Der Verein Wind- und Wasserkunst will im Frühjahr mit den Arbeiten für den Windmühlenturm beginnen.
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Der Verein Wind- und Wasserkunst will im Frühjahr mit den Arbeiten für den Windmühlenturm beginnen.

Wahrzeichen

Bad Nauheim: Endlich Baustart für den Windmühlenturm?

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Die Lange Wand ist ein Wahrzeichen Bad Nauheims. Bald sollen sich an der Wandmühle Flügel drehen. Doch der Verein Wind- und Wasserkunst benötigt Hilfe.

Bad Nauheim – Wind weht einem um die Ohren, Sole rieselt vom Schwarzdorn ins plätschernde Wasser. Die Bäume in der Nähe der Langen Wand wiegen ihre Kronen. Ein schöner Spazierweg erschließt sich dort. Die raue Natur vermittelt ein bisschen Nordseegefühl - Bad Nauheim eben. An diesem historischen Ort wird sich im Frühjahr ein wichtiger Schritt in punkto Windmühle tun.

Windmühle in Bad Nauheim: Mühlenturm seit 1826 ohne Flügel – Wiederherstellung lange geplant

Die Bad Nauheimer Gradierwerke entstanden im 18. Jahrhundert. Der Windmühlenturm an der Langen Wand steht seit 1747, seit 1824/26 allerdings ohne seine mächtigen Flügel. Sie zerbarsten bei einem Sturm und wurden aus Kostengründen abgebaut. Ihr Material wurde für den Bau des Kunstgestänges am Schwalheimer Rad verwendet, das mit der Langen Wand zusammenhängt.

Seit 17 Jahren besteht in Bad Nauheim die Idee, die Funktionstüchtigkeit der Windmühle wiederherzustellen. Es ist ein mühseliger Prozess für diejenigen, die sich dieser Aufgabe verschrieben haben. 2013 gründeten sie den Verein Wind- und Wasserkunst, um Quittungen für die dringend benötigten Spenden ausstellen zu können.

Einige Bad Nauheimer Firmen steuerten Geld bei, zudem beteiligte sich der Förderverein der Kurstadt um Klaus Neuhöfer mit 110 000 Euro. Unter dem Strich reichte es nicht, was einen weiteren Schritt erforderlich machte. »Wir haben gesagt, wir kommen ohne Fördergelder von Land, Bund und Europa nicht weiter«, schildert Vorsitzender Dr. Thomas Schwab. Das sah lange sehr gut aus.

Windmühle in Bad Nauheim: Schockanruf aus dem Ministerium

Noch im April konnte der Verein Erfreuliches melden, denn die Baugenehmigung lag vor, was lange gedauert hatte. Unmittelbar danach beantragte der Verein Geld bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank (WIBank) in Kassel. »Von dort hatte man uns zwei Jahre lang Hoffnung auf eine Förderung gemacht«, schildert Schwab. Ein Zuschuss von 50 Prozent der Investitionskosten stand in Aussicht, die sogenannte EFRE-Förderung (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung).

Anfang Juni erlebten die Ehrenamtlichen allerdings einen Schock. Wie das Hessische Wirtschaftsministerium erklärte, sei eine Bewilligung im Moment immer noch nicht möglich. »Knackpunkt war, dass Vereine nicht antragsberechtigt sind«, erzählt Schwab. Stets habe es geheißen, dass eine diesbezügliche Änderung der Richtlinien kurz bevorstehe. »Als der Bauantrag im April auf dem Tisch lag, sagte man uns dann: ›Tut uns leid.‹« Die Überarbeitung der Landesrichtlinie sei derzeit noch im Genehmigungsprozess.

Wiederherstellung der Windmühle in Bad Nauheim in drei Bauabschnitten – Flügel als dritter Schritt

Bei seiner jüngsten Mitgliederversammlung beschloss der Verein im Beisein von Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) und Stadträtin Sonja Rohde (CDU) einstimmig, trotzdem aktiv zu werden. »Wir beabsichtigen, die Wiederherstellung der Windmühle in drei Bauabschnitte zu unterteilen.« In welchen Abständen das möglich ist, macht der Verein von den Geldern abhängig, die jeweils zur Verfügung stehen. Der erste Abschnitt unter der Leitung des Architekturbüros Jung und Vydra startet voraussichtlich im Frühjahr. »Vorgesehen ist dann, die Galerie anzubringen«, sagt Schwab. Dabei handelt es sich um eine umlaufende hölzerne Arbeitsbühne, die den Windmühlenturm in einer Höhe von 15 Metern umgibt. »Von dort aus werden die Flügel, der Steert und die Bremse bedient.« Als Baumaterial dient laut Schwab wetterbeständiges Holz. »Gleichzeitig mit dem Bau der Galerie erfolgt die Innensanierung der Turmwände, wobei der Verein eine Kostenbeteiligung der Stadt erwartet.«

Zweiter Bauabschnitt wird die Turmkappe sein, die nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden soll. Der dritte Schritt wäre dann die Anbringung der Windmühlenflügel. Trotz des langwierigen, hürdenreichen Prozesses haben die Verantwortlichen vor, am Ball zu bleiben, wie Vorsitzender Schwab bekräftigt: »Wir haben die feste, unumstößliche Überzeugung, dass wir in Bad Nauheim gemeinsam mit Schwalheim ein bedeutendes technisches Industriedenkmal haben. Es gibt in Europa nichts Vergleichbares.«

Verein benötigt Spenden

Damit der Verein Wind- und Wasserkunst Bad Nauheim die weiteren Bauabschnitte der Windmühle stemmen kann, bedarf er zusätzlicher Einnahmen. Wie die Verantwortlichen mitteilen, sind sie auf eine deutliche Spendenbeteiligung der Bürger und Institutionen der Stadt und Region angewiesen. Auch regelmäßige Veranstaltungen und Events rund um die Windmühle sollen dazu beitragen, die Kasse wieder zu füllen. Spendenkonto: Verein Wind- und Wasserkunst Bad Nauheim e.V., Sparkasse Oberhessen DE 27 5185 0079 0027 0901 33 oder Volksbank Mittelhessen DE 20 5139 0000 0018 1164 05.

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