erweiterung im Norden?

Windpark: Geteilte Meinungen zu Planänderung

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Der Kurstadt-Bauauschuss lehnt die Erweiterung des Vorrangebiets für den geplanten Windpark Bad Nauheim in Richtung Norden ab. Hauptgrund: Wisselsheim könnte sich nicht mehr entwickeln.

Gegen die Nutzung der Windkraft haben die Mitglieder des Bauausschusses grundsätzlich nichts einzuwenden. Anders sieht es aus, wenn es um das Vorranggebiet 10502 geht, das zwischen Bad Nauheim und Wölfersheim liegt. Dort möchte der Energiekonzern EnBW den Windpark Bad Nauheim errichten. Wie berichtet, wird das Unternehmen den Genehmigungsantrag vermutlich noch in diesem Jahr beim Regierungspräsidium Darmstadt einreichen.

Der Bauausschuss musste sich erneut mit dem Thema befassen, weil der gerade erst vom Parlament des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main verabschiedete Teilplan Erneuerbare Energien (TPEE) bereits wieder geändert werden soll. Das hiesige Windkraft-Vorranggebiet soll im Süden (nahe Rödgen) verkleinert werden, weil dort ein Milan-Horst existiert, dafür aber im Norden (nahe Wisselsheim) wachsen. Diese Erweiterung wird vom Bauausschuss abgelehnt. Im Gegensatz zum Ortsbeirat Rödgen-Wisselsheim, der sich einmütig gegen diesen Teil der TPEE-Änderung wandte, gab es im Bauausschuss am Dienstagabend unterschiedliche Ansichten. Der Ausschuss und das Stadtparlament werden in dieser Sache ohnehin nur angehört, die endgültige Entscheidung trifft die Versammlung des Regionalverbands.

Zu Beginn der Debatte nannte Bürgermeister Klaus Kreß den Hauptgrund, der gegen die Verschiebung des potenziellen Windpark-Standorts gen Norden spreche. »Eine Entwicklung Wisselsheims wäre damit für alle Zeiten gehemmt.« Das im aktuellen Flächennutzungsplan vorgesehene Baugebiet im Osten des Stadtteils, das sich derzeit in der Planungsphase befindet, könne noch realisiert werden. Weitere Baugebiete könnten in dieser Himmelsrichtung aber nicht mehr ausgewiesen werden, weil sonst der Ein-Kilometer-Mindestabstand zu den Windrädern nicht einzuhalten sei. Im Westen, Norden und Süden verhinderten andere Festsetzungen im Flächennutzungsplan ein Wachstum von Wisselsheim.

CDU sorgt sich um Landschaftsbild

CDU-Fraktionschef Manfred Jordis schloss sich der Haltung des Bürgermeisters an. Er wundert sich, dass Vorranggebiete bei anderen Kommunen, die weit weniger als Bad Nauheim vom Tourismus lebten, im TPEE gestrichen worden seien. »Die Gründe dafür sind nicht nachvollziebar«, sagte Jordis. Er befürchtet eine deutliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, da die Windräder besonders hoch werden müssten - laut Kreß 260 Meter. Angesichts der geringen Windgeschwindigkeit an diesem Standort kann nach Angaben des CDU-Politikers nur so ein wirtschaftliches Ergebnis erzielt werden.

SPD und Grüne sind dagegen bereit, die Nachteile hinzunehmen, um die Energiewende zu befördern. Laut Dr. Martin Düvel (Grüne) wird das Landschaftsbild auch von Straßen oder Bahnlinien beeinträchtigt. »Auch sie sind unüberseh- und unüberhörbar«, sagte Düvel. Wer durch die Wälder gehe und das Baumsterben beobachte, werde Zeuge des Klimawandels. Deshalb müsse die Windenergie genutzt werden, die inzwischen günstiger sei als Kohlestrom.

SPD-Sprecher Georg Küster warf dem Bürgermeister eine überzogene Argumentation vor. Kreß behaupte, eine Entwicklung von Wisselsheim sei auf alle Zeiten unmöglich. Windräder hätten nur eine Lebensdauer von etwa 15 Jahren. Wer wisse schon, wie sich die Lage bis dahin entwickle.

Bei der Abstimmung über die Beschlussvorlage wurden die Punkte eins (grundsätzliches Ja zur Windenergienutzung) und zwei (Ja zur Streichung der Flächen im Süden) einstimmig verabschiedet. Die Erweiterung des Vorranggebiets im Norden wurde gegen die drei Stimmen von SPD und Grünen abgelehnt. Das letzte Wort hat das Stadtparlament.

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