Fünf Stunden und 25 Minuten braucht Björn Hauptmannl, um den 14,5 Grad kalten Edersee zu durchschwimmen.
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Fünf Stunden und 25 Minuten braucht Björn Hauptmannl, um den 14,5 Grad kalten Edersee zu durchschwimmen.

"Wie tausend Nadelstiche": Björn Hauptmannl durchschwimmt Edersee

Bad Nauheim (sda). Es gab diesen Moment, als er ans Aufgeben dachte. Nach drei Stunden ungefähr kam heftiger Gegenwind. Björn Hauptmannl ist weitergeschwommen – fünf Stunden und 25 Minuten hat er gebraucht, um am Sonntag als erster Schwimmer den rund 25 Kilometer langen Edersee zu durchqueren.

Sein erstes Edersee-Projekt ist damit abgeschlossen, das zweite steht in zehn Tagen an: die Hochzeit mit seiner Freundin Alexandra Oehm am Ufer. Anstrengend war es, aber "ich habe ja auch nichts anderes erwartet", sagt der 33-jährige Bad Nauheimer. "Gestern war ich kaputt. Und heute tut mir alles weh, was am Körper wehtun kann." Doch das sei zu verschmerzen. "Ich fange gerade erst an, alles zu realisieren; dass das, was ich mir ausgemalt habe, geklappt hat."

Gegen 11 Uhr ist er in den See gestiegen. Wassertemperatur: 14,5 Grad, an manchen Stellen 15,5. "Wie ganz leichte Nadelstiche auf dem ganzen Körper" habe es sich angefühlt. "Aber mit der Zeit und durch die Anstrengung gewöhnt man sich dran." Statt Neoprenanzug trug er eine Badehose. Und: Melkfett am ganzen Körper. Richtige Pausen waren nicht erlaubt, höchstens auf der Stelle schwimmen, jedoch ohne dabei die Füße abzusetzen oder sich an einem der Begleitboote festzuhalten. Wäre Hauptmannl schwach geworden, das Rekordvorhaben wäre ein Versuch geblieben.

Ungefährlich war es nicht. Selbst wenn Hauptmannl ehemaliger Leistungsschwimmer ist und schon Erfahrung in freien Gewässern hat, niedrige Wassertemperaturen sind nicht zu unterschätzen. Dass er eine Unterkühlung erleidet, war eine reale Gefahr. Um für den Ernstfall vorbereitet zu sein, wurde er von Booten begleitet. Eines der DLRG sowie eines der Segelschule. "Wäre etwas auffällig gewesen, hätten sie mich rausgeholt." Bootsfahrer und Schwimmer standen deswegen die ganze Zeit in Kommunikation. Zudem versorgten sie ihn mit Nahrung: "Nur in flüssiger Form. Pulver mit Proteinen, Kohlenhydraten und Mineralstoffen", erzählt Hauptmannl. "Die Betreuer mussten darauf bestehen. Ob ich wollte oder nicht." Immer mit im Boot: Hauptmannls Freundin Alexandra Oehm, die er in zehn Tagen am Edersee heiraten will. "Sie war ein wenig angespannt", erzählt Hauptmannl. "Aber sie kennt mich ja und hat lange genug mein Training begleitet.

" In gewisser Weise ist sie sogar für das Vorhaben ihres Verlobten verantwortlich gewesen, denn sie hat ihn an den Edersee gebracht – zum Segeln, erzählt der 33-Jährige. Dort habe er einen Segelschein gemacht. In einer gemütlichen Runde mit anderen Seglern sei das Thema zum ersten Mal auf den Tisch gekommen: Sie hätten ihn aufgezogen, "weil ich noch nicht so gut segeln konnte. Und ich sie, weil sie nicht gut schwimmen können." Die nicht ganz ernst gemeinte Kabbelei ging weiter, und der Schwimmer sagte irgendwann: "Ich schaffe den Edersee von vorne nach hinten."

Selbst wenn es eine "Schnapsidee" war, wie Hauptmannl sagt, "mich hat es einfach nicht mehr losgelassen." Der 33-Jährige begann zu planen, reichte eine Genehmigung beim Bundesschifffahrtsamt ein. Die war allerdings nur einer der Gründe, warum Hauptmannl wenige Tage vor seiner Hochzeit ein solches Projekt in Angriff nahm. Ein gewichtigerer Grund: der sportliche Ehrgeiz. Hauptmannl habe gehört, dass es noch mehr Schwimmer gibt, die darüber nachdenken, als Erste den Edersee schwimmend zu durchqueren.

"Danach hätte ich es zwar auch noch machen können, aber dann eben nicht mehr als Erster." Im Nachhinein eine gute Entscheidung: "Eine Schwimmerin will es am 21. Juni versuchen. Sie ist dann eben die erste Frau, die es geschafft hat."

Wer Lust auf Schwimmen bekommen hat: Der Rekordbrecher gibt Freiwasserseminare für Anfänger und Fortgeschrittene, unter anderem im Edersee und im Inheidener See.

Rekordversuch: Als Erster den Edersee durchschwimmen

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