Beteiligung

Windkraft: Bad Nauheimer Stadtwerke steigen ein

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Erstmals beteiligen sich die Stadtwerke Bad Nauheim an einem Windpark. Allerdings nicht vor der eigenen Haustür. Die Anlage soll schon Ende 2017 in Betrieb gehen.

Es gibt tatsächlich noch Gemeinden, wo Windparks nicht auf Widerstand aus der Bevölkerung stoßen. Zu diesen Kommunen gehört Gedern. Dort wird demnächst eine weitere Anlage zur Erzeugung erneuerbarer Energien gebaut. Mit dabei sind die Stadtwerke Bad Nauheim, die sich erstmals an einem Windenergie-Projekt beteiligen.

Vor Jahren hatten die Bad Nauheimer Stadtwerke in Sachen Windkraft überaus ehrgeizige Pläne. Wie Bürgermeister Armin Häuser, der Aufsichtsratsvorsitzender des städtischen Unternehmens ist, 2014 erklärt hatte, stünden Investitionsmittel von 10 Millionen Euro für dieses neue Geschäftsfeld bereit. Genau drei Jahre später ist keines der Projekte realisiert, an denen sich die Stadtwerke beteiligen wollten. So ist geplant, mehrere Millionen Euro für einen Windpark bei Butzbach-Bodenrod bereitzustellen. Fraglich ist aber, ob sich dieses Bauvorhaben politisch jemals durchsetzen lässt, weil es enormen Protest aus der Bevölkerung und von der Bürgerinitiative Gegenwind gibt.

Wie Bürgermeister Häuser am Donnerstagabend im Haupt- und Finanzausschuss erklärte, hatten die Stadtwerke außerdem beabsichtigt, Geld in den Windpark Winterstein zu investieren. Daraus wird allerdings nichts, weil das Regierungspräsidium diesem Vorhaben die Genehmigung verweigert hat.

Überschaubare Investition

Die Möglichkeit, sich beim Bau von Windrädern in der Bad Nauheimer Gemarkung zu engagieren, hatte die Stadt dagegen bereits frühzeitig abgelehnt. Begründung des Bürgermeisters: Die in Frage kommenden Flächen im geplanten Windenergie-Vorranggebiet zwischen Wisselsheim, Rödgen, Schwalheim und Wölfersheim gehören nicht der Stadt. "Sich finanziell auf Privatgrundstücken zu engagieren, kommt für die Stadtwerke nicht in Frage", hatte der Rathauschef 2014 erklärt.

Mehr Glück hat das städtischen Unternehmen in Gedern. Dort existieren bereits Windparks, gegen den Bau weiterer Anlagen gibt es nach Angaben des Gederner Bürgermeisters Guido Kempel keinen Widerstand. Die Erzeugung erneuerbarer Energien stoße auf Akzeptanz, zumal die Windräder auf kommunalen Grundstücken in der Nähe des Stadtteils Wenings errichtet würden. Pachteinnahmen flössen in die Stadtkasse und kämen der Allgemeinheit zugute.

Die Stadtwerke Bad Nauheim beteiligen sich nur mit einem kleinen Betrag, um erste Erfahrungen mit Windkraft zu sammeln. Der Finanzausschuss votierte einstimmig dafür, 125 000 Euro bereitzustellen, um 4,5 Prozent des Eigenkapitals der Windpark Soderwald GmbH & Co. KG zu erwerben. Insgesamt gibt es 27 Gesellschafter, darunter die Mittelhessische Energiegenossenschaft. Die drei Windräder, deren Bau fast 16 Millionen Euro kostet, werden eine Nabenhöhe von 149 Meter haben und sollen bei einer Windgeschwindigkeit von 6,3 Meter pro Sekunde am Rand des Vogelsbergs im Jahr gut 20 000 Megawattstunden Strom produzieren. Alle Genehmigungen liegen vor, bereits Ende 2017 soll der Windpark in Betrieb gehen.

Der Beteiligung der Stadtwerke stimmten alle Ausschussmitglieder zu, nur FDP-Fraktionschef Benjamin Pizarro enthielt sich. Wie der Stadtverordnete verdeutlichte, habe er persönlich nichts gegen das Engagement einzuwenden. Es gibt aber auch Mitglieder seiner Fraktion, die den Bau neuer Windräder prinzipiell ablehnen.

Unklar ist, was aus der geplanten Beteiligung am Windpark bei Butzbach-Bodenrod wird. Dabei geht es nicht nur darum, ob das Bauvorhaben politisch durchsetzbar ist, sondern auch um die Frage der Wirtschaftlichkeit. Wie UWG-Fraktionschef Markus Philippi dazu im Finanzausschuss anmerkte, verschlechterten sich die Rahmenbedingungen durch Änderungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz. So gebe es für Strom, der von Windrädern erzeugt werde, in Zukunft eine geringere Vergütung.

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