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Stück für Stück werden von den Eisenbahnfreunden in Steinfurth alte Holz- gegen moderne Betonschwellen ausgetauscht.

Wettertalstrecke: Dank Corona sanieren statt fahren

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Bei den Eisenbahnfreunden Wetterau versiegen dank Corona wichtige Einnahmequellen. Die Mitglieder stecken aber nicht den Kopf in den Sand, kümmern sich um die Pflege der historischen Strecke.

Im vergangenen Jahr schauten die Eisenbahnfreunde Wetterau mit Sitz in Bad Nauheim aufgrund des Lockdowns viereinhalb Monate in die Röhre. Der für April vorgesehene Start fiel wegen der Corona-Regeln aus, erst Mitte August konnten die Fahrten mit dem historischen Zug zwischen Bad Nauheim und Münzenberg wieder aufgenommen werden.

Die Kurzsaison endete im Herbst. In diesem Jahr dasselbe Bild. An Ostern sollten die ersten Gäste begrüßt werden, doch von touristischen Fahrten mit einem von Dampf- oder Diesellok angetriebenen Zug kann erneut nicht die Rede sein. Wann 2021 der Saisonstart erfolgen kann, steht in den Sternen.

Schon 2020 hatte Vorsitzender Stefan John über Einnahmeverluste geklagt, die sich zu einer sechsstelligen Summe aufaddieren und die Existenz der Eisenbahnfreunde gefährden könnten. Dank der Unterstützung durch Spender und Bürger, die Gutscheine erworben haben, konnte das Aus bislang verhindert werden.

Viele Schwellen werden getauscht

In den letzten Monaten konzentrierte sich der Verein einmal mehr auf seine Aufgabe, die Schienenstrecke in technisch einwandfreiem Zustand zu halten. Nach Angaben von John gab es dabei zwei Schwerpunkte. “Nachdem wir in Griedel bereits 560 Holz- gegen Betonschwellen ausgetauscht haben, sind wir seit März in Steinfurth tätig und wechseln hier Teile aus, die in die Jahre gekommen sind.„ Langfristig haltbare Betonschwellen würden eingebaut, die mit ihrem Eigengewicht von knapp 300 Kilogramm nicht mehr mit der Hand zu verlegen seien. Deshalb setze der Bautruppe entsprechende Fahrzeuge ein.

In den letzten Wochen seien in Steinfurth die ersten 160 Schwellen getauscht worden, nun folge die Demontage von weiteren 150 Holzschwellen und der darauf befestigten Gleise. “Die Altschwellen werden herausgenommen, das Gleisbett wird ausgebaggert. Danach werden die Betonschwellen eingelegt, um das alte Schienenprofil darauf befestigen zu können„, schildert der Vereinsvorsitzende den Arbeitsablauf. Letzte Schritte seien das Verfüllen des Gleisbetts mit Schotter und der Einsatz einer professionellen Maschine, die in der Lage sei, Gleise und Schwellen millimetergenau auszurichten.

Die nächste Baustelle wird nach Aussage von John das Gebiet vor dem Bahnübergang Taubenbaum in der Kernstadt von Bad Nauheim sein, wo bereits fertige Gleisjoche (auf Schwellen vormontierte Gleise) angeliefert wurden. Auf den Fahrplan müssen die Helfer bei ihrem Sanierungsprogramm keine Rücksicht hinnehmen - dank Corona fahren keine Züge, und ein Saisonstart ist nicht absehbar.

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